AVN-Vorsitzender: Die Sexindustrie ist ‘im Aufschwung’, geht aber nicht nach Vegas

Mit fast 30.000 Teilnehmern aus 35 Ländern und einem Beteiligungsrekord von 800 Branchenstars fand letzte Woche zum sechsten Mal in Folge die jährliche AVN Adult Entertainment Expo im Hard Rock Hotel statt.

Die Ausstellung lief von Mittwoch bis Samstag, dem Tag der Preisverleihungen. Die Eintrittspreise reichten von $80 für den Tagespass bis zu $1.500 für den 4 Tage gültigen VIP-Zugang. Als eine von 5 Großveranstaltungen, die diese Woche in der Stadt stattfanden, ist AVN unter den ersten, die die zusätzlichen gut 2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche nutzten, die im Vorjahr geschaffen worden waren.

Der CEO von AVN, Tony Rios, gab in Las Vegas Auskunft über neue Trends, Produkte und Stars:

Letztes Jahr hat man uns gesagt, dass Pornografie so beliebt wie noch nie geworden ist, dass es aber immer schwieriger wird, Pornografie zu monetarisieren, da Videopiraterie und kostenlose Videos den Markt zerstören. Hat sich das seit der letzten Convention verändert?

Die Antwort ist: absolut. Mit dem Auftreten neuer Marktteilnehmer ist festzuhalten, dass hochqualitative Inhalte auch Käufer zurückholen. Zuvor war ein Punkt erreicht worden, bei dem alle Inhalte gleich wirkten. Es war alles sehr generisch, jetzt aber sind alle gezwungen, sich der Herausforderung zu stellen, inhaltlich spannendere Produkte zu liefern. Es gibt jetzt also Seiten, die für Mobilkunden geeigneter sind und eine höhere Bildqualität bieten. Das sind schöne Inhalte.

Der beste Weg, um Videos von schlechter Qualität und Piraterie zu bekämpfen, ist es, mehr Szenen in höherer Frequenz anzubieten und bessere Beziehungen zu jenen Unternehmen aufzubauen, die der Ursprung der Piraterie sind. Wir bauen starke Beziehungen zu allen großen Marktteilnehmern auf, und die arbeiten wirklich an neuen Wegen, dass jeder mit seinem Inhalt Geld verdienen kann.

Inzwischen gibt es Darsteller, die für ihren Auftritt in der Branche immer schon Tube-Profile hatten. Wir betrachten sie nicht als Leute, die die Branche zerstört haben, sondern als Leute, die wertvolle Methoden entwickelt haben, ihr Produkt zu vermarkten. Das ist der richtige Ansatz.

Was sind Tube-Seiten, sind das Seiten mit eigenen Streaming-Angeboten?

Eine Tube-Seite ist jede Plattform, auf der Inhalte kostenlos angeboten werden. Das ist die große Herausforderung für Produzenten von Inhalten. Wir investieren Geld, um Inhalte zu schaffen und müssen mit Gratisanbietern konkurrieren. Wie können wir da unsere Kosten wieder einspielen? Das ist sehr schwierig. Doch die Branche befindet sich im Aufschwung und auch die Produktion von Inhalten steigt an. Es ist eine großartige Zeit für die Branche..

Wenn die Pornobranche im Aufschwung ist, wann würden Sie sagen, war der Tiefpunkt erreicht?

Es begann um 2008. Das ging Hand in Hand mit der Finanzkrise, der großen Rezession. Alle dachten, Pornografie würde davon verschont bleiben, da wir nicht glaubten, dass die Leute bei Pornos sparen würden. Aber es hatte Auswirkungen.

Als die Wirtschaft dann wieder anzog, nahm auch das Piraterieproblem wieder zu. Es war einfach eine Verkettung unglücklicher Umstände. Die Jahre 2008, 2009 und 2010 waren sehr schwer für die Branche.

In der letzten Zeit haben wir uns langsam erholt und neu aufgestellt, und nun kommen neue Produkte auf den Markt, die man nicht einfach kopieren und verteilen kann. Es gibt viele Unternehmen, die auf besondere Funktionen setzen; auch der Bereich Live-Kameras nimmt immer stärker zu.

Letztes Jahr wurde viel über Virtual Reality gesprochen und mindestens fünf Unternehmen haben VR-Pornoangebote vorgestellt. Werden wir davon dieses Jahr mehr sehen?

Dieses Jahr wird definitiv mehr VR vorgestellt werden. Wir haben bei den AVN Awards zwei VR-Kategorien geschaffen, und die Reaktion darauf war phänomenal. Wir haben tonnenweise Einreichungen bekommen, und da passiert definitiv viel, da ist die Zukunft. Wir warten noch ab, was daraus wird, wie Leute Geld damit verdienen und damit Erfolg haben. Es gibt einige Unternehmen, die mit unterschiedlichen VR-Angeboten und unterschiedlichen Methoden und Ideen auf den Markt kommen. Es steckt also noch in den Kinderschuhen, aber es wird definitv die Zukunft.

Einer der größten Wachstumsbereiche sind die Cams – der Markt wächst und wächst. Das ist nichts, was man berühren oder fühlen kann, aber es gibt bessere Framerates, und die Frauen können von ihren Handys aus Livestreams anbieten. Das ist ziemlich beeindruckend. Im Bereich der Spezialfunktionen wird der Teledildonics-Bereich wachsen. Da entstehen Unternehmen, die diese Geräte mit dem Internet verbinden, so dass man mit anderen Menschen sexuelle Erfahrungen über das Netz haben kann.

Wir haben viel darüber gehört, dass sich die Branche massenhaft von Los Angeles nach Las Vegas bewegen könnte. Measure B, das Gesetz für eine Kondompflicht bei Pornoproduktionen im Gebiet Los Angeles County wurde 2012 erlassen. Proposition 60, ein Gesetz, das die Kondompflicht auf ganz Kalifornien ausgeweitet hätte, wurde im November abgewiesen. Gibt es dennoch weiterhin Gründe, weshalb der Markt in Las Vegas weiter wachsen könnte?

Der Sieg gegen Proposition 60 hat unsere ganze Branche stolz gemacht. Ich sprach mit Stars und Produzenten, die schon bereit waren, nach Las Vegas umzuziehen, da sie keine andere Chance mehr sahen – sie mussten ja weiter Inhalte produzieren. Die waren soweit umzuziehen, und dann kam es als Schock, dass Proposition 60 doch abgewendet wurde. Die Darstellerinnen sagten also, “Wir müssen also nicht umziehen?” Die waren positiv überrascht. Die Branche boomt in Kalifornien wieder; die Firmen ziehen nicht mehr weg.

Daneben aber gilt, dass Pornografie ein globaler Markt ist, Inhalte werden weltweit geschaffen. Es gibt viele Unternehmen in Europa und in Südafrika. Viele in Vegas, in Florida und an anderen Orten in den USA. Aber Kalifornien ist ein großartiger Standort. Es gibt gute Gesetze, die unsere Rechte schützen. Wir sind sehr glücklich, dass wir nicht wegziehen müssen und durch den Verbleib in Kalifornien keine Gesetze verletzen.

Wenn Proposition 60 durchgekommen wäre, hätte es also wirklich einen großen Umzug nach Las Vegas gegeben?

Das wäre so gekommen. Definitiv.

Inwiefern ist die Convention gewachsen, seit sie 2012 ins Hard Rock verlegt wurde?

Allein dieses Jahr verdoppelt sich die Zahl der anwesenden Stars. Unter den 800 Darstellern, die für Fotos bereitstehen und Autogramme geben, befinden sich Sunny Lane, Riley Reid und Aspen Rae. Uma Jolie und Gina Valentina sind unsere Megastars. Angela White, Alexis Texas, Ron Jeremy und Romi Rain werden auch alle da sein.

Wir hoffen, dass wir bei den Awards die Marke von 1.000-1.200 Darstellern erreichen.

Hat es positive oder negative Konsequenzen, dass andere Conventions in der Stadt sind?

Das ist definitiv von Vorteil. Wir lieben es, dass Leute von anderen Conventions sich bei uns die Zeit vertreiben. Die sind glücklich, wenn sie herausfinden, dass ihre Convention stattfindet, wenn unsere Expo läuft. Die schleichen sich hier und da zu uns und sind riesig aufgeregt.

Ist die Branche über den Amtsantritt von Donald Trump besorgt?

Derzeit kann man nur spekulieren, was die Trump-Regierung für uns bedeutet. Er selbst war ein guter Unterstützer unserer Branche. Er liebt Pornostars, und es gibt zahlreiche Bilder von ihm mit unseren Girls. Die Branche ist ihm also gewiss nicht fremd, es klingt also sehr heuchlerisch, dass er Gesetze unterstützen will, die sich gegen Pornografie richten.

Seiner Kabinettauswahl nach geht es gewiss in eine extrem rechte Richtung. Wir stellen uns also auf acht raue Jahre ein. Wenn Republikaner das Weiße Haus führen, kommt es typischerweise zu Prozessen wegen Obszönität und die Branche wird strenger überwacht.

Bei demokratisch geführten Regierungen lässt man uns gewähren und das Recht auf freie Meinungsäußerung obsiegt, und so sollte es sein. Wir gehen einfach in Deckung und schauen, was passiert. Ich gebe Trump eine Chance. Kann ja sein, dass er doch ein guter Präsident wird. Alles, was wir bisher gesehen haben, deutet nicht darauf hin, aber ich lehne mich erst mal zurück und gebe ihm eine Chance.

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