Beate Uhse AG stellt Insolvenzantrag

huGO-BildID: 32161961 Die Hauptzentrale der Beate Uhse AG aufgenommen am 23.07.2013 in Flensburg. Am 29.07.2013 findet in Flensburg die Hauptversammlung der Beate Uhse AG statt. Foto: Malte Christians/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Wer Venus Adult News liest, wird sich über diese Meldung nicht sonderlich wundern. Dass der deutsche Traditionskonzern Beate Uhse in massiven Schwierigkeiten steckte, konnte man an zahlreichen Meldungen ablesen. Nun ließ sich offenbar kein Aufschub mehr aushandeln: der Erotikhändler musste Insolvenz beantragen.

Das 66 Jahre alte Unternehmen Beate Uhse AG aus Flensburg hat am Freitag Insolvenz angemeldet. Die europaweit aktive AG war zuvor mehrfach in den Schlagzeilen, da sie die Vorlage des Jahresberichts 2016 verschoben und sich im Juni von ihrem Finanzchef getrennt hatte. Die vom neuen Vorstandsvorsitzenden Michael Specht mit Hilfe einer Unternehmensberatung durchgeführte Analyse des Unternehmens brachte offenbar wenig Positives zu Tage.

Lange wurde mit unterschiedlichen Mitteln versucht, die Probleme des Unternehmens in den Griff zu bekommen. Neben mehreren Veränderungen beim Führungspersonal wurden auch Tochterunternehmen wie die niederländische Scala verkauft und zahlreiche Filialen der Einzelhandelskette geschlossen. Neben Stellenstreichungen hatte man auch den traditionsreichen Printkatalog des Unternehmens eingestellt. Mehrfach wurde die Veröffentlichung der Geschäftszahlen verschoben und der Firmensitz der Gruppe verlegt. Im August wurden aufgrund der nicht veröffentlichten Zahlen des Jahres 2016 Zwangsgelder gegen das Unternehmen verhängt. Alles keine Signale von Stärke.

Nichts davon führte zum erhofften Befreiungsschlag. Das börsennotierte Unternehmen gab nun bekannt, einen Insolvenzantrag gestellt zu haben: »Der Vorstand der Beate Uhse AG, Michael Specht, hat sich zu diesem Schritt entschlossen, um die Sanierung der gesamten Gruppe in Eigenverwaltung nachhaltig umzusetzen.« Man geht von einer Fortführung der Geschäfte aus, der Insolvenzantrag gelte ausschließlich für die AG, die als Holding fungiert. Die Tochterunternehmen, die das aktive Geschäft der Gruppe betreiben, seien zunächst nicht betroffen. Vorstand Michael Specht sagte: »Wir haben damit einen Weg eingeschlagen, bei dem wir sehr zuversichtlich sind, die Unternehmensgruppe als Ganzes sanieren zu können.«

Der Insolvenzantrag war notwendig geworden, da die Unternehmensführung mit den Gläubigern keine Einigung über die Bedienung einer Anleihe in Höhe von 30 Millionen Euro erzielen konnte. Die Anleihe war mit 7,75 Prozent sehr hoch verzinst und hätte 2019 zurückgezahlt werden müssen. Eine Umschuldung sei nicht möglich gewesen, weswegen die Zahlungsunfähigkeit gedroht habe.
Die erheblichen Schwierigkeiten der Unternehmensgruppe lassen sich aber kaum auf eine ungünstig verzinste Anleihe reduzieren. Seit Jahren sinken die Umsätze des Erotikriesen. In Branchenkreisen heißt es, Beate Uhse habe die Digitalisierung im Erotikhandel verschlafen, während Amazon, Amorelie und Eis.de immer größere Marktanteile im derzeit boomenden Markt mit Sexspielzeug für sich sichern konnten. Zudem sei keine überzeugende Strategie für den Wegfall des DVD-Geschäfts entwickelt worden. Der Aufstieg von Tube-Portalen wie Pornhub und xHamster übten weltweit zusätzlichen Druck auf Bezahlangebote im Pornobereich aus.

Laut Unternehmensangaben arbeiten noch 345 Mitarbeiter für das Unternehmen. Wie es mit Beate Uhse weitergeht, ist insbesondere für sie von größter Bedeutung.

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