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Freitag, Oktober 19, 2018
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Branchenverband FSC äußert sich zum Thema sexuelle Belästigungen

fsc
Der einflussreiche Branchenverband der US-Sexindustrie hat eine Presseerklärung veröffentlicht, in der der Verband sehr klar Position zu sexuellen Belästigungen und Nötigung bezieht. Im Folgenden finden Sie den Text der Erklärung:

In den letzten Wochen haben sich einige Pornodarsteller der #metoo-Kampagne angeschlossen und damit Aufmerksamkeit auf sexuelle Belästigung und Nötigung gelenkt. Die Erfahrungen – von körperlicher Gewalt, unfreiwilligen Begegnungen oder sexuellem Druck – haben uns als Mitglieder der Community wütend gemacht.

Stigma, Selbstzweifel und Scham halten jene, die Belästigungen ausgesetzt sind, davon ab, ihre Erfahrungen öffentlich zu machen und es führt auch dazu, dass ihnen nicht geglaubt wird. In einer Gesellschaft, die ständig Stimmen und Erfahrungen von Sexarbeitern übergeht, stoßen auch die Geschichten von Sexdarstellern auf immense Hürden.

Wir haben es zuvor gesagt und betonen es erneut: Nur weil man als Sexdarsteller seinen Lebensunterhalt mit seinem Körper Geld verdient, bedeutet das nicht, dass irgendwer – weder Co-Star, noch Kollege, noch Liebhaber, noch Fan, noch Regisseur, noch Agent, noch Arzt – das Recht haben, etwas einzufordern, was der Darsteller nicht freiwillig und enthusiastisch zu geben bereit ist. Sexarbeit ist echte Arbeit, und als Branche haben wir keinerlei Toleranz oder Raum für jene, die belästigen, die durch Druck oder Zwang oder auf andere Weise Sexarbeiter verletzen. Niemand verliert sein Recht auf »Consent«, nur weil er in einem Porno mitspielt oder nackt fotografiert wurde oder sich sehr für einen Modeljob interessiert oder einen Filmvertrag unterschrieben hat. Dies gilt auch dann, wenn jemand mit jemandem zuvor bereits Sex hatte oder in sonstiger Weise Sexarbeit nachgegangen ist. Anderes anzunehmen, ist nicht nur falsch, es ist kriminell. 

Unglücklicherweise haben wir in den letzten Wochen die gleichen Ausreden gehört, die stets von Tätern wie Komplizen vorgetragen werden: »Ich hatte nur ein bisschen Spaß«, »Sie wollte es«, »Sie hat nicht nein gesagt« oder »Das ist Teil des Jobs«, »Ich habe daran eine andere Erinnerung«, »Wir hatten doch schon Sex«, »Es war keine große Sache«.

Es darf in unserer Branche keine Grauzonen geben, wenn es um »Consent« (Zustimmung) geht, die Linien sind klar gezogen. Aufgrund der Besonderheit unserer Arbeitssituation müssen wir besonders hart daran arbeiten, »Consent« sicherzustellen und nie Dinge anzunehmen. So wie bestimmte Handlungen ausgehandelt und vor Drehbeginn vereinbart werden, muss auch alles außerhalb des Sets, ob nun auf einer Party oder nach Drehschluss, in einem Hotelzimmer oder bei einem Treffen mit Zustimmung geschehen.  

FSC hat die Bill of Rights der APAC, des Adult Performer Advocacy Committee, seit Jahren unterstützt, in der es heißt: »Ich habe das Recht, nicht zu sexuellen Handlungen vor der Kamera gezwungen zu werden, weder während, noch vor, noch nach dem Dreh.«

Die Sicherheit und das Wohlbefinden der Pornodarsteller ist von größter Wichtigkeit, daher ist bewusster Consent, Respekt vor Entscheidungen und der Kontrolle über die Situation durch den Darsteller sowie der Schutz der Privatheit und der Identität der Darsteller nicht verhandelbar.

Aufgrund des sozialen Stigmas, das mit der Sexarbeit gesellschaftlich einhergeht, ist es besonders wichtig für uns, zuzuhören, wenn sich jemand hervorwagt und damit Beschimpfungen und seinen eigenen Ruf riskiert. Wir müssen jene unterstützen, die sich äußern und dazu bereit sein, Vorkehrungen zu treffen, dass sich eine problematische Situation nicht wiederholen kann. Wir haben zahllose Schlachten geschlagen, um sicherzustellen, dass unsere Darsteller juristisch abgesichert, sicher, offen und ethisch arbeiten können. Das ist so wichtig wie nie. 

Jene, die mit Leuten zusammenarbeiten, die Darsteller belästigen oder sexuell missbrauchen, sind Komplizen dieser Verbrechen. Wer über solche Vorgänge hinwegsieht oder sie weg erklärt, ermöglicht solche Verletzungen und Übergriffe. Jene, die dies nicht genauso sehen, sind in unserer Branche nicht willkommen.«

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