Chuck Renslow, Schwule Ikone und Gründer des Mr. Leather Wettbewerbs, stirbt mit 87

Chuck Renslow in 1977
Chuck Renslow 1977

Mit Hilfe seiner Unternehmensgruppe half Renslow dabei, eine Community für die schwulen und lesbischen Einwohner Chicagos zu schaffen, so die örtliche Journalistin Tracy Baim, die ihre Karriere in der von Renslow gegründeten Zeitschrift Gay Life begonnen hat.

»Er war wirklich ein großer Vorkämpfer für die Bewegung und hat bereits in den 50er Jahren als offen schwul lebender Mann ein Unternehmen gegründet«, so Baim. »Er war einer von fünf oder sechs Leuten vor Stonewall, die das Rückgrat der Bewegung in Chicago bildeten.«

Renslow, 87, starb am 29. Juni im Weiss Memorial Hospital in Chicago an Herzversagen und einer Lungenentzündung, so sein Lebenspartner Ron Ehemann, mit dem Renslow seit 36 Jahren zusammen lebte. Renslow hat nach Angaben von Ehemann seit langem an einer Lungenerkrankung gelitten.

Renslow wurde in Chicago geboren und wuchs am Logan Square bei seiner Großmutter auf, erzählt Ehemann. Sein erster Job nach der High School war an der Essenstheke einer Walgreens-Filiale. In den frühen 50ern gründete Renslow sein erstes Unternehmen, ein Fitnessstudio für Bodybuilder namens Triumph Gym, so Ehemann.

Danach eröffneten Renslow und sein damaliger Partner, der Balletttänzer und Künstler Dom Orejudos, ein Fotostudio namens Kris Studios. Dort veröffentlichten Fotos von Muskelprotzen in in Magazinen, die sie über Postversand an schwule Leser verkauften.

Die Magazine hatten Namen wie Triumph und Rawhide Male. Das Studio lag in der Nähe von Larbee Street und Armitage Avenue. Renslow und einige seiner Kollegen wurden 1966 aufgrund von Verstößen gegen die Obszönitätsgesetze verklagt, die Vorwürfe wurden jedoch allesamt späterhin fallen gelassen.

In den späten 50ern übernahm Renslow eine Bar am River North und verwandelte sie in einen Nachtclub, dessen Publikum im wesentlichen aus der wachsenden Leder-Szene der Gay Community bestand. Die Bar, Gold Coast, bestand nahezu 30 Jahre und gilt als eine der ersten Leder-Bars in den USA.

Renslow eröffnete im Folgenden mehrere Bars, darunter das Bistro Too in Uptown. Schwerpunkt seiner Unternehmensgruppe wurde sein schwules Badehaus, der Unterhaltungskomplex Man’s Country, den Renslow 1973 auf der North Clark Street in Uptown eröffnete.

In den späten 1970er Jahren wurde im Gold Coast ein Schönheitswettbewerb namens Mr. Gold Coast abgehalten, der irgendwann zu groß für die Bar wurde. Stattdessen entschied Renslow sich, den Wettbewerb ins Radisson Hotel umzuziehen, wo sich die Veranstaltung rasch in den sogenannten Mr. Leather Contest verwandelte. Er nahm seinen Anfang 1979 und ist bis heute eine weltbekannte Zusammenkunft von Leder-Enthusiasten.

Renslow übernahm auch die scheiternde Schwulenzeitung Gay Life, die er in den 70ern übernahm und bis zu ihrer Schließung 1986 herausgab. Darüber hinaus war Renslow in der Stadtpolitik aktiv und diente acht Jahre lang als demokratischer Wahlkreisleiter. 1980 wurde er Delegierter der National Convention der Demokraten.

1991 gründeten Renslow und Tony DeBlase, Herausgeber des Magazins Drummer, das Leather Archives and Museum, das in einem Schaufenster auf der Clark Street in Rogers Park seinen Anfang nahm und nun in einem durch Privatspenden finanzierten Gebäude in der 6418 N. Greenview in Rogers Park zu finden ist. 2009 übertrug Renslow die Eigentümerschaft am International Mister Leather Wettbewerb an eine gemeinnützige Stiftung, deren einziger Nutznießer das Leather Archives and Museum wurde.

»Er war wirklich stolz auf das Archiv«, erzählt Ehemann. Renslow arbeitete bis zu seinem Tod. Er wurde 1991 in die Chicago LGBT Hall of Fame aufgenommen.

Renslow war auch berühmt für seine jährlichen »White Partys«, die angeblich seinen Geburtstag im August feierten. Die White Partys – bei denen alle Gäste in Weiß erschienen – waren ein spielerischer Kontrast zu den normalerweise ganz in schwarz gehaltenen Leder-Partys der Szene. Ehemann sagt, dass er sich gewünscht habe, dass es im August eine letzte White Party geben solle.

Neben seinem Partner Ehemann hinterlässt Renslow zwei adoptierte Söhne, Robert Wilke und Patrick Corcoran. Die Beerdigungsfeier wird derzeit vorbereitet.«

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