Das teuerste Webcam-Girl der Welt

Maureen O’Connor berichtet für NY MAG: »Während ich mich für einen größeren Artikel mit den Pornogewohnheiten der USA beschäftigt habe, begegnete mir die Geschichte über die höchste Geldsumme, die je für eine Webcam-Show gezahlt wurde: 42.000 Dollar für eine einstündige Session. Der Mann, der die Summe gleich zwei Mal bezahlt hat, gab diese Summen bei Webcam-Auktionen auf Kink.com aus. 

Und das ist noch nicht alles. Drei Jahre späte hat er die Sessions noch nicht einmal angefragt. Er hat 84.000 Dollar für genau null Minuten Webcam-Shows bezahlt.

Weshalb macht ein Mann sowas? Ich habe die Domina, die hinter diesen Auktionen steckt, angerufen. Es ist die Maîtresse Madeline Marlowe, die mir am Telefon erklärt, wie sie es zu einer Kunstform erhoben hat, Männern Geld aus der Tasche zu ziehen. Marlowe stieg als Camgirl in die Sexindustrie ein und bekam dort anfangs $5,99 pro Minute. 13 Jahre später schaut sie auf eine Karriere als Fetischdarstellerin, Regisseurin und professionelle Domina zurück. Marlowes Kunden zahlen bis zu 1.000 Dollar für eine einzelne Minute Cyber-Dominanz. In einem Telefoninterview berichtet mir Marlowe von ihren finanziellen Strategien, sexuellen Taktiken und von der Zeit, in der sie sich in einen Co-Star verliebt hat.

Ich bin auf Dich aufgrund der teuersten Webcam-Session aller Zeiten aufmerksam geworden. Kannst Du mir sagen, wie das zustande kam?

Ich bin mit Anfang 20 als Webcam-Girl in die Branche eingestiegen. Das war vor 13 Jahren. Ich habe mir dadurch erstmal eine Fanbase geschaffen und bin dann ins Pornogeschäft eingestiegen. Und vor etwa acht Jahren habe ich mit der Regiearbeit begonnen.

Kannst Du Dich daran erinnern, wie viel die Leute damals gezahlt haben?

Ich habe $5,99 genommen, mein Anteil war 30%. Damals war das viel Geld für mich, ich verdiente vermutlich 1.000 bis 1.200 Dollar pro Woche. Es war also lukrativ, aber auch harte Arbeit. Die Leute glauben, man setzt sich einfach vor die Kamera und lächelt, aber so ist das nicht. Man muss schon Geschäftsfrau sein. Man muss sich selbst vermarkten. Man muss wissen, wie man sich in eine Marke verwandelt. Man muss Leute lesen können. Der Trick ist, dass man so schnell wie möglich herausfinden muss, welchen Fetisch der Kunde hat. Ich betreibe für Kink drei Webseiten: Hardcore Gangbang, TS Seduction und Divine Bitches. Ich habe Film studiert und mich auf Regie fokussiert – und habe in vielen Filmen, in denen ich für Kink Regie geführt habe, mitgewirkt.

Als Du die Webcam-Show für 42.000 Dollar verkauft hast, warst Du da Webcam-Girl?

Ich hatte im Grunde seit 2009 keine Webcam-Show mehr angeboten. Als ich mir über zusätzliche Einkommensströme für die Darstellerinnen Gedanken machte, präsentierte ich meinem Boss folgende Idee: »Da liegt so viel Geld herum, das wir devoten Männern nur abnehmen müssen.« Die wollen mehr als nur eine monatliche Mitgliedschaft bei Divine Bitches. Die wollen persönliche Interaktion mit den Dominas. Und mit dem Netz ist das möglich. Die wollen Deine gebrauchten Kleider kaufen. Die wollen Dir Deinen Müll abkaufen. Ich hatte einen Kunden, der den Inhalt meines Mülleimers für 500 Dollar gekauft hat – wirklich einfach nur den Müll aus meinem Schlafzimmer. Und Kunden wollen exklusive Camshows mit berühmten Darstellerinnen und Dominas. Und ich sagte: »Wir müssen über Divine Bitches eine Plattform aufbauen, die genau das anbietet.« Denn alles ist möglich.

Wir haben eine sehr einfache Infrastruktur aufgebaut und die Auktion drei Wochen lang beworben. Ein Teil des Konzepts war, dass die Kunden ihre Nutzernamen und den Betrag, den jeder bietet, in Echtzeit verfolgen konnten. Sie lieben den Wettbewerb. Jeder dieser Männer will beweisen, dass er eine größere Brieftasche hat, sozusagen. Um herauszufinden, wer das meiste Geld aufbringen würde, um mich privat sprechen zu können.

Wir haben mit 500 Dollar begonnen. Das war der Startbetrag: 500 Dollar für eine Stunde. Nicht schlecht, oder? Nach drei Wochen waren wir bei über 30.000 Dollar. Am letzten Tag kam ein Typ mit ins Spiel und bot 42.000 Dollar. Er hatte zuvor nichts geboten. Er bot 42.000 Dollar und die Auktion war beendet.

Das war eine so große Summe, dass wir mit ihm Kontakt aufnehmen mussten, damit er das Geld überweisen konnte. Als das Geld einging, schickten wir ihm eine E-Mail, in der stand »Lass uns die Show vorbereiten. Erzähl mir etwas von Dir, was Du tun möchtest, was Du gern sehen willst, ob ich irgendwas Bestimmtes anziehen soll.« Und ich dankte ihm dafür, dass er teilgenommen hat. Und er antwortete: »Ach weißt Du, ich bin derzeit recht beschäftigt. Aber ich finde, dass Du eine hervorragende Darstellerin bist und dass Du sehr schön bist. Ich melde mich bei Dir, wenn ich Zeit für die Show habe.« Und das war das letzte Mal, das ich von ihm gehört habe!

Moment mal, er hat die Show nie sehen wollen? Glaubst Du, dass es ihn bereits befriedigt hat, dass er Dir das Geld geben konnte?

Ich biete auch finanzielle Dominanz, und es gibt Kunden, die den Knopf drücken – und Geld übertragen – und das ist es, was sie befriedigt. Ihr Geld ihrer Domina geben. Gut möglich, dass die Überweisung alles war, was er brauchte.

Aber die Geschichte hört hier noch nicht auf. Ich habe dann meine liebe Freundin und Domina-Kollegin Lorelei Lee besucht. Ich sagte ihr: »Das musst Du auch machen!« Wir warteten ein oder zwei Monate und machten mit ihr das Gleiche. Drei Wochen später passierte genau das Gleiche. Die Gebote stiegen und stiegen, und am letzten Tag kommt der gleiche Typ und bietet 42.000 Dollar. Der gleiche Typ.

Hat er diese Show angesehen?

Nein. Es war genau das Gleiche: ein paar Tage später kam das Geld an, und Lorelei bekam ihr Geld. Sie hatten einen E-Mail-Wechsel. Er dankte ihr, dass sie wunderbar und schön sei und sagte dann: »Ich melde mich bei Dir.« Wir haben nie wieder von ihm gehört.

Hat Dich die Summe überrascht?

Ich hatte nicht gedacht, dass es so hoch gehen würde. Aber es ist nicht vollkommen ungewöhnlich für mich. Ich hatte Kunden, die für finanzielle Dominanz bezahlen – ein Typ wollte von mir, dass ich ihn eine Minute lang beschimpfe und dann auflege. Er hat mir mehrmals die Woche 1000 Dollar dafür gegeben, dass ich ihn eine Minute lang anrufe und beschimpfe: »Deine Frau wird rausfinden, dass Du all das Geld für mich ausgibst!« Es gibt Männer, die diese Summen für Frauen ausgeben – und das sollen sie auch. Die sollen uns für unsere Zeit und Mühen bezahlen. Wenn Du also fragst: »Bist Du über die 42.000 Dollar schockiert?« Dann, ja, war ich schon. Aber ich habe die letzten 13 Jahre damit verbracht, meine Marke aufzubauen, diese Kunst zu erlernen und die Figur der Madeline erschaffen. Ich habe das verdient.

Die Kunden, mit denen ich arbeite, sind sich dessen bewusst, was sie tun. Es ist der Austausch von Macht zwischen uns, der mich und sie anmacht. [Gleichzeitiges Sprechen]. Entschuldigung, mein Partner will mir etwas sagen.

Oh, über den wollte ich auch noch ein paar Fragen stellen! Du hast Filme mit Deinem Lebenspartner Will Havoc gemacht — mit dem sprichst Du gerade, oder?

Ja. Wir haben uns am Set kennengelernt, was ich verrückt finde. Ich habe ihn angestellt, um mit mir den Film zu drehen, und er hatte vorher noch keinen Porno gemacht. Er fing gerade an, Jura zu studieren und wollte etwas Verrücktes und Spaßiges machen. Er lebte in der Bay Area und kannte die Armory und Kink.com. Also bewarb er sich. Ich bin einmal im Monat die Bewerber durchgegangen. Und da sah ich diesen wunderschönen Mann auf dem Schirm und da stand: er tanzte für das San Francisco Ballet und würde Jura studieren. Er ist wunderschön und hat heiße Tattoos und ich dachte nur: Oh mein Gott.

Also habe ich ihn eingestellt. Als dominante Frau bei Divine Bitches verweigern wir oft Sex mit Penetration. Ich lasse die Männer für weitere Filme wiederkommen und wieder und wieder, bis sie sich das Recht erworben haben, meine Vagina zu entern. Doch diesmal dachte ich: »Heilige Scheiße, ich werde diesen Typ auf jeden Fall ficken. Der ist so heiß. Es ist mir egal. Ich werde heute eine richtig gute Zeit beim Dreh haben.« Und als wir dann am Set waren, wurde es geradezu elektrisch. Wir drehten die Szene – ich fessele ihn und schlage ihn und so weiter – und ich liebe Männer, die sich anal nehmen lassen, und er ist wirklich gut darin. Also habe ich mir mein Strap-On angelegt und ihn von hinten gefickt, als ich einfach meine Hände auf seine Hände legte. Und unsere Finger haben sich miteinander verschränkt. Das mache ich sonst nie. Nie. Das ist für mich sehr intim. Aber ich habe es einfach gemacht.

Die ganze Zeit hatte ich das Gefühl, als wären die Kameras gar nicht da. Aber in meinem Kopf dachte ich: Ich mag diesen Typ so sehr. Ich werde ihn mich jetzt nicht ficken lassen, weil ich das privat Zuhause tun will.

Das ist so romantisch. Habt ihr jemals sowas wie langweiligen Sex?

Ja. Andauernd! Wir sind beide sehr beschäftigt! Die Zeiten, in denen wir unsere Fetische ausprobieren, das müssen wir wie Verabredungen ausmachen. Aber die Situation: »Hey, wir sind gerade in der Dusche, lass es uns tun!« Klar, das gibt es auch. Wir hängen nicht jeden Tag in Seilen von der Decke. Work-Life-Balance ist wichtig.«

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