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Sonntag, September 23, 2018
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Die Zeit ist reif: Sexuelle Belästigung innerhalb der Pornobranche

ron und deen

Die Vorwürfe gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein haben offenbar zu einem kulturellen Wendepunkt geführt. In der Flutwelle der immer größer werdende Anzahl der Opfer hat sich eine weltweite, gesellschaftliche Bewegung gebildet, die Sexismus und Belästigung innerhalb von Machtstrukturen anprangert und als gesamtgesellschaftliches Problem vorführt. Die #metoo Kampagne ist nicht nur zu einem Symbol, sondern auch zu einem Werkzeug geworden, Machtmissbrauch öffentlich zu machen.

In den letzten Wochen wurden zahlreiche einflussreiche Männer als serienmäßig vorgehende Belästiger öffentlich angeklagt. Die meisten haben daraufhin ihr teilweise immenses soziales Kapital und ihre beruflichen Positionen völlig verloren. Immer mehr Opfer von sexueller Belästigung wagen sich nun an die Öffentlichkeit, ein immer lauter werdender Chor verdeutlicht die Allgegenwärtigkeit des Problems. Und zum ersten Mal in der Geschichte müssen mächtige Männer für ihre Verhaltensweise teuer bezahlen – die Voraussetzung dafür ist natürlich durchaus problematisch: die Verhandlung des Einzelfalls im sozialen Raum, ohne jedweden Richter.

Zwei prominente Mitglieder der Pornogemeinde – die Darsteller Ron Jeremy und James Deen – werden seit Jahren immer wieder hevorgehoben als Männer, die höchst problematische Verhaltensweisen an den Tag legen. Das Webcam-Model Ginger Banks ging Anfang des Jahres einen Schritt weiter und hat Ron Jeremys übergriffiges Verhalten auf Messen und Veranstaltungen in einem YouTube-Video veröffentlicht. Erst jetzt aber entschied sich Exxxotica, eine der größten Sexmessen der Welt, den Darsteller von künftigen Veranstaltungen auszuschließen. Vor dem Weinstein-Skandal, vor #metoo und vor dem steigenden öffentlichen Druck hat der Exxxotica-Chef J. Handy die Vorwürfe gegen Ron Jeremy in einem öffentlichen Statement heruntergespielt. Die anderen Themen, auf die der Messeleiter in seiner äußerst fragwürdigen Äußerung außerdem eingeht, verdienen nun ebenfalls erneut genauere Beachtung. Die späte, erzwungene Reaktion ergibt sich aus einem grundsätzlich problematischen Verständnis um professionelles Arbeiten in der Sexindustrie.
Es ist nahezu schmerzlich offensichtlich: Die Pornowelt hat noch viel zu tun, um sexueller Belästigung angemessen begegnen zu können. Unausgesprochen steht eines der Probleme weiter im Raum, es sind die Vorwürfe gegen James Deen. Die Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Darsteller sind seit mehr als einem Jahr bekannt. Eine Weile lang sah es auch so aus, als würde man den 10 Frauen, die den Darsteller schwer belastet haben, Gehör schenken. Doch die Konsequenzen waren nur temporär. Zwar kündigte der populäre Fetisch-Spezialist Kink.com seine Zusammenarbeit mit dem Darsteller auf. Doch viele Unternehmen arbeiten wieder mit Deen zusammen. Venus Adult News hat in den letzten Monaten mehrfach über Projekte des Darstellers berichtet, die auf eine florierende Karriere deuten.
Wenn sich aber Hollywood der schmerzhaften Diskussion stellen kann, ist dies auch der Pornobranche möglich. Das ist nicht nur ethisch wichtig. Sie muss sich auch aus finanziellen Interessen diesem Problem stellen, da die sex-positive Bewegung im Geschäft mit der Lust und der Mainstream-Erfolg von Sextoys, Pornos und Erwachsenenunterhaltung nur von Dauer sein kann, wenn die Branche sich weiterhin klar von halblegalen und illegalen Verhaltensweisen distanziert. Ansonsten wird das hart erarbeitete neue, vielfach weibliche Publikum wieder verloren gehen. Dazu aber müssen Belästigung, Nötigung, Vergewaltigung sowieso aber auch Machtmissbrauch insgesamt klar thematisiert werden. Die Arbeitsbedingungen in der Erwachsenenunterhaltung müssen sicher sein.
Einige Darsteller haben die gegenwärtigen Skandale dazu genutzt, auch ihre eigene #metoo-Erfahrung öffentlich zu machen. Venus Adult News wird über diese Geschichten berichten und kann als Plattform für jeden dienen, der über das Thema sprechen will, falls nötig geht dies auch anonym.

1 KOMMENTAR

  1. Der Rechtsstaat ist ein wertvolles gut und wird sollten nicht zu Vorverurteilungen und Lynchjustiz übergehen. Bis jetzt gab es keine Anzeigen gegen James Deen die von der Justiz überprüft werden konnten.

    Gegen Harvey Weinstein liegen solche Anzeigen vor und wird sollten die Ergebnisse der Überprüfungen durch die Justiz abwarten.

    James ist ein guter Freund und ich halte ihn persönlich für unschuldig, denn ich kenne auch die Darstellerinnen die ihn bezichtigen.

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