Playboy gibt auf – US-Magazin eingestellt

playboy vorbei

Was sich seit Jahren abzeichnete, wird nun Gewissheit: Die Printausgabe des legendären Playboy-Magazins wird mit der Frühlingsausgabe, die dieser Tage erscheint, eingestellt. Konzernchef Ben Kohn verkündet das Aus und für die Redaktion eine reine Digitalstrategie.

Nach dem Ausstieg der Gründerfamilie Hefner und der Konzentration auf eine Lizenz-Strategie war bereits deutlich, dass das Unternehmen im ehemaligen Kerngeschäft keine Zukunftsfähigkeit mehr erkennen konnte. Nach Jahren stetig sinkender Auflagen, Reduzierung der Erscheinungsweise auf inzwischen nur noch quartalsweisen Ausgaben, mehreren Neuausrichtungen, einem kurzweiligen Verzicht auf Nacktheit im Heft, der raschen Wiedereinführung und nach einem offenbar gescheiterten Versuch, eine jüngere, hippe Zielgruppe anzusprechen, verkündet der CEO der Playboy Enterprises Inc das Aus für das Magazin.

Zwar soll es weiterhin hin und wieder Spezialausgaben geben, doch ein fester Erscheinungsrhythmus ist vorbei. Die verbliebene Inhaltesparte von Playboy wird online bedient. Aus Digital First wird nun also Digital Only.

In einem offenen Brief schreibt Ben Kohn: »Ich schreibe Ihnen, um unserer weltweiten Community Gesundheit und Sicherheit zu wünschen. Ich möchte diese Gelegenheit auch nutzen, um über die Stärke unseres Unternehmens und einige der von uns unternommenen Schritte zu informieren, die unser weiteres Wachstum im Jahr 2020 und in den kommenden zehn Jahren sicherstellen sollen.«

Er betont die lange Geschichte und Bedeutung des Playboy-Magazins wie auch der Marke: »Der Playboy ist für viele Menschen vieles. Ein Magazin für viele, ein Lebensgefühl für viele andere, eine Bekleidungsmarke, ein Club mit Mitgliedern und nach Ansicht einiger sogar »ein Verderber unserer Jugend«. Aber in den vergangenen sechsundsechzig Jahren ist eines unverändert geblieben: unser Engagement für die freie Meinungsäußerung und das Brechen von Tabus, das Bekenntnis zum Unangenehmen, unsere Unterstützung des Publikums, seine Sexualität auszudrücken und zu verstehen, und unser Engagement für das Streben nach Lust für jeden.«

In der Zukunft aber wird das Unternehmen eben auf die durch das Magazin erarbeitete Stärke der Marke setzen: »Wir sind stolz, zu den weltweit bekanntesten Marken zu gehören. 97% der Weltbevölkerung wissen, wofür unser berühmt-berüchtigter Hasenkopf steht.« In der Marke stecke eine besondere Kraft, eine Gesprächskultur aufrechtzuerhalten: »Das ist mächtig, weil man in solch zerstrittenen Zeiten nichts so sehr braucht wie Gespräche. Es ist mächtig, weil es parteiübergreifend Filterblasen platzen lässt und uns aus unseren abgetrennten Bereichen herausführt.«

Das Lizenzgeschäft mit der Marke blüht nach wie vor. Kohn weist darauf hin, dass weltweit über 3 Milliarden Umsatz mit lizenzierten Produkten mit dem Hasenlogo erzielt werden. »Wir erreichen hunderte Millionen von Augenpaaren jedes Jahr, geschlechterübergreifend.«

Auch in den sozialen Medien sieht sich das Unternehmen gut aufgestellt. 2019 habe man vier Millionen neue Instagram-Follower gewonnen und 50% mehr Interaktion über die Social Media Kanäle erzielt.

Zwar sei man stolz auf das Erreichte im vierteljährlichen Magazin, »aber es kann niemanden überraschen, dass sich die medialen Konsumgewohnheiten seit einiger Zeit verändert haben. Und während die Storys, die wir schreiben und das Artwork, das wir präsentieren von Millionen von Menschen auf digitalen Plattformen geschätzt werden, erreicht unser Inhalt in gedruckter Form nur ein Bruchteil unserer Fans.«

Das Coronavirus habe nun einen Entscheidungsprozess beschleunigt, der sich in der Unternehmensgruppe schon länger abzeichnete. Kohn sagt: »Wir waren gezwungen, unsere internen Gespräche zu beschleunigen: die Frage, wie wir unsere US-Printausgabe so verändern können, dass sie zu dem passt, was Konsumenten heutzutage wollen (…) So haben wir uns entschieden, dass unsere Frühjahrsausgabe 2020, die diese Woche in den USA in den Handel kommt und als Download verfügbar sein wird, unsere letzte Printausgabe in den USA in diesem Jahr sein wird.« Interviews, die Reihen 20Q und Playboy Advisor und die Bildstrecken werden online weiter geführt.

Für 2021 werden neue, nicht weiter spezifizierte Printprodukte auf den Markt kommen. »Print ist unsere Wurzel und Print wird immer Teil dessen sein, was wir sind. In den letzten 66 Jahren sind wir weit mehr als ein Magazin geworden. Und manchmal muss man die Vergangenheit loslassen, um Raum für die Zukunft zu schaffen.«

Damit endet vorläufig die spektakuläre Geschichte des wohl erfolgreichsten und einflussreichsten Erotikmagazins der Welt.

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