Sexshops im Porträt #05: G Spot Adult LoveStyle in Soweto, Südafrika

Mmathabo Ndlovu Soweto, Johannesburg
Der Vorort Soweto im südafrikanischen Johannesburg hatte bisher weder Sexshops noch einen öffentlichen Diskurs über Sexualität. Eine Frau ist nun angetreten, das zu verändern. Mit ihrem Shop, dem G Spot Adult LoveStyle, will Mmathabo Ndlovu ihre Landsleute mit den Themen sexuelle Gesundheit und weibliche Lust konfrontieren. 
Südafrika gehört zu den Ländern, in denen durch repressive Sexualvorstellungen große gesellschaftliche Schäden entstehen. Ein Fünftel der Bevölkerung ist Schätzungen zufolge mit HIV infiziert, ein Drittel aller Schulmädchen trägt den Virus in sich. Statistisch gesehen, wird alle 9 Minuten eine Frau vergewaltigt. Sexualität ist in der Öffentlichkeit ein Tabuthema und weibliche Sexualität verdrängt. An kaum einem anderen Ort wird so offensichtlich deutlich, wie lebensnotwendig es ist, sich mit Sexualität offen auseinanderzusetzen.
Es ist also eine ausnehmend besonderes Ereignis, wenn in Südafrika ein Sexshop aufmacht, der noch dazu von einer Frau betrieben wird. Der Shop heißt G Spot Adult LoveStyle, liegt in Soweto und hat als erster Sexshop überhaupt im 1,2 Millionen Einwohner zählenden Vorort von Johannesburg die Pforten geöffnet. Die Frau, die sich das wagt, ist Mmathabo Ndlovu und 38 Jahre alt. Sie hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften und spricht mehrere Sprachen, darunter auch Deutsch. Ihr erklärtes Ziel ist es, mit diversen Mythen und Legenden um Sexualität aufzuräumen und das Thema der sexuellen Gesundheit in ihrem Land zu enttabuisieren. 
Ihr Shop führt ein Sortiment, das im Wesentlichen jenen von Sexshops in anderen Ländern gleicht: Reizwäsche, Gleitmittel, DVDs, Sexpuppen, Sexspielzeug und Magazine. Zugleich vermietet sie ihre Ladenfläche aber auch für Veranstaltungen zum Thema Sexualität.
Gefährliche Vorurteile über Sexualität
Viele ihrer Landesgenossen haben ihrer Ansicht nach völlig verzerrte Vorstellungen von dem, was ein Sexshop überhaupt ist. Manche dächten, in ihrem Laden könnte man Stripperinnen oder Prostituierte buchen. Dennoch ist Ndlovu optimistisch: »Das Feedback ist grundsätzlich positiv. Ich glaube, dass der Markt dafür reif war, die Leute wollten so etwas, wussten aber nicht, wo sie es finden könnten.« Sie glaubt beobachten zu können, dass sich immer mehr Menschen für sexuelle Gesundheit interessieren.
 
Selbst ältere Menschen, die sich zunächst mit größter Skepsis in ihren Laden begeben, würden ihre Einstellungen ändern, sobald sie mehr über das Konzept und Anliegen ihres Shops erfahren.
 
Sie will die Botschaft in die Köpfe ihrer Mitbewohner verbreiten, dass es vollkommen in Ordnung ist, sich mit der eigenen Sexualität und der eigenen Lust auseinanderzusetzen. Im Interview sagt Ndlovu »Und das hat nichts damit zu tun, dass man schmutzig wäre oder sich an dunklen, halbseidenen Orten herumtreibt.«
Ein Land in Bewegung: Prominente Mitstreiter
Derzeit sei viel in Bewegung, sagt die Sexshop-Betreiberin. Stark geholfen habe es, dass Lilian Dube, eine der bekanntesten Schauspielerinnen Südafrikas offen darüber sprach, selbst Sexspielzeug zu besitzen. Darum denkt Ndlovu, dass mehr Menschen den Schritt wagen sollten, offen darüber zu sprechen und selbst nach Informationen über sexuelle Gesundheit zu suchen.

Ein weiteres Thema bewegt sie sehr, wenn sie an ihre Branche denkt. Bisher sei der Erotikmarkt Südafrikas komplett von Weißen kontrolliert. Das müsse sich ändern. Sie ermuntert andere, es ihr gleich zu tun und ebenfalls Sexshops zu eröffnen. »Wenn man in die nördlichen Vororte fährt, findet man alle 5 Kilometer einen Sexshop. Ich glaube, dass wir das für die schwarze Community auch erreichen könnten.«

Ndlovu hat mit Patrick Meyer, einem Mitarbeiter des Sexartikel-Händlers LuvLand, kompetente Beratung mit an Bord. Ohne seine Hilfe wäre es komplizierter geworden, räumt sie ein. »Er hilft mir ständig. Und dabei bin ich ein Wettbewerber, und er hilft mir dennoch auf meinem Weg. Er tut dies in seiner Freizeit.«
Pläne für einen Onlineshop
Für die Zukunft plant die umtriebige Unternehmerin den Aufbau eines Onlineshops, mit dem sie ihren Wirkungsradius erhöhen will. Die tägliche Erfahrung mit Kunden im Laden helfe ihr immens. Das Feedback der Kunden fließt direkt in ihre Arbeit ein. 
Ihre primäre Zielgruppe sieht sie zwar in den Townships der südafrikanischen Metropole, doch langfristig will sie eine landesweite Wirkung erzielen. Sexuelle Gesundheit ist insbesondere in den ländlichen Gebieten Südafrikas noch immer ein Tabuthema. Dies zu verändern braucht Zeit. Und engagierte Vorkämpfer wie Mmathabo Ndlovu. »Ich bediene ein Bedürfnis, das vorhanden ist. Es gibt ein Bedürfnis für das, was ich anbiete, und ich werde dafür kämpfen.«

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