DER SPIEGEL warnt vor smarten Sextoys

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Das Onlineangebot des Hamburger Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL warnt vor der Nutzung von smarten Sextoys. Hacker könnten Daten aus den cleveren, teils App-gestützten Sextoys der neusten Generation abgreifen. Panikmache oder gerechtfertigte Sorge?

Das durch gefälschte Reportagen des mehrfach ausgezeichneten SPIEGEL-Reporters Claas Relotius in die Schlagzeilen geratene Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL warnt vor dem Gebrauch von smarten Sextoys. Der Trend zum sogenannten »Internet der Dinge« gefährde die Privatsphäre und Daten der Nutzer. Bei Sexspielzeug sei dieses Problem besonders pikant.

Anlass für den Artikel ist ein Produkt von Vibratissimo. In den ersten Absätzen macht sich der Artikel im typischen SPIEGEL-Ton lustig über das Produkt und seine Anwender und schürt dann Ängste, die potenzielle Kunden solcher und ähnliche Produkte vor allem verunsichern sollen. So heißt es gewohnt hämisch: »Für manche klingt das vielleicht nach dem Sex der Zukunft. Für andere klingt es schlicht nach 2018, einem Jahr, in dem Firmen so ziemlich alles mit dem Internet verbinden, von der Haustür bis zum Leckerli-Automaten. Blöd nur, wenn dann die IT-Sicherheit ihrer Entwicklungen nicht zur Moderne passt.«

Für den Angriff auf die verstärkt auf den Markt dringenden smarten Sextoys hat sich das Blatt Werner Schober (24), einen selbsternannten IT-Sicherheitsexperten der Firma SEC Consult als Zeugen herbeigerufen. Schober sagt dementsprechend: »Bei vernetzten Geräten fürs ‚Internet der Dinge‘ machen sehr viele Hersteller extreme Anfängerfehler auch bei den Sextoys. Fehler, wie sie vielleicht vor 15 Jahren üblich waren.«

Schober, der vor 15 Jahren vermutlich nicht einmal wusste, was ein Sextoy ist, weist in dem Artikel darauf hin, dass viele Sexspielzeug-Hersteller zu wenig über IT-Sicherheit wüssten. 2018 hat Schober bereits darauf hingewiesen, dass der Panty Buster von Vibratissimo leicht zu hacken sei. Laut SPIEGEL war es Schober möglich, auf die Datenbank »aller angemeldeten App-Nutzer zu(zu)greifen, in der sich etwa Bilder, Angaben zur sexuellen Orientierung und Nutzer-Passwörter befanden – unverschlüsselt.«

Laut Schober sei der Panty Buster kein Einzelfall. Allerdings führt das durch die Relotius-Affäre stark in die Defensive gedrängte Magazin ausgerechnet eine studentische Masterarbeit Schobers als Quelle für die angebliche Unsicherheit aller smarten Sextoys an. In der Arbeit wurden aber nur relativ unbekannte Produkte wie der Magic Motion Flamingo und der Realov Lydia untersucht, beides Produkte von chinesischen Herstellern. Markenhersteller wie LELO, Mystim und FunFactory wurden nicht einmal erwähnt.

Ebenfalls herangezogen wird der in der Branche als Auslöser für zahlreiche Maßnahmen für mehr Datensicherheit geltende PR-Gau der Firma We-Vibe. Das Unternehmen musste 2017 in den USA eine Strafe in Millionenhöhe entrichten, weil eine App zu einem Gerät des Herstellers Nutzungsdaten aufzeichnete und diese an We-Vibe sendete. Auch Probleme bei Svakom und Lovense werden in dem Artikel angeführt. Die nach den Problemen eingeleiteten Vorkehrungen für mehr Datensicherheit bleiben dagegen unerwähnt.

Dass der vermeintliche Experte Schober weitestgehend im Dunkeln tappt und eher aus studentischer Perspektive mutmaßt, als verlässliche Angaben machen kann, zeigen zahlreiche Stellen wie diese: »Ich vermute, dass der Wettbewerb recht groß ist, dass es vor allem darum geht, mehr und mehr Features anzubieten.«

Schober fordert vor allem regelmäßige Produkttests von Verbraucherschutzorganisationen, eine Maßnahme, die die Branche durchaus begrüßen würde. Allerdings steht zu befürchten, dass die immer noch vorhandene Stigmatisierung von Sextoys normalisierende und hilfreiche Tests von Organisationen wie Stiftung Warentest und Ökotest weiterhin seltene Ereignisse bleiben. Nur so aber, so Schober, könne man die Hersteller dazu bewegen, für Datensicherheit bei den App-gestützten Toys zu sorgen. Seiner Meinung nach sei eine reine Zertifizierung zu wenig. Das finde nur ein einziges Mal statt und führe zu einem trügerischen Sicherheitsgefühl.

DER SPIEGEL lässt den gerade von der Uni entlassenen IT-Experten auch ein bisschen spekulieren: »Künftig könnte es Anleitungen geben, wie man sich per 3D-Drucker Sexspielzeug selbst baut. Das Ganze muss man dann vielleicht nur noch mit einem Motor ausstatten. Und Raspberry-Pi-Computer werden immer kleiner, so etwas könnte auch integriert werden.«

Den vollständigen Artikel finden Sie hier. Wünschenswert wäre nach wie vor eine seriöse und umfassende Recherche zu diesem wichtigen Thema. Die Branche würde selbst davon profitieren.

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