Good Vibrations kauft Sexshop-Kette Babeland

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Kasandra Brabaw berichtet für Refinery29: »25 Jahre nach der Eröffnung ihres ersten Ladens haben sich die Gründerinnen von Babeland, Rachel Venning und Claire Cavanah, dazu entschieden, ihre Sexshop-Kette an den Franchisebetreiber Good Vibrations zu verkaufen.

Die vier Filialen von Babeland und der dazugehörige Onlineshop werden den Markennamen und den feministischen Grundgeist behalten, von August an aber Good Vibrations als neuen Eigentümer haben, so lauten Aussagen gegenüber dem Onlinemagazin Refinery29.
Good Vibrations wurde 1977 in San Francisco gegründet, Babelands Keimzelle war das 1993 in Seattle eröffnete Toys in Babeland. Beide Unternehmen gelten als Pioniere im Bereich explizit auf Frauen zugeschnittener Sexshops.
Bevor Shopkonzepte wie Good Vibrations und Babeland auf die Bühne traten, waren Sexshops versteckte, halbseidene und eher auf Männer ausgerichtete Spelunken. In vielen konservativen Gegenden wurden die Schaufenster einfach mit Silberfolie oder dunklen Farben zugeklebt. In städtischeren Gebieten wurden auch schon mal XXX-Neonschilder eingesetzt. In beiden Varianten ging es eher darum, das Innere des Ladens zu verschleiern, erzählt die Good Vibrations Sexologin Carol Queen.
Denn oftmals war das, was innen vor sich ging: Männer, die Pornos guckten. Es war die Zeit, bevor das Internet es möglich machte, in der sicheren Geborgenheit der eigenen vier Wände nach Pornos zu suchen, weshalb es in den schlecht beleuchteten Sexshops immer auch Kabinen gab, in denen (nahezu immer) Männer Geld in einen Kabinenschlitz warfen, um anderen Menschen beim Sex zuzusehen.
Die Shops waren daher oftmals für Frauen eher unangenehme Orte, so Queen. Insbesondere lesbische Frauen, farbige Frauen oder Frauen, die zu marginalisierten Minderheiten gehörten, fühlten sich dort nicht wohl.
Als Good Vibrations seinen ersten Laden eröffnete, waren die Fenster zwar auch verhüllt, allerdings ging es nicht darum, das zu verstecken, was im Inneren vor sich ging, sondern eher die Privatsphäre der Frauen zu schützen, die den Laden betraten. Ein Shop wie Good Vibrations, der darauf ausgelegt war, mit guter Beleuchtung und ohne Pornokabinen Frauen den Zugang zu Sexartikeln zu ermöglichen, war eine revolutionäre Neuheit im Markt. Und auch 20 Jahre später, als Babeland in Seattle die Türen öffnete, war es immer noch eine absolute Seltenheit.
Die Idee war immer noch so neuartig, dass Venning und Cavanah im Interview erzählen, dass Familie und Freunde einfach nicht verstehen konnten, was sie vorhatten. »Als wir den Plan dafür entwickelten, waren wir gerade mit dem Studium fertig, und unsere lesbischen Freundinnen und Familienmitglieder sagten Dinge wie ‚Was soll das heißen, ihr wollt einen Sexspielzeugladen eröffnen?’«, so Cavanah.
Bei der Eröffnung 1993 war es immer noch keine Branche, in der Frauen aktiv waren, insbesondere keine lesbischen Frauen wie Venning und Cavanah.
Heute finden es lesbische wie heterosexuelle Frauen angenehm und sicher bei Babeland einzukaufen, ein Ladengeschäft mit inklusivem Ansatz, der dazu einlädt jedwede Art von Sexualität auszuprobieren oder halt den neusten Vibrator zu kaufen. Der Laden führt auch sogenannte »Packer« für Transgender-Männer, Dildos, die nicht wie ein natürlicher Penis aussehen, wie auch Dildos, die möglichst naturgetreu Penisse nachahmen, dies aber in zahlreichen Hautfarben. Darüber hinaus finden sich natürlich zahlreiche andere Sextoys im Angebot, so dass jeder hier fündig werden dürfte.
Die meisten Mitarbeiter von Babeland sind lesbische Frauen, die geschult wurden, Fragen zu beantworten, wie man Orgasmen erreicht oder welches Gleitgel am besten bei einer trockenen Vagina hilft oder auch welcher Dildo für Anfänger am besten geeignet ist. In den Sexläden der Vergangenheit, so Queen, konnte der Mann (und es war fast immer ein Mann) hinter der Ladentheke mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Informationen darüber geben, welches Toy eine Frau am besten zum Orgasmus bringen kann, die standen schlicht da, um die Kasse zu bedienen. Die Ausbildung der Mitarbeiter ist bei Babeland und Good Vibrations von enormer Wichtigkeit, und das wird so bleiben.
»Wir haben einen drastischen Wandel in der Kultur rund um Sexprodukte festgestellt«, so Venning. »Früher war es mit Scham und Geheimniskrämerei verbunden, wenn man Sextoys kaufen wollte. Wie vielen Leuten musste ich eine Einführung in die weibliche Anatomie geben, weil sie fragten ‚Was ist die Klitoris?‘ Sex war damals einfach ein Penis und eine Vagina, Hände ins Bettlaken gekrallt.«
Auch wenn die Aufklärungsarbeit noch lange nicht am Ende ist (und dies insbesondere für jüngere Menschen immer wieder von Neuem wichtig ist), sagt Venning, dass sie ein gutes Gefühl über die Anstrengungen von Babeland und Good Vibrations habe, dass sie Teil der gesellschaftlichen Debatte darüber waren – und sie ist glücklich, dass Babeland-Läden auch unter der Führung von Good Vibrations weiterhin Aufklärungsarbeit leisten werden.
»Es geht weiter«, sagt sie. »Es gibt einfach nicht ausreichend akkurate Informationen über Sex, und es würde uns schwerfallen, Babeland an Good Vibrations zu übergeben, wenn wir nicht wüssten, dass sie auch der Aufklärungsarbeit verschrieben sind.«
Da ihre Ideen auch unter der Führung von Good Vibrations fortgeführt werden, können sich Venning und Cavanah nun neuen Abenteuern widmen – wobei sie sich noch nicht sicher sind, was sie als Nächstes tun wollen.
»Ich erlebe ein Wechselbad der Gefühle«, erzählt Cavanah. »Ich habe Angst, da das hier schließlich alles ist, was ich bisher gemacht habe, aber ich bin auch aufgeregt und neugierig, weil es eben das einzige ist, was ich bisher gemacht habe. Inzwischen denke ich, dass ich das Neue lieben werde. Ich fühle, dass viel Verantwortung von mir abfällt.«
Sie und Venning sind sehr stolz auf das, was sie in den letzten 25 Jahren erreicht haben. Sie hinterlassen eine Sexshop-Marke, die die Autorin dieser Zeilen, eine lesbische Frau, die in New York City lebt, immer gerne und angstfrei, aber durchaus neugierig und erregt, besucht hat. Babeland ist eine Institution, und auch wenn die Läden nicht mehr von Venning und Cavanah betrieben werden, bin ich glücklich, dass es weiterhin einen Ort geben wird, wo lesbische Frauen und Menschen aller Geschlechtsidentitäten das Gefühl haben, willkommen zu sein.«

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