Interviews & Porträts von der VENUS Berlin #05: Lovely Inc.

Jakub Konik lovely sextoys

Die diesjährige VENUS ist zwar Mitte Oktober zu Ende gegangen, doch in den kommenden Wochen veröffentlichen wir mehrere Interviews und Porträts zu Ausstellern, die wir während der 22. Ausgabe der Berliner Erotikmesse getroffen haben, um mit ihnen über ihr Unternehmen, den Zustand der Branche, neue Produkte und Zukunftstrends der Erotik- und Sexspielzeug-Industrie zu sprechen. 

lovely 2.0
lovely 2.0

Am Stand von Lovely konnten wir mit Jakub Konik sprechen, den Gründer und CEO von Lovely Inc., einem Startup mit Büros in den USA und Polen, das sich auf App-gesteuertes Sexspielzeug fokussiert hat. Konik ist nach Berlin gekommen, um sein zweites und neustes Produkt vorzustellen und neue Geschäftspartner zu finden. Er ist 30, von polnischer Abstammung und einer der jungen Unternehmer, die das Forbes Magazin auf seiner »30 Under 30«-Liste hervorhebt.


VENUS
: Wir stehen hier am Stand von Lovely Fun, einem amerikanischen Startup, das sich auf die Produktion von Sexspielzeug spezialisiert hat. Können Sie unseren Lesern ein bisschen über Ihr Unternehmen erzählen?


Jakub Konik:
 Natürlich. Unser Unternehmen heißt Lovely Inc. Wir sind seit 2015 auf dem Markt und bringen gerade unser zweites Produkt heraus. Es heißt Lovely 2.0 und ist ein smarter Penisring für Paare. Die Idee dahinter ist, Paaren dabei zu helfen, besseren Sex zu erleben. Das wird dadurch möglich, dass der Ring mit einer App verbunden ist, die dem Nutzer individuelle Tipps für besseren Sex gibt, ein Inspirationsgeber sozusagen. Beispielsweise Ideen für neue Positionen oder Stimulationstechniken.

VENUS: Wie funktioniert das? Was sind die Funktionen des Penisrings?

Jakub Konik: Das Toy verfügt über zwei innen sitzende Sensoren, die Ihre Bewegungen analysieren. Eine Art Fitbit für Sex. Die Idee ist nicht, dass man Daten über sein Sexleben erhält, das wäre unnütz. Aber die analysierten Daten erstellen personalisierte Tipps. Es gibt mehr als 100 solcher Tipps. Sie wurden von Sex-Pädagogen entwickelt, die für uns tätig waren.

Der Ring eignet sich ideal für Paare, da er nicht nur eine Stimulation der Klitoris ermöglicht, sondern eben auch Inspirationen für die Bereicherung des gemeinsamen Spiels anbietet. Das Toy kann ferngesteuert werden und ist wasserdicht. Es wird durch Induktion aufgeladen, indem man es auf eine Ladestation legt. Für die Produktion wird Silikon verwendet. Wir bieten den Ring in zwei Farben an, rosa und grün.

VENUS: Was ist Ihr Ziel als neuer Aussteller auf der VENUS?

Jakub Konik: Wir verkaufen unsere Produkte bereits in mehr als 50 Ländern, suchen aber weiterhin nach neuen Vertriebspartnern. Auf der ganzen Welt nicht nur in Deutschland. Wir wissen, dass viele Branchenvertreter die Messe hier in Berlin besuchen. Und das ist der Grund, weshalb wir hier sind.

VENUS: Wie viele Menschen arbeiten in Ihrem Unternehmen? Wie ist Lovely Inc. organisiert?

Jakub Konik: Sechs Mitarbeiter arbeiten direkt bei uns. Und außerdem arbeiten wir mit 15 Freelancern zusammenn. Unsere Produkte lassen wir natürlich wie alle anderen auch in China fertigen.

VENUS: Wer ist für das Design der Produkte bei Ihnen zuständig?

Jakub Konik: Unsere Designer sind ein Paar. Sie haben mehrere Monate lang mehr als 50 Penisringe getestet und geprüft. Am Schluss stand diese Form. Es ist ein spezielles Design, das dabei hilft, die Schamlippen sanft zur Seite zu schieben. Darum kann die Klitoris optimal stimuliert werden. Bei anderen Penisringen ist das ein Problem, da einige zu kurz oder dünn gefertigt wurden, um die Vibrationen wie intendiert zu übertragen. Unsere Penisringe passen sich dagegen perfekt in die Vulva ein.

VENUS: Gehören die Designer zum Gründungsteam des Unternehmens?

Jakub Konik: Nein, es war ein Freelance-Projekt für die beiden.

VENUS: Sie sind also der Gründer und somit der Kopf hinter dem Unternehmen. Daher natürlich die Frage: Wie sind Sie auf diese Branche gekommen? Viele Branchenmitglieder sind – wie ich selbst auch – ein bisschen als Seiteneinsteiger in die Branche gekommen. Für viele aber wird es dann zu einer echten Leidenschaft. Was hat Sie in die Sexspielzeug-Industrie geführt?

Jakub Konik: Bei mir war es so, dass ich bei einem Dating-Unternehmen in Malta tätig war. Wir waren in drei Märkten aktiv. Und durch meine Zusammenarbeit mit Partnern, Affiliates, den Camportalen zum Beispiel, die ja Teil der Branche sind, wurde mir klar, dass es unfassbar viel ungehobenes Potenzial im Sexspielzeugmarkt gibt. Die meisten Bereiche waren noch nicht Teil des Mainstreams. Immer noch ist High Tech eher selten. Ich beschäftigte mich also genauer mit Sexspielzeug. Wie bei dem Datingunternehmen war ich auch für eine Weile bei Fun Factory im PR-Bereich tätig. Ich kam jedenfalls zu dem Schluss, dass es wohl interessant wäre, etwas in diesem Bereich zu machen.

Und eines Nachts hatte ich in meiner Beziehung Sex. Und wir fragten uns, wie viele Kalorien wir wohl verbrannt haben. Und ich dachte, dass es doch ein Sex Toy oder eine App geben müsste, die einem das verrät. Und ich suchte und suchte, konnte aber nichts finden. Und ich forschte weiter und sprach mit Sexualwissenschaftlern. Und die sagten mir, dass ich durch den Einsatz von Sensoren in den Toys weitaus mehr erfahren könnte, als nur die Anzahl der verbrannten Kalorien. Und das haben wir dann auch gemacht. Wir sammeln Daten über die Sensoren im Ring.

Mich hat dieser Ansatz überzeugt. Also habe ich meine gesamten Ersparnisse zusammengetragen und sie in die erste Version des Rings investiert. Schließlich gelang es mir, Investoren zu gewinnen.

lovely sextoysVENUS: Haben Sie auch Mittel über Crowdfunding eingeworben?

Jakub Konik: Wir haben auch Crowdfunding gemacht, aber das war eher wenig. Wir haben $40.000 eingesammelt, allerdings war unser Ziel $100.000. Und der Grund, weshalb das nicht funktioniert hat, war, dass wir nicht genug Mittel für das Marketing eingeplant hatten. Ich habe mein letztes Geld für das Video ausgegeben. Und dann sind wir an die Presse gegangen. Die hat auch darüber berichtet, weshalb wir die $40.000 einnehmen konnten. Doch als die Artikel von den Startseiten verschwanden, haben wir immer weniger Geld eingesammelt und der Traffic ließ nach. Doch aufgrund der Bekanntheit, die wir durch die positive Berichterstattung bekamen, wurden Investoren auf uns aufmerksam. Und so haben wir Investoren gefunden.

VENUS: Das grundsätzliche Klima für Sexspielzeugunternehmen hat sich in den letzten Jahren verbessert. Und das zeigt sich auch an steigendem Interesse von Seiten der Investoren, oder?

Jakub Konik: Es hat sich verbessert, aber es ist immer noch ein Problem. Investoren sind weiterhin zurückhaltend. Einige wollen überhaupt nicht in Unternehmen aus der Branche investieren. Es wird aber in der Tat besser. Sexuelle Gesundheit, Sex-Tech und Sexspielzeug bekommen immer mehr Aufmerksamkeit von Investoren. Das Unternehme Unbound hat eine große Investitionssumme erhalten. Es ist einfach ein guter Augenblick in dieser Branche, da sie immer stärker in den Mainstream vordringen kann. Die Gesellschaft öffnet sich für unsere Branche.

Und die Qualität der Produkte ist einfach gestiegen. Früher war es halt einfach vibrierendes Silikon. Inzwischen ist eine Menge Technologie im Spiel. Das Spielzeug wird mit jedem Jahr cleverer. Nicht nur Vibration und Performance, sondern insgesamt ein verbessertes Sexerlebnis mit dem Partner.

VENUS: Wie hilfreich sind Mainstream-Medien für eine Marke wie Ihre?

Jakub Konik: Die helfen sehr. Da wir kein normales Sextoy-Unternehmen sind, ist es für Mainstreammedien leichter über uns zu schreiben. Und das bringt uns in Kontakt mit neuen Menschen, die unsere Produkte vielleicht nicht sofort kaufen, die aber über diese Dinge aufgeklärt werden und lernen, was es alles so gibt.

VENUS: Nähern sich Magazine wie Glamour und GQ selbständig bei euch oder müsst ihr stark um die Aufmerksamkeit solcher Publikationen kämpfen?

Jakub Konik: Meistens ist es tatsächlich so, dass die sich bei uns melden. Ich glaube, das liegt an der Einzigartigkeit unseres Produkts. Und natürlich daran, dass wir neu sind. Wir sind jetzt seit zwei Jahren auf dem Markt, und deshalb werden sie in der Zukunft nicht mehr so häufig über uns schreiben. Dann werden wir uns stärker bemühen müssen.

VENUS: Das bedeutet aber natürlich, dass Sie auch ständig neue Produkte benötigen, um das Interesse wach halten zu können.

Jakub Konik: Das stimmt natürlich. Unser erstes Produkt haben wir im Januar 2017 auf den Markt gebracht, und jetzt im Herbst haben wir auf den beiden großen deutschen Messen ein neues Produkt auf den Markt gebracht.

Im Augenblick konzentrieren wir uns aber auf die Gewinnung neuer Geschäftspartner. Wenn also Einzel- und Großhändler nach etwas anderem suchen als einfach nur Variationen von vibrierenden Sextoys, dann sollten sie sich mit uns in Verbindung setzen. Wir freuen uns auf neue Partner aus ganz Europa.

VENUS: Danke für das Gespräch.

Wenn Sie mehr über Lovely erfahren möchten, klicken Sie hier.

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