Stiftung Warentest: Viele Sextoys enthalten Schadstoffe

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Die Stiftung Warentest hat 18 Sex Toys aus unterschiedlichen Preiskategorien getestet. Dabei kam es zu teils desaströsen Ergebnissen, was die Schadstoffbelastung der Toys angeht. Nur drei Produkte waren vollkommen ohne Schadstoffe. Insgesamt ergab sich ein durchwachsenes Bild, bei denen europäische Hersteller relativ gut abschnitten, während die US-Konkurrenz bedenkliche Schadstoffwerte bescheinigt bekam.

Den strengen Blicken der Stiftung Warentest entgeht nichts. Zum ersten Mal widmeten sich die Prüfer dem boomenden Sextoy-Markt und unterzogen 18 Produkten unterschiedlicher Hersteller einem eingehenden Test. Im Zentrum stand dabei eine Untersuchung etwaig enthaltener Schadstoffe. Da für Sexspielzeug weltweit kaum Vorschriften und Schadstoffgrenzwerte existieren, ist die Branche weitestgehend unkontrolliert. Grund genug für die Stiftung Warentest genauer hinzusehen. Der Test der einflussreichen Prüfer dürfte für lange Gesichter in der Branche sorgen. Im Artikel zum Test eröffnen die Warentester: »Wir fanden sauber, aber auch fünf sehr stark mit Schadstoffen belastete Sextoys. Darunter ist keineswegs nur Billigware.«

Europäische Hersteller schneiden im Vergleich gut ab

Die guten Nachrichten vorne weg: Vier Sextoys konnten die strengen Prüfer der Stiftung Warentest zu ihrer Bestnote Sehr Gut bewegen: Der Ocean Mini Vibrator von FunFactory (31,00€), der Space Rider 3000 von You2Toys (15,00€), der Siiime Camera Vibrator von Svakom (99,50€) und der Satisfyer Pro 2 Next Generation (42,00€). Mit der Note Gut schnitten Produkte von Lelo, Mystim, Sevencreations und Lovehoney ab. Womanizer und Durex kamen mit einem Befriedigend davon. Die getesteten Produkte von Doc Johnson, Joydivision, Pipedream und We-Vibe hingegen wurden im Schadstoff-Test der Stiftung Warentest mit Mangelhaft bewertet, ein hartes Urteil, das die betreffenden Hersteller zum sofortigen Gegensteuern bewegen sollte.

Denn Deutschlands einflussreichstes Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL hielt in seinem Artikel zum Testergebnis fest: »Sexspielzeug ist laut Stiftung Warentest häufig mit Schadstoffen belastet. Vier der zwölf geprüften Vibratoren haben demnach eine „mangelhafte“ Schadstoffbilanz. Gleiches gilt für eine der drei getesteten Liebeskugeln, die beispielsweise in die Scheide eingeführt werden und den Beckenboden trainieren. In den 18 getesteten Produkten oder dem mitgelieferten Zubehör fanden sich zum Beispiel polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die als krebserregend gelten, und der Weichmacher DEHP, der die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann.« Das sind Sätze, die der Branche schaden und dem Image der kleinen Helfer im Bett, die seit Jahren eine immense Wachstumskurve hinlegen, in der Wahrnehmung beim Konsumenten massiv schaden dürften. Die Branche sollte aufhorchen und alarmiert sein.

Sextoys kommen dem Kunden nah, Vertrauen ist Grundvoraussetzung

Schließlich sind Sextoys keine Allerweltsprodukte. Man führt sie an intimste Zonen und teilweise in den Körper ein. Sara Wagner Leifhelm war bei der Stiftung Warentest für die Koordination des Tests verantwortlich. Interview mit Spiegel Online weist sie auf die besondere Verantwortung der Sexspielzeug-Hersteller hin, die Stellen, die mit den Produkten in Kontakt kommen, seien »meist gut durchblutet und können empfindlich sein. Schadstoffe haben deshalb in Sextoys nichts zu suchen.«

Grenzwerte bei Vergleichsprodukten teilweise um das Hundertfache überschritten

Im Vergleich zu Kinderspielzeug würden die Grenzwerte für Schadstoffe oft massiv überschritten, teilweise um das Hundertfache. Ausgerechnet ein Produkt aus dem gehobenen Preissegment ist den Prüfern der Stiftung Warentest besonders negativ aufgefallen. Es handelt sich dabei um den We-Vibe, der oftmals für knapp 90€ angeboten würde. Das Produkt gebe so viel Nickel ab, dass das Produkt eigentlich nicht im Handel sein dürfte. Auch eine Maske von Pipedream sei viel zu gefährlich. Der gesetzlich vorgeschriebene DEHP-Wert sei um das Hundertfache überschritten und auch der Wert für Chlorparaffine sei weit über dem von der EU empfohlenen Grenzwert.

Dr. Wolfgang Bühmann ist Schriftleiter des Verbands Deutscher Urologen. Er warnt: »Das Gehirn darf nicht zugunsten des Gehirns ausgeschaltet werden.« Solche Sätze sind für die Branche hoch problematisch, säen sie doch Zweifel an dem mühevoll errungenen Positiv-Image von Sexspielzeug. Dabei ist es wenig hilfreich, dass der Preis offenbar kein Indikator für schadstoff-freie Sex Toys ist. Hohe Belastungen waren in günstigen wie teuren Produkten festzustellen, günstige wie teure Produkte wurden mit Sehr gut beurteilt. Offenbar wird bei den Herstellern wenig auf Schadstoffarmut geachtet.

Das Ergebnis ist eine Chance

Die Probleme sind demnach hausgemacht. Die heftigen Schlagzeilen, die sich daraus ergeben, sind aber auch eine Chance für die Industrie, sich endlich einem potenziellen Wachstumshemmer zu stellen. Die Branche muss dringend auf eine Normierung von Schadstoffwerten, auf eine verbindliche Einführung von Grenzwerten und die klare Formulierung von Sicherheitsvorschriften drängen. Ein Käufer von Sexspielzeug muss sich sicher sein, dass ihm ein so intimes Produkt keinen Schaden zufügen kann. Andernfalls kann der Boom der Sextoy-Industrie Schaden nehmen. Insbesondere in Deutschland, wo Kunden äußerst sensibel auf qualitative Mängel und potenzielle Gesundheitsgefahren reagieren.

Einer der Wachstumsbereiche, in den die Branche viel Hoffnung und Geld investiert, sind app-gesteuerte Sextoys. Das geringe Vertrauen der Tester der Stiftung Warentest macht sich auch hier bemerkbar. Die Prüfer kommen zu dem Rat, dass Konsumenten gänzlich auf Sexspielzeug verzichten sollten, das Daten über sie sammelt und per App verarbeitet. Der prägnante wie desaströse Rat: »Verzichten Sie darauf, so intime Daten von sich zu produzieren.« Höchste Zeit also, dass die Hersteller für größeres Vertrauen beim Konsumenten versorgen und strengste Sicherheitsnormen für ihre Produkte einführen.

Wenn Sie mehr erfahren möchten, finden Sie hier den Link zum Test der Stiftung Warentest. Für eine kleine Gebühr kann man den Artikel aufrufen.

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