Ethisch korrekte Pornos von Wiener Opernsängerin

Adrineh Simonian

Die Opernsängerin Adrineh Simonian hat ihr Opernleben aufgegeben und produziert nun erfolgreich ethisch korrekte, faire Pornofilme. Die junge Frau hat für ihren Traum, feministische Pornos zu produzieren, die Firma »Arthouse Vienna« gegründet.

In der Wiener Oper singen zu können, dürfte der Traum einer jeden Sängerin sein. Wie also kam es dazu, dass Adrineh Simonian eines Tages die Bretter, die die Welt bedeuten, hinter sich ließ und sich seitdem fortan eher mit Betten und Nageln auseinandersetzt.

Für ze.tt hat die Autorin Eva Reisinger die unorthodoxe Pornoproduzentin, die bis vor zwei Jahren noch in der Volksoper Wien als Mezzosopranistin aufgetreten ist, besucht und sich bei den Dreharbeiten umgesehen.

»Wenn die Menschen das Wort Pornografie hören, denken sie automatisch an Mafia, Zuhälter, Prostitution und Gewalt«, meint Simonian. Sie teilt diese Ansicht nicht und hält vieles für Vorurteile. Um die Branche neu aufzustellen, hat sie sich entschlossen ethische Pornos zu drehen und Pornografie zumindest für ihre Filme vom Jammer-Image zu befreien.

Als sie damit anfing, war das nicht viel mehr als ein Entschluss. Denn war so etwas wirklich möglich? Pornos, die niemanden ausnutzen? Pornos, die sie selbst wirklich anmachen könnten und zusagten?

Dass sich die Pornoproduzentin wirklich Gedanken gemacht hat, kann man nun auf allen Ebenen ihrer Arbeit erkennen – und zwar nicht nur am Endprodukt. Bereits bei den Verträgen wird bei Adrineh anders verfahren als in der Branche sonst üblich. Die Darstellerinnen stimmen der Veröffentlichung ihrer Filme erst dann zu, wenn sie den Film in der Endfassung zu sehen bekommen haben. Bis zum Schluss kann der Darsteller hier ein Veto einlegen. Ein Novum, das manchen Produzenten sehr nervös machen dürfte.

Die ehemalige Sängerin hat sich intensiv mit der Geschichte und der Psychologie ihres Metiers beschäftigt, bevor sie schließlich das Produktionsunternehmen »Arthouse Vienna« gründete. Während die Produktionsbedingungen möglichst fair sein sollten, war sie sich mit ihrem Mitstreiter Patrick Catuz sofort einig, dass auch die Filme selbst unkonventionell daher kommen sollten. So gibt es Produktionen, bei denen es die Darsteller mit verbundenen Augen miteinander treiben. Bei manchen Filmen sind die Darsteller völlig allein mit der Kamera, während sich das Produktionsteam anderen Dingen zuwendet. Masturbationsvideos in der von Simonian so getauften »Blackbox« entstehen so fast von allein.

Simonian ist stolz, dass ihr Ansatz auch von Männern goutiert wird. »Sie wollen mehr über die weibliche Lust erfahren«, erklärt sie und holt aus: »Durch den Feminismus haben Frauen langsam begonnen, sich zu öffnen und sich zu ihrer Sexualität zu bekennen. Warum sollten wir also unsere eigene Sexualität tabuisieren? Für mich geht Feminismus und Pornografie Hand in Hand.«

Die ehemalige Diva hat noch einiges vor. Arthouse Vienna soll wachsen, die Schlagzahl der Dreharbeiten soll zunehmen. Simonian glaubt fest an das revolutionäre Moment der Andersartigkeit: „Das mag jetzt wahnsinnig klingen, aber vielleicht helfen alternative Pornos eines Tages, dass Frauen in Afrika nicht mehr beschnitten werden.“

Möglicherweise möchte nun der ein oder die andere an diesem großen Projekt teilhaben. Für die neuen Produktionen sucht das Unternehmen noch Darsteller.

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