Fetischmode erobert die Kunstwelt

scorpions fetish

Justin Moran schreibt für Out.com: »Im New Yorker Museum of Arts and Design befinden sich drei Performance-Künstler in engen Positionen angeordnet für 120 Minuten miteinander verbunden. Zwei sind über den Mund aneinander verschnürt. Sie können nicht reden und müssen einander direkt in die Augen sehen, während ein Dritter auf den Boden gelegt wurde und eine Maske über dem Gesicht hat. Die Museumsbesucher werden so zu Voyeuren, laufen um das Trio herum, während diese schwitzen und sich in einem sexuell aufgeladenen, queeren Körpergewirr befinden – und das zwei Stunden lang – was aufregend, aber auch anstrengend ist.

>Die fesselnde Anordnung, die von den Darstellern Jerome AB, Ash Yergens und Forrest Wu eingenommen wird, ist eine Zusammenarbeit des New Yorker Künstlers Vincent Tiley mit dem Schmuckdesigner Chris Habana. Das Künstler-Duo hat für die Scorpions genannte Performance eng zusammengearbeitet, um einen Ansatz zu finden, der BDSM mit Langzeit-Performance-Kunst zusammenführt. Habana, der zuvor bereits mit unterschiedlichen Künstlern gemeinschaftliche Projekte geschaffen hatte, hat für diese Performance eine Reihe von ausgefeilten Accessoires erstellt, die die Performance-Subjekte über ihre Münder, Arme und Handgelenke aneinander bindet.

»Ich hatte immer schon eine Faszination für Bondage- und BDSM-Themen, die sich jede Saison in meiner neuen Schmuckkollektion wiederfindet«, so Habana im Interview mit OUT. »Diesmal wollten wir traditionelle Bilder und Ideen des BDSM konterkarieren, und das betrifft natürlich auch die während des Spiels getragenen Accessoires.« Habana und Tiley fanden, dass Bondage- und Dominanz-Elemente aus dem Pferdesport ideal dazu passen, was zu einem starken Reitsport-Einfluss in dem Kunstwerk geführt hat.

Die Ringe, Arm- und Beinfesseln bestehen aus poliertem, goldenem Kupfer und weichem braunem Leder. Daneben drängt sich das Hauptstück von Scorpions ins Auge: ein überhöhter Ball Gag, der eher als eine kleine Skulptur erscheint, als ein Element subversiver Sexspiele.

Unbequem, mysteriös und subtil erotisch wirkt das Gruppenkunstwerk Scorpions als hautzeigende, modische Installation, die mehr Fragen aufwirft, als sie dem Betrachter Antworten gibt. »Die Ambiguität war das Ziel«, so Tiley zu seiner Arbeit. »Wir wollten den Körper in der Performance für den Zuschauer mehrdeutiger werden lassen. Wir wollten ein Wirrwarr aus Gelenken und Körperteilen schaffen, das eher als Teil eines einzelnen, großen Körpers erscheint, als einfach drei Individuen darzustellen.«

Doch auch, wenn Tileys künstlerische Intention unausgesprochen bleibt, führt Scorpions erfolgreich oberflächliche Ästhetik und tiefere Bedeutungen zusammen. Im Kontext eines Kunstmuseums ist die Hymne an Fetischkleidung natürlich besonders erfrischend, da hier BDSM und die Überwachung des öffentlichen Raumes eine natürliche, ungezwungene Beziehung miteinander eingehen. Das wunderschöne Kunstwerk steht für sich, könnte aber dabei helfen, eine größere Konversation über die Verbindung von Menschen untereinander anzuregen – zahlreiche Ethnien und Geschlechterrollen existieren hier in einer einzigen, ungebrochenen Form.«

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