Sexarbeiter in Not: Das Schließen von Bordellen birgt Gefahren

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Nun also heißt es überall Shutdown und Schließung, und während in den allermeisten Medien Bordelle nur unter ferner liefen erwähnt werden und die Adult Entertainment Branche kaum vorkommt, wird sich Venus Adult News in den kommenden Wochen natürlich vor allem den Schwierigkeiten und Herausforderungen widmen, vor denen unsere Branche insgesamt, aber auch Sexarbeit im Speziellen steht.

In Deutschland sind zahlreiche Bars, Stripclubs, Laufhäuser und Bordelle geschlossen worden. Auf der Reeperbahn, im Frankfurter Bahnhofsviertel, in den Szeneclubs Berlins, aber auch in den zahlreichen kleinen Bordellen und Clubs in der Provinz und in kleinen Städten gehen die Lichter aus. Für die betroffenen Sexarbeiter, Clubbetreiber und Veranstalter bedeutet dies einen schweren Schlag, denn schließlich stößt die Erotikbranche bei vielen Politikern nicht gerade auf Gegenliebe. Mit Staatshilfen ist für die Branche eher nicht zu rechnen. Was aber bedeutet das für die zahllosen Menschen, die in dieser Branche arbeiten und leben? Lediglich die Onlinepornografie kann mit Umsatzzuwächsen rechnen.

Bordelle überall in Deutschland schließen

Für den Normalbürger ist die Schließung von Bordellen eine kluge Entscheidung. Niemand denkt lange darüber nach. Defacto aber bedeutet die Schließung der Bordelle schlicht eine Verlagerung der Sexarbeit in die unüberprüfbare Illegalität. Tatsache ist: Auch in der Corona-Krise wird es Prostitution geben. Ob legal oder illegal. Manch einem Politiker wird in den kommenden Wochen also durchaus klar werden, wie wichtig Bordelle und geregelte Sexarbeit für die öffentliche Gesundheit und die Sicherheit der Prostituierten ist.

Während sich im Saarland ein Bordell einen Streit mit dem Ordnungsamt liefert und geöffnet bleiben will, handeln die meisten Bordell-Betreiber nämlich durchaus besonnen. Robert Frickinger ist Betreiber des X-Carrees, Sachsen-Anhalts größtem Bordell. Laut einem Bericht der Bild-Zeitung hat er trotz der zu erwartenden Schwierigkeiten die angeordnete Schließung herbeigesehnt.

Frickinger sagt: »Wir sind ein Ort, an dem engste soziale Kontakte geknüpft werden. Ich kann nicht verstehen, warum die Verfügung erst jetzt kommt.« Im Interview schildert er die Lage in seinem Haus. Noch bis Anfang der Woche sollen fünf Zimmer besetzt gewesen sein. Die meisten osteuropäischen Sexarbeiterinnen seien aus Angst vor der Schließung der Grenzen längst nach Bulgarien und Rumänien zurückgekehrt.

Zwar sollen die verbliebenen Frauen sehr viele Kunden gehabt haben, doch Frickinger sorgte sich um die Sicherheit der Sexarbeiterinnen. Darum macht er den Frauen in seinem Haus das Angebot, vorerst ohne Mietzahlung bleiben zu dürfen. »Wer hier bleibt, muss keine Miete zahlen. Zwei bis drei Monate überstehen wir ohne Einnahmen.«

Viele Bordellbetreiber gewähren Sexarbeiterinnen mietfreies Wohnen in den Zimmern

Auch sein Kollege in Stuttgart, John Heer, zeigt sich solidarisch mit den Mieterinnen seines Haues. Im Interview sagt er, wenn man den Frauen weiterhin Miete für die Zimmer abnimmt, wäre das gleichbedeutend damit, sie auf die Straße zu schmeißen. Auch er will also auf Mieten zunächst verzichten.

Heer kritisiert aber die Häme und mangelnde Hilfsbereitschaft von Prostitutionsgegnern. »Die ganzen Hilfsorganisationen, die sonst immer schreien ‚Zwangsprosutitution‘ – die sind hier alle nicht zugegen. Es ist niemand da, der hilft.«

Armin Lobscheid, Betreiber des Paschas in Köln gab gegenüber der WELT an, dass er als erstes Kurzarbeitergeld beantragt habe, um sein Haus irgendwie durch die Krise zu führen. Schließlich habe sein Bordell 70 Festangestellte, dazu gehören Barkeeper, Hausmeister, Büroangestellte. Auch Lobscheid will die 70-100 Sexarbeiterinnen im Pascha wohnen lassen. »Wir verlangen so lange aber keine Miete von ihnen und versorgen sie kostenlos mit Essen.«

Große Gefahr bei Corona: Illegale Sexarbeit und unkontrollierbarer Straßenstrich

Lobscheid macht sich aber keine Illusionen, was die Schließungen für den Großteil der Sexarbeiter bedeutet. Mit deutlichen Worten mahnt er: »Jetzt bekommt die illegale, billige Prostitution massiv Oberwasser – in den Ordnungsbehörden hat doch niemand Zeit, sich darum zu kümmern, was in den Wohnungsbordellen läuft.«

Es bräuchte also dringend eine Notfall-Lösung für die zahlreichen Sexarbeiter, die weiterhin Einkommen benötigen, um ihre Arbeit wirklich ruhen lassen zu können und nicht in die Illegalität gezwungen zu werden.

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