Ex-Pornostar Cicciolina geht erneut in die Politik

Cicciolina

Die italienische Regierung will der ehemaligen Pornodarstellerin Ilona Staller (Cicciolina) ihre Rente als ehemalige Abgeordnete kürzen. Nun geht die streitlustige Ex-Muse des Künstlers Jeff Koons auf die Barrikade. Kurzerhand will sie wieder für die von ihr gegründete Partei DNA aktiv werden.

Die gegenwärtige Regierung Italiens hat dem Land einen Sparkurs verordnet. Unter anderem wurden ehemaligen Abgeordneten des italienischen Parlaments die Rente gekürzt. Von etwas über 3000 Euro pro Monat auf 1000. Das ist eine drastische Einbuße, die nicht jeder einfach so still hinnimmt. Schon gar nicht eine so streitbare Frau wie Ilona Staller, besser bekannt als Cicciolina.

Die heute 68-jährige ist neben ihrer aktiven Pornokarriere, die ihren Höhepunkt in den 80er Jahren erreichte, immer auch politisch aktiv gewesen. Bereits in den späten 70er Jahren gründete sie die erste grüne Partei Italiens mit. 1985 wechselte sie in die Partito Radicale und setzte sich massiv für Menschenrechte und Pazifismus ein und wurde zu einer Fürsprecherin einer Anti-Nato-Politik. Auf dieser Plattform wurde sie 1987 ins italienische Parlament gewählt, wo sie bis 1991 vertreten war.

Sie wurde nicht wiedergewählt und verließ die Partito Radicale 1991, um mit ihrer Freundin, der Pornodarstellerin Moana Pozzi (1961-1994) die Partito dell’Amore (Partei der Liebe) zu gründen, die aber nur wenige Jahre erfolgreich war und heute eher als satirische Performance-Kunst gilt. Zu dieser Zeit war sie auch mit dem berühmten Popkünstler Jeff Koons verheiratet, der sie in unzähligen weltweit berühmt gewordenen Kunstwerken verewigte und mit dem sie einen gemeinsamen Sohn hat.

Auch nach der Scheidung von Koons 1994 und dem Ende ihrer aktiven Pornokarriere ließ Staller die Mischung aus Kunstperformance, Pornografie, Provokation und Politik nicht los. Während des Golfkriegs machte sie Saddam Hussein ein Angebot, mit ihm zu schlafen, wenn dieser dafür alle Kampfhandlungen einstellte. Ein Angebot, das sie 2006 an Osama Bin Laden wiederholte. 2002 versuchte sie in ihrem Vaterland Ungarn eine politische Karriere zu beginnen, konnte sich aber nicht durchsetzen.

2012 dann gründete Staller ihre eigene Partei, die sie »DNA« taufte – Democracy, Nature and Love. Zu den Zielen der Partei gehört die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe, die Wiedereröffnung der italienischen Bordelle und ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Italiener. Außerdem kämpft sie für Veränderungen in der von Korruption geplagten italienischen Justiz und für eine Zerschlagung der alten Eliten, die ihr Land seit Jahrzehnten am Rande des politischen Chaos halten.

Seit einigen Jahren hatte sich die einst so aktive Künstlerin zurückgezogen und lebte unter anderem von ihrer Rente als ehemalige Abgeordnete, auf die sie sehr stolz war, wie sie in mehreren Interviews betonte.

Nun also zieht Cicciolina erneut in die Schlacht, um genau diese Rente zu verteidigen. Dazu nutzt sie ihre eigene Partei und will bei den nächsten Wahlen erneut antreten, um die populistische 5-Sterne-Regierung, die für die Rentenkürzung der Abgeordneten verantwortlich ist, zu besiegen.

Im Interview mit der britischen Tageszeitung Times sagt sie: »Ich bin wütend über diese gegen die Verfassung verstoßende Kürzung. Ich werde wieder in die Politik gehen, um aufzuzeigen, dass diese Politiker die Renten von ehemaligen Abgeordneten kürzen, während sie ihre eigenen Gehälter behalten.« Mit alttestamentarischen Gerechtigkeitssinn gesegnet schließt sie wütend: »Lasst uns ihre Gehälter halbieren.«
Die als extremistisch geltende 5-Sterne-Bewegung hat sich also eine mächtige Gegnerin geschaffen.

 

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