Kippt das Prostitutionsverbot in den USA?

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Eine der aussichtsreichsten Kandidatinnen im Rennen um die Nominierung für die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten im Wahlkampf 2020 ist Kamala Harris. In einem bemerkenswerten Interview deutete die Kandidatin an, dass es für sie denkbar wäre, Sexarbeit und damit auch explizit Prostitution in den USA zu entkriminalisieren. In dem sexuell zutiefst schizophrenen Land käme das einer Revolution gleich.

In keinem Land der Welt ist Pornografie, ist die Sexualisierung des menschlichen Körpers als Produkt größer und stärker ausgeprägt als in den USA. In nur wenigen Ländern herrscht eine ähnlich restriktive Gesetzgebung bezüglich Prostitution. Bis auf in wenigen Bezirken Nevadas ist käuflicher Sex in den USA streng verboten. Dennoch aber ist das älteste Gewerbe der Welt natürlich stark vertreten – eine schwierige Situation für Sexarbeiter und ihre Kunden.

Eine der aussichtsreichsten Kandidatinnen für die Präsidentschaftskandidatur für die Demokraten hat nun in einem Interview mit The Root angedeutet, dass sie Prostitution legalisieren könnte. Eine erstaunliche Aussage, stammt sie doch von Kamala Harris, einer der demokratischen Senatorinnen, die für das desaströse SESTA/FOSTA-Gesetzgebung der Republikaner gestimmt und damit das Leben von Sexarbeitern jedweder Ausrichtung in den USA verschlechtert haben. Die angeblich gegen Menschenhandel mit Zwangsprostitutionshintergrund gerichteten Gesetze haben ein funktionierendes und Onlinesystem zerstört, das Sexarbeitern relative Sicherheit bei der Bewerbung, bei der Anbahnung und beim Verkauf von Sexdienstleistungen ermöglicht hat.

Kamala Harris hat in den letzten Monaten als aufsteigender Star in der demokratischen Partei von sich Reden gemacht. Ihr Versuch, die Kandidatur ihrer Partei gegen den amtierenden Präsidenten Donald J. Trump zu erhalten, schien schon vor Monaten festzustehen. In zahlreichen Senats-Anhörungen profilierte sie sich als spitzzüngige, eloquente und kenntnisreiche Gegnerin der Trump-Regierung. Zahlreiche Auftritte in Late-Night-Shows und telegene Interviews bereiteten ihre Kandidatur ums Amt vor. Nur wenige der zahlreichen Kandiaten der Demokraten treten so selbstsicher und aussichtsreich auf wie die moderate, insgesamt aber links verortete Harris. Nach der Verkündung ihrer Kandidatur konnte sie mit mehren Großveranstaltungen beweisen, dass sie auch tausende Neugierige in ihren Bann ziehen kann.

Das Interview mit The Root wurde sofort von zahlreichen Medienvertretern bemerkt. Der Versuch, Prostitution zu entkriminalisieren, wäre mit Harris zum ersten Mal überhaupt Teil eines Wahlprogramms eines ernstzunehmenden Präsidentschaftskandidaten. Zahlreiche Kommentatoren weisen jedoch auch auf das hin, was Harris in dem Interview nicht gesagt hat, denn diese Leerstellen könnten entscheidend sein. Schließlich äußerte sich Kamala Harris nicht dazu, in welcher Form sie für eine Entkriminalisierung eintreten würde, eine völlige Legalisierung von Prostitution? Eine Entkriminalisierung der Anbieter, aber eine Bestrafung der Freier nach norwegischem Modell? Eine staatlich kontrollierte Freigabe? Eine Legalisierung von individueller Sexarbeit, aber ein Verbot für Bordelle und Vermittler? Bisher steht das Interview im Widerspruch zu ihrer Zustimmung zu SESTA/FOSTA.

Im Wortlaut sagte die mögliche Kandidatin für das höchste Amt der USA bei den Wahlen 2020: »Ich glaube, dass wir verstehen müssen, dass es nicht einfach um Entkriminalisierung gehen kann … Es gibt ein ganzes Ökosystem um diese Tätigkeit, die kriminelles Verhalten miteinschließt, bei dem Menschen verletzt werden. Und im Hinblick darauf muss ich sagen, dass ich glaube, dass niemand, der von der Ausbeutung oder Verletzung anderer profitiert von einer strafrechtlichen Verfolgung befreit sein sollte.«

Dies könnte man als klare Positionierung gegen organisierte Prostitution lesen, jedwede Dienstleister, Vermieter, Etablissements und Marketingpartner könnten weiterhin im kriminellen Bereich verortet werden.

Andererseits sagt Harris so klar wie kein anderer Kandidat ums Präsidentenamt der USA vor ihr: »Wenn wir über zwei einvernehmlich agierende Erwachsene sprechen? Ja, dann sollten wir wirklich in Erwägung ziehen, dass wir beidseitiges einvernehmliches Verhalten nicht kriminalisieren, solange dabei niemand verletzt wird.«

Folgt also auf den reaktionärsten, rückwärtsgewandsten Präsidenten der jüngeren US-Geschichte eine progressive, liberale Demokratin, die auch für die Erotik- und Sexbranche einen frischen Wind bedeuten würde? Zunächst einmal muss Kamala Harris die Nominierung ihrer Partei gewinnen. Dann sehen wir weiter.

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