Nach Zensurversuch: Indiens Internetriese Jio verliert Nutzer

jio india
Der drittgrößte indische Internetprovider muss Wachstumseinbruch verkraften. Der Rückkang der Wachstumsrate des 2016 an den Start gegangenen Dienstleisters Reliance Jio hängt unmittelbar mit der von der indischen Regierung verhängten Sperrung von über 800 pornografischen Onlineangeboten zusammen. Zwar ist die Blockade spielend leicht zu umgehen, doch die Kunden strafen den Provider offenbar für seinen übereifrigen Gehorsam ab.
Bisher war die Geschichte des indischen Internetproviders Reliance Jio eine Erfolgsstory. Der erst 2016 an den Start gegangene Provider konnte mit kostengünstigen Datenpaketen bei seinen Kunden punkten. Endlich waren Streaming von großen Datenmengen für einen Großteil der Nutzer im indischen Markt möglich geworden. Dementsprechend wuchs der Konzern in kürzester Zeit zum drittgrößten Anbieter des Milliardenvolks an.
Da mit dem kostengünstigen Zugang zu Streamingangeboten auch Pornos in Indien leichter zugänglich wurden, basierte ein Großteil des Erfolgs auf dem Hunger der Inder nach pornografischen Inhalten. Mit einem Beschluss des obersten indischen Gerichts aber wurde im letzten Quartal 2018 eine Sperrung von weit über 800 Webseiten angeordnet. Welche Webseiten betroffen waren, wurde nur den Providern mitgeteilt und nicht öffentlich gemacht. Es wurde aber rasch deutlich, dass die populären Tubeseiten wie Pornhub, YouPorn, xHamster und andere bekannte Anbieter dazu gehörten. Mit der Sperrung der Seiten brach zunächst der Traffic bei zahlreichen Angeboten ein. Not aber macht erfinderisch und in dem Fall des indischen Porno-Blocks brauchte es für die Umgehung nicht einmal viel Fantasie. Schon die Registrierung einer neuen Domain ermöglichte es den Anbietern ihre Angebote den indischen Nutzern wieder zugänglich zu machen. Auf User-Seite genügte der Einsatz eines VPN-Anbieters, um die entsprechenden Angebote wieder aufzurufen.
Jios übereifrige Sperrung von VPN-Diensten 
Die ganze Aktion vonseiten der Regierung war also eigentlich ein zahnloser Tiger. Dennoch wurde Reliance Jio abgestraft. Denn der Konzern befolgte nicht nur die Anweisung des Gerichts, sondern ging einen Schritt weiter. Der Internetprovider blockierte kurzerhand und ohne Ankündigung auch VPN-Anbieter und andere Proxy-Netzwerke. Die Aktion kostet Jio Kunden. Nicht nur nimmt der durchschnittliche Traffic pro Nutzer bei dem Konzern ab, auch die Zahl der Neukunden brach in den letzten Monaten des Jahres ein. Im dritten Quartal konnte das Unternehmen noch 37 Millionen Neukunden gewinnen, im vom Porno-Ban betroffenen vierten Quartal ging die Zahl der Neuanmeldungen auf 27,8 Millionen zurück.
Wie inkompetent die Sperrung durchgeführt wurde, zeigt sich auch an Berichten der Hindustan Times, nach denen der Konsum von Onlinepornografie bei allen Providern im letzten Quartal insgesamt in Indien weiter zugenommen hat. Seiten, die nicht von dem Ban betroffen sind, verzeichnen immense Zuwächse. Laut einer statistischen Untersuchung kam es bei 441 nicht gesperrten Seiten zu einer Verdopplung des Traffics. Von den insgesamt 827 gesperrten Seiten, waren 345 weiterhin aufrufbar, indem man vor Eingabe der Adresse nicht http, sondern https eingab.
Bisher ist unklar, inwiefern die indische Regierung auf die simplen Umgehungsmöglichkeiten und generelle Wirkungslosigkeit des Zensurversuchs reagieren wird.

 

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