Hightech-Messe CES dieses Jahr Schaulaufen für smarte Sextoys

CES 2020
Bild: D. Takahashi

Nachdem die Consumer Electronics Show letztes Jahr heftig für ihren prüden und rückschrittlichen Umgang mit Sex- und Fem-Tech kritisiert wurde, zeigt sich die Messe dieses Jahr von einer ganz anderen Seite: Smarte Sextoys sind die geheimen Stars der diesjährigen Ausgabe.

Neben den neusten Handys, Fernsehschirmen und VR-Spielekonsolen finden sich dieses Jahr auch bemerkenswert viele smarte Sextoys, die jahrelang eher lustlos und verschämt ausgestellt werden konnten. Zu verdanken ist die Umkehr der Tech-Messe und die offene Hinwendung zu den Entwicklungen in der Digitalisierung der menschlichen Sexualität zu einem nicht geringen Anteil einem PR-Gau um das hippe Sextoy-Startup Lora DiCarlo.

Diesem wurde letztes Jahr zunächst ein Award für mehrere technische Innovationen zugesprochen, dann aufgrund fadenscheiniger Begründungen wieder aberkannt, nur um schließlich nach weltweiten Protesten doch an das Unternehmen verliehen zu werden. Lora DiCarlo hatte sich gegen die ungerechte Behandlung massiv gewehrt und die sexfeindliche und misogyne Haltung der Tech-Messe entlarvt. Unabsichtlich hat die Messe unter Umständen so nicht nur eine Vorzeige-Unternehmerin für Women in Sex Tech, sondern möglicherweise eine Sextoy-Marke von Weltrang geschaffen.

Jedenfalls sorgte der Vorfall für Einsicht bei den Messe-Oberen, die dieses Jahr smarte Sextoys im großen Stil auf der Messe zuließen – wenn auch mit einem umfangreichen Regelwerk und bestimmten Werbe- und Verhaltensregeln für das Standpersonal. So dürfen nach wie vor keine Sexroboter ausgestellt und auch keine anatomisch korrekten Toys vorgeführt werden.

Dennoch führte die Lockerung und Öffnung für Sex-Tech zu einem Schaulaufen von Startups wie Dame und etablierten Branchengrößen wie dem deutschen Sextoy-Hersteller Satisfyer. Die Technologien, die bei den Herstellern zum Einsatz kommen, sind bekanntermaßen teilweise wirklich fortschrittlich – schon immer galten Erotikunternehmen in der Herstellung, im Handel wie auch im Adult Entertainment als Early Adpoters und Technologietreiber. Endlich stellt sich die Messe dieser Tatsache.

Dies sieht man unter anderem auch an den Kooperationen zwischen Sextoy-Herstellern und anderen Tech-Unternehmen. So ist Dame Products auch am Stand von Formlabs vertreten, einem Hersteller von 3D-Druckern. Das Sextoy-Startup hat einen Formlabs-Drucker für die Produktentwicklung und zur Herstellung von Prototypen genutzt – ein Vorgang der zuvor Unsummen kostete. Durch die günstige Modellentwicklung können zahlreiche Formen und Erkenntnisse ausprobiert werden.

 

Auch Crave hat sich auf die CES begeben und nutzt die neue Offenheit der Messe, um Sextoys als Unterhaltungselektronik und Alltags-Accessoire in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Dazu präsentiert das Startup einen Vibrator, der auch als Halsschmuck getragen werden kann sowie einen als Ring geformten Vibrator aus Gold. Ti Chang ist Mitgründerin von Crave und sagt zu ihren Produkten: »Sie sind Schmuck. Kunden tragen sie an Orten, wo sie mit ihren Partnern oder Freunden ins Gespräch kommen. Die Lust der Frau wurde viel zu lange stigmatisiert.«

Lora DiCarlo, gehypt und umworben, flaggt dieses Jahr erneut auf der CES, diesmal mit zwei neuen Produkten im Gepäck. Der Andrang nach dem letztjährigen Skandal freut die Gründerin Laura Haddock natürlich. Neben dem Interesse eines internationalen Publikums dürften auch die mehr als überzeugenden Zahlen des Startups zur guten Laune der Unternehmerin beitragen. Allein die Vorbestellungen für den Osé haben 2019 über 3 Millionen Dollar Umsatz erzielt. Mehr als 10.000 der Geräte wurden allein im vergangenen Dezember verkauft – noch immer im Vorverkauf.

Eine Vertreterin des Unternehmens sagte am Stand: »Wir sind besonders begeistert darüber, weiter die öffentliche Debatte mitzugestalten und [Selbstbefriedigung] in den Mainstream zu bringen. Sexualität ist nichts, wofür man sich schämen muss. Sie ist Teil unserer körperlichen Gesundheit und unseres Wohlbefindens.«

Nutzer können zwischen verschiedenen Einstellungen wählen und auch ihren Partnern die Steuerung per Fernbedienung überlassen. So kann der Pulsrhythmus des Gerätes gesteuert werden. Die Voreinstellungen tragen Namen wie Big Fun, Spark, Good Fun, Hammer, Rumble und Wave, aber auch eigene Vibrationsmuster oder das Reagieren auf die eigene Stimme oder selbst ausgewählten Songs ist möglich.

Die Öffnung der CES für smarte Sextoys belebt auch das Medieninteresse an der einstigen Vorreiter-Messe wieder. In zahlreichen Berichten zur diesjährigen Ausgabe stehen die Sextoy-Hersteller im Zentrum der Aufmerksamkeit. Ein klares Plus für alle Beteiligten.

Hier finden Sie weitere Informationen zu Dame, Lora Di Carlo, Satisfyer und zur CES.

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