Zensur und Altersverifikation auch in Australien und Neuseeland?

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Nachdem das Projekt einer gesetzlich verpflichtenden Altersverifikation in Großbritannien vorläufig auf Eis gelegt wurde und in den Wirren des Brexits ein neuer Anlauf kaum zu erwarten ist, überlegen nun auch Australien und Neuseeland gegen Onlinepornografie vorzugehen. Ausgerechnet die Briten dienen dabei als Vorbild.

Weltweit nehmen die Bestrebungen unterschiedlicher Regierungen zu, Onlinepornografie einzudämmen. Bisweilen geschieht dies als Vorwand, um Meinungsfreiheit einzuschränken, in anderen Fällen aus religiösen Motiven. Vielfach aber steht es im Zusammenhang mit einem populistischen Rechtsruck, neu auflammender Prüderie und Sexfeindlichkeit. Als Deckmantel dienen dabei wahlweise Überlegungen zum Jugendschutz, Maßnahmen gegen Menschenhandel oder Sorgen um die öffentliche Gesundheit.

Die Liste an Staaten, die Webseiten blockieren, gegen Seitenbetreiber vorgehen und Sexarbeitern das Leben erschweren, wird immer länger. Nun reihen sich auch Australien und Neuseeland in diese Liste ein.

Trotz der katastrophal misslungenen Einführung der Altersverifikation in Großbritannien überlegen beide Staaten, ähnliche Konzepte in Gesetze zu gießen.

Australien prüft britisches System zur Altersverifikation

Das House of Representatives in Australien hat eigens eine Kommission eingerichtet, die sich mit dem Thema Altersverifikation und eine Implementierung eines solchen Systems in Australien beschäftigen soll. Dabei soll auch untersucht werden, inwiefern das von Wettspiel- und Casinobetreibern genutzte Verifikationsmodell auf die Erotik- und Pornobranche angewendet werden kann.

Immerhin scheint man sich in Australien durchaus bewusst, wie unzureichend das Vorhaben in Großbritannien geplant wurde. Daher soll die Kommission auch der Frage nach »ungewollten Konsequenzen« einer verpflichtenden Altersverifikation nachgehen. Dazu gehören natürlich Fragen des Datenschutzes und der Meinungsfreiheit. Ein zu eng gestricktes Gesetz könnte einen Teil der Branche und damit viele Kunden und Bürger des Landes in die Illegalität treiben.

Auch Neuseeland beschäftigt sich mit dem Thema und stößt dabei auf die grundsätzliche Schwierigkeit, noch einmal genau erfassen zu müssen, was überhaupt Pornografie ist. Schließlich gibt es zahlreiche Fetische und Präferenzen, die mit traditionellen Vorstellungen von Pornografie nichts zu tun haben, dennoch aber nicht jugendfrei sein dürfen.

Pornolawine in Neuseeland?

Das Land hat ein eigenes Ministerium für Kinder. An der Spitze steht Tracey Martin, die sich um die Kinder und Jugendlichen Neuseelands große Sorgen macht. Angeblich werden die Kinder mit einer »Lawine von Pornografie bombardiert«. Daher gibt es sogar sehr weit gehende Überlegungen bis hin zu einem vollständigen Verbot von Pornografie.

Anders als viele westliche Staaten verfügt das scheinbar so fortschrittliche Land seit dem 19. Jahrhundert über eine staatliche Zensurbehörde, die auch dafür zuständig ist, explizite Inhalte in Printmedien, Filmen und Fernsehen zu zensieren.

Das Internet aber wurde von der Behörde bisher nicht zensiert. Es wäre ohnehin ein schwer umzusetzendes Unterfangen und nur mit Seitensperrungen möglich. Was aber macht man dann mit Suchmaschinen wie der Google-Bildersuche?

Allmachtsfantasien in neuseeländischer Zensurbehörde

Der Leiter der Zensurbehörde Neuseelands ist David Shanks. Insgesamt arbeiten 15 Mitarbeiter als staatliche Zensoren. Allein die Mitarbeiterzahl dürfte die Aussichtslosigkeit eines fairen und sachgemäßen Zensurvorhabens vor Augen führen.

Shanks sagt daher resigniert: »Unsere Regeln wurden für eine Medienwelt geschaffen, die sich von der heutigen vollkommen unterscheidet. Das muss sich ändern.«

Bisher kann die Behörde nur Berichte über die Onlineaktivitäten der eigenen Mitbürger erstellen und anders als in der analogen Welt nicht aktiv zensieren. In einem Bericht stellt die Behörde fest, dass 71% der Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren, die Pornos gesehen haben, mit dem Gesehenen Probleme haben.

So ganz wohl scheint sich Shanks nicht zu fühlen mit seiner Rolle. So sagt er freimütig: »Ich bin der Chief Censor. Stellen Sie sich vor, ich hätte einen Knopf, einen großen roten Knopf. Wenn ich den drücken würde, könnte niemand im Land mehr Pornografie konsumieren. Sollte ich den drücken?«

Offenbar scheint er diese Option nicht für wahrscheinlich zu halten. Trotz der mahnenden Worte der Ministerin. Diese will sich nun wie die Kollegen in Australien ausführlich mit dem britischen Altersverifikationssystem beschäftigen.

 

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