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Vor Brexit: Illegale Abschiebungen von EU-Sexarbeitern

Brexit EU-Sexarbeitern

In Großbritannien mehren sich Berichte rassistischer und diskriminierender Übergriffe gegen europäische Sexarbeiter. Bisweilen komme es zu nach EU-Recht illegalen Abschiebungen.

Die meisten Europäer dürften inzwischen nur noch genervt sein vom Brexit-Zirkus der tief zerstrittenen Briten. Zwar sind die Übertragungen aus dem House of Commons zum einen wegen der recht lebhaften Streitkultur und zum anderen auch aufgrund des charismatischen Speakers John Bercow durchaus amüsant und sehenswert, doch die unentschlossene Art des EU-Austritts  strapaziert die Nerven von Unternehmen, Privatpersonen und Politikern überall in der EU.

Die seit Jahrzehnten mit Sonderstatus in der EU weilenden Briten gehen momentan offenbar sogar so weit, EU-Recht noch vor dem eigentlichen Austritt aus dem Staatenverbund zu brechen. Laut Berichten der allerdings nicht immer verlässlichen Zeitung »The Independent« werden derzeit vermehrt Sexarbeiter aus der EU von britischen Behörden festgenommen, diskriminiert und teilweise rechtswidrig festgehalten und deportiert. Auch nehme die Zahl rechtsextremer Übergriffe gegen EU-Bürger auf der Insel zu.

ECP erhebt schwere Vorwürfe gegen Großbritannien

Der Interessenverband britischer Sexarbeiter, das English Collective of Prostitutes (ECP), hat ein Dossier veröffentlicht, in dem zahlreiche Fälle von Frauen geschildert werden, die von der britischen Polizei verhaftet und deportiert wurden, obwohl sie ein eindeutiges Aufenthaltsrecht genossen. Sollte dies stimmen, verhält sich das Vereinigte Königreich rechtswidrig.

Eine Sprecherin der ECP sagte dazu: »Seit der Brexit-Abstimmung haben rassistische Übergriffe auf Sexarbeiter mit Migrationshintergrund zugenommen, insbesondere gegen jene, die auf der Straße arbeiten. Wir arbeiten für unseren Lebensunterhalt, so wie andere Arbeiter auch, und unsere Familien und manchmal ganze Gemeinschaften hängen von unserem Einkommen ab.«

Fremdenhass & Vorurteile machen ausländische Sexarbeiterinnen zu Freiwild

Die Organisation behauptet, die britischen Behörden haben Sexarbeiter als leichte Opfer ausgemacht, da der Berufsstand in Großbritannien nicht offiziell anerkannt wird, weshalb es vielfach keine üblichen Dokumente gibt. Um sich in Großbritannien dauerhaft aufhalten zu dürfen, muss man ein geregeltes Einkommen nachweisen, was Sexarbeitern aufgrund der Rechtslage nicht möglich ist. Diese rechtliche Lücke wird, so das ECP, massenhaft ausgenutzt, um gegen EU-Bürger vorzugehen. Da Prostitution im Vereinigten Königreich aber nicht verboten ist, verstößt das Vorgehen eindeutig gegen EU-Recht.

Niki Adams gehört zur ECP. Sie sagt: »Sexarbeiter mit Migrationshintergrund aus EU-Ländern wie Albanien, Polen und Rumänien haben das Recht in Großbritannien zu arbeiten, aber sie werden festgenommen und deportiert. Die Polizei konfisziert Reisedokumente und Pässe und sagt: ‚Die kriegt ihr nur zurück, wenn ihr ein Ticket nach Rumänien vorweist‘.«

Britische Polizei verweigert angeblich Hilfe bei Gefahr

Laut ECP wird Sexarbeitern sogar die Hilfe durch die Polizei verwehrt. »Es macht uns große Sorge, dass wir gehört haben, dass einige Sexarbeiter auf der Straße von sehr brutalen Gangstern bedroht wurden und ein Polizist dazu sagte: ‚Geben Sie zu, dass Sie eine Prostituierte sind? Wenn das so ist, nehme ich sie fest.’«

Die britische Polizei beruft sich darauf, dass die ECP Fälle anführt, bei denen es sich um wiederholt auffällig gewordene Täter und Täterinnen handele. Einige seien bereits mehrfach vorbestraft.

Das Dossier der ECP heißt »Sex workers are getting screwed by Brexit«. Es enthält 20 Einzelfälle von Frauen, die behaupten systematisch von Behörden verfolgt worden zu sein. Der Verband schreibt: »Großbritannien sollte sich schämen. Sexarbeiter mit Migrationshintergrund müssen die Freiheit haben, Vorfälle von Gewalt und Misshandlung bei den Behörden anzuzeigen, ohne Angst haben zu müssen, abgeschoben zu werden.« Zahlreiche Freier seien sich der Situation bewusst und nutzten die Lage schamlos aus.

Behörden wiegeln ab: Vorgehen sei rechtskonform

Die britischen Behörden schalten auf stur und streiten eine systematische Diskriminierung ab: »Wir schieben nur jene ab, die keinerlei Recht haben, in Großbritannien zu bleiben, dazu gehören ausländische Straftäter. Wir haben keinerlei Pläne, die Prostitutionsgesetze zu verändern, aber wir setzen alles daran, die Schäden und den Missbrauch, der mit Sexarbeit einhergeht, zu bekämpfen.«

 

 

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