Blamage: CES verleiht Award für Sextoy und zieht ihn sofort zurück

Lora Dicarlo's sex toy

Die selbsternannte Bühne für Innovation, die Consumer Electronics Show in Las Vegas, verleiht Jahr für Jahr mehrere Auszeichnungen an Hersteller aus unterschiedlichen Branchen. Dieses Jahr sollte das Sextoy-Startup Lora DiCarlo für den Stimulator Osé in der Sparte Robotik & Drohnen ausgezeichnet werden. Kurz vor der Verleihung entschied die Consumer Technology Association den Preis abzuerkennen, da Sextoys unmoralisch seien. Peinlich: Sextoys für Männer wurden in der Vergangenheit ausgezeichnet.

Das Sextoy-Startup Lora DiCarlo wurde 2017 von Lora Haddock gegründet. Das Unternehmen hält acht Patente, die beim Osé Personal Massager zum Einsatz kommen. Das Gerät verwöhnt Klitoris und G-Punkt, funktioniert freihändig und simuliert zugleich die Berührungen durch Mund, Zunge und Finger. Laut Darstellung von Lora DiCarlo ist das Gerät außerdem leise und arbeitet ohne ständige, »irritierende Vibrationen«.

Von der außergewöhnlichen Qualität des Spielzeugs waren allem Anschein nach auch die Juroren der alljährlich durch die Consumer Technology Association (CTA) verliehenen Preise für technische Innovationen überzeugt. Ende letzten Jahres erhielt das Team um Haddock die Nachricht, dass sie bei der diesjährigen CES, dem einstigen Mekka technischer Innovationen, einen Preis in der Kategorie Robotik und Drohnen erhalten. Nur kurze Zeit später folgte ein weiterer Brief der vom 8. bis zum 11. Januar stattfindenden Technikmesse. Der Award würde zurückgezogen, da »Wettbewerbsbeiträge, die von der CTA als unmoralisch, obszön, anstößig, vulgär oder nicht mit dem Image der CTA übereinstimmen nach eigenem Ermessen der CTA disqualifiziert werden«.

Verwunderung über faktisch falsche Begründung für die Aberkennung

Die Begründung ist einigermaßen überraschend. Schließlich sind Sextoys auf der Messe keineswegs verboten. Es gibt Stände, an denen man mit VR-Brillen Pornos anschauen kann und auch Sexroboter werden ausgestellt – und das, obwohl es keine Altersbeschränkung für den Eintritt zur Messe gibt. Bis 2012 gab es sogar eine räumliche und zeitliche Überschneidung mit der alljährlichen AVN Adult Entertainment Expo.

Die Sextech-Unternehmerin hat nun einen offenen Brief zu dem Vorgang veröffentlicht: »Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass auf der CES 2018 Sexpuppen für Männer präsentiert wurden und ein VR-Unternehmen jedes Jahr dort Pornos zeigt. Die CTA hat also ganz offensichtlich keine Probleme damit, männliche Sexualität und Lust offen und explizit auszustellen. Auf der CES wurden schon mehrfache Sextoys vorgestellt und haben Preise gewonnen, offenbar aber ist an Osé etwas anders, etwas Bedrohliches, es ist ein Produkt von Frauen zur selbstbestimmten Befreiung von Frauen.« 

Die CTA macht zu dem peinlichen Vorgang keine weiteren Angaben. Buzzfeed hat versucht eine Stellungnahme zu erhalten, bekam aber nur die schmallippige Aufrechterhaltung der bisherigen Begründung aufgetischt: »Es ist ein Produkt für Erwachsene und daher nicht qualifiziert.« Dass dies nicht stimmt, lässt sich an den vergangenen Auszeichnungen ablesen. 2016 erhielt der Little Bird eine Auszeichnung, dabei handelte es sich um einen intelligenten Vibrator, der auf die Handlung in erotischen E-Books reagiert.

FSC hält die Entscheidung des CTA für ungeheuerlich, betont Bedeutung der Sexbranche für technische Innovationen

Die Free Speech Coalition hat bereits eine Erklärung abgegeben, da der Branchenverband glaubt, dass die Entscheidung der CTA ein Symptom für ein umfassenderes Problem mit Sexismus darstellen und Anzeichen einer neuem Welle der Stigmatisierung von sexueller Gesundheit und Wohlbefinden sein könnte.  Der geschäftsführende Direktor der FSC, Eric Paul Leue, sagt dazu: »Die Vorurteile der CES gegen sexuelle Gesundheit sind nicht nur unfair und stigmatisierend, sie sind auch kulturell rückständig. Die Sexbranche hat dazu beigetragen, viele der Innovationen voranzutreiben, die heute den Technikbereich voranbringen, und die Sexspielzeugbranche erlebt einen Boom an Innovationen, die oft von Frauen und schwulen Menschen angeführt werden. Das Verbot der CES für die meisten Unternehmen der Erotikbranche begann vor einigen Jahren, und mit jedem Jahr wurde deutlicher, wie kurzsichtig diese Entscheidung war. Ihre fortwährende Angst vor Sex und Sexualität wird sie in die Irrelevanz führen.«

Hier finden Sie die Webseite der CES und hier die Webseite des Startups Lora DiCarlo. Eine Stellungnahme von Lora DiCarlo finden Sie hier.

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