Diskriminierung? Samsung zensiert Sextoys für Frauen

lioness samsung

Nach dem blamablen PR-Debakel der diesjährigen CES scheint sich auch der Samsung-Konzern nach einem Shitstorm zu sehnen. Der Konzern warf einen Aussteller von smarten Vibratoren aus einer laufenden Messe namens SF Women in Tech. Mit Lioness wird erneut ein Unternehmen der Sex Tech Branche für Frauen diskriminiert, nachdem es zuvor offiziell zugelassen worden war.

Das Getöse um das peinliche Hin und Her auf der diesjährigen Elektronikmesse CES ist noch nicht lang verklungen, und schon trifft der Zensurhammer erneut ein Sextoy-Unternehmen, das eigentlich mit technologischen Innovationen aufwartet, um die sexuelle Gesundheit von Frauen zu verbessern.

Keinerlei Lehren aus dem Lora DiCarlo-Debakel? 

Bekanntermaßen wurde dem Startup Lora DiCarlo auf der CES 2019 zunächst ein Award für außergewöhnliche Innovationskraft zugesprochen, dann vor der Verleihung aberkannt und schließlich reumütig mit Entschuldigung im Nachhinein doch wieder zugesprochen. Grund für das Heckmeck waren moralische Bedenken innerhalb des Ausschusses der CTA, der für die Preisverleihung zuständigen Betreibergesellschaft der Consumer Electronics Show.

Nach einem beispiellosen Shitstorm, mit dem Lora DiCarlo recht klug für sein neues Produkt Werbung trieb, hätte Technologie-Konzernen die Sensibilität der Sache durchaus klar sein dürfen. Dennoch scheint sich das Debakel bei der SF Women in Tech wiederholt zu haben.

Hersteller wird nach Standaufbau rausgeschmissen

Für den von Samsung ausgerichteten Kongress für Tech-Unternehmen mit smarten Apps und Geräten, die mit mobilen Geräten kommunizieren können, war das Unternehmen Lioness im Vorfeld ohne Probleme für einen Stand akkreditiert worden.

Lioness wollte bei der Veranstaltung seinen innovativen Vibrator vorstellen, der während der Benutzung über Sensoren ein sogenanntes Biofeedback sendet, aus dem eine visuelle Aufbereitung der Orgasmen der Benutzerin erstellt werden kann.

Kurz nach Aufbau und vor Beginn der Veranstaltung wurde Liz Klinger, der Mitgründerin des auf smarte Vibratoren spezialisierten Unternehmens mitgeteilt, dass sie ihren Stand abbauen und ihre Produkte wieder einpacken soll.

In einem Interview sagte Klinger: »In gewisser Weise war das überraschend, aber im Grunde war das durchaus zu erwarten, wenn man die Diskussion in großen Unternehmen in Bezug auf Sexualität verfolgt.

Samsung-Event über Femtech agiert frauenfeindlich

Als wäre das ganze nicht peinlich genug, war die Veranstaltung obendrein mit einem Fokus auf »Fem-Tech« gedacht. Ausgerechnet in diesem Zusammenhang ein Unternehmen auszuschließen, das für weibliche Sexualität und sexuelle Gesundheit steht, ist an Absurdität kaum zu überbieten.

Auch die Kommunikation vonseiten Samsungs sorgt für Kopfschütteln. Ohne Angabe von Gründen wurde Klinger angewiesen, ihren Stand abzubauen. »Jemand in den oberen Etagen« der Samsung-Gruppe hatte etwas gegen die Produkte des Unternehmens. Einen weiteren Ansprechpartner bekam die perplexe Unternehmerin bis zum Ende der Veranstaltung nicht zu Gesicht.

Verantwortliche verstecken sich

Klinger erzählt: »Ich wollte wissen, wer es war, der nein gesagt hat. Ich wollte die Begründung erfahren, denn vielleicht war es ja ein relevanter Grund. Ich fühlte mich ziemlich machtlos, weil irgendeine im Schatten bleibende Figur den Stecker zog. Es ist, als hätte jemand etwas zu verbergen, und es fühlte sich nicht richtig an.«

Am Schluss ließ sich ein Samsung-Vertreter zu der beleidigenden Bemerkung herab, dass Lioness-Produkte sich »nicht um die Gesundheit von Frauen drehen – überhaupt nicht.«

Das brachte bei Klinger das Fass zum Überlaufen: »Ich sollte nicht erklären müssen, weshalb sexuelle Gesundheit mit der Gesundheit von Frauen verbunden ist. Aber abgesehen davon, erbringen wir umfangreiche Forschungsleistungen auf dem Gebiet von sexueller Funktion und Sexualität und wir nutzen eine Menge Daten auf neue Weise, wodurch neue Wege entstehen, um zu verstehen, wie Lust und Gesundheit miteinander zusammenhängen.«

Diskriminerung von weiblichem Sex Tech

Nach Lora DiCarlos Streit mit der CES und Dame Incs Prozess gegen die New Yorker U-Bahn, die dem Unternehmen verwehrt, eine ebenfalls bereits zugelassene Kampagne in den U-Bahnhöfen New Yorks zu schalten, wird 2019 nun ein dritter Hersteller von Sexspielzeug für Frauen diskriminiert.

Die Ungewissheit für Unternehmen in der Erotikbranche nimmt zu, insbesondere im anglo-amerikanischen Raum, der sich aus der Riege der Staaten zu verabschieden scheint, in denen Prinzipien von Rechtsstaatlichkeit und Gleichbehandlung vor moralischen Befindlichkeiten stehen. Verträge im großen wie im kleinen scheinen nichts wert, Unternehmen werden online wie offline aus willkürlichen Gründen von der Teilhabe am Marktgeschehen ausgeschlossen oder behindert. Eine Erosion mühsam erkämpfter Grundrechte spielt sich im rasenden Tempo auf der Weltbühne ab.

Samsung-Konzern hat keinerlei Interesse für Frauen

Klinger hofft immer noch, dass Samsung umsteuert und erkennt, dass es sich gegen einen Großteil der eigenen Kunden positioniert und ausnehmend unprofessionell agiert. Sie sagt: »Idealerweise wäre es so, dass Unternehmen darüber nachdenken, welche Rolle sexuelle Gesundheit und Wohlbefinden im Leben ihrer Kunden einnehmen. Sex ist keine dunkle Angelegenheit, die man irgendwo versteckt ausleben muss. Immer mehr Menschen ist das klar – das zeigen auch die Fälle von Lora DiCarlo und Dame Products – aber trotz der Nachrichtenlage glaube ich nicht, dass sich die Dinge auf breiter Fläche verändert haben. Meine Hoffnung ist, dass je mehr Beispiele ans Licht kommen, dass einige dieser Unternehmen beginnen umzudenken und etwas daran zu ändern.«

Auf eine Entschuldigung für ihre vergebliche Anreise wartet die Unternehmerin immer noch vergebens.

Den Auftritt von Lioness finden Sie hier. (Samsung finden Sie sicher auch so.)

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