Interviews & Porträts von der VENUS Berlin #09: LELO

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Einer der wohl erfolgreichsten Hersteller im Sexspielzeugmarkt ist das schwedische Unternehmen LELO. Bei der VENUS 2017 präsentierte die design-bewusste Firma die Weiterentwicklung des SONA, einen Auflegevibrator für Frauen. Für die VENUS Berlin 2018 hat LELO seinen Auftritt vollkommen überarbeitet. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand diesmal der Beitrag der Schweden zum künftigen Langzeittrend der Branche: neue, smarte Sextoys für Männer. Auch dieses Jahr konnten wir LELOs Svenja Schön für ein Interview im Messetrubel gewinnen.

Bei LELO hat man für die VENUS Berlin 2018 ein vollkommen neues Standkonzept entwickelt. Hier lädt alles zu Spiel und Spaß ein. Im Zentrum steht ein großes Formel-1-Rennauto, in das man einsteigen und in dem man an der Leinwand ein Computer-Rennspiel zocken kann. Ein paar Meter weiter werden zwischen schick verpackten Kondompackungen Ringe geworfen. Gewinner erhalten die nicht gerade günstigen ultradünnen Kondome der LELO-Marke HEX. Auf der Rückseite des Stands sind Hocker aufgestellt, ein kleines Kino präsentiert einen Werbefilm für einen neuen Stroker, der dieser Tage auf den Markt kommt.

Der LELO-Masturbator ist auch der eigentliche Grund für den publikumsfreundlichen, vielseitigen Stand. Erstmals dringt der Premiumhersteller mit Macht auf den Markt für Männertoys. Dafür, so glaubt das Unternehmen, braucht es eine neue Zielgruppenansprache.

In unserem zweiteiligen Gespräch sprachen wir zunächst mit Svenja Schön, die uns den neuen Standaufbau erklärt und Grundlegendes über die beiden Geschäftsbereiche Kondome (HEX) und Männertoys (F1S) verraten hat. Im zweiten Teil des Interviews sprachen wir mit dem Chefentwickler des Masturbators F1S. Der Ingenieur hat mit seinem Team drei Jahre lang an dem neuartigen Masturbator gearbeitet, mit dem LELO den High-End-Markt für Männertoys aufrollen will.

lelo venus berlin

Neue Produkte, neue Kunden, neue Bildsprache

VENUS: Dieses Jahr habt ihr euch für ein stark verändertes Standkonzept entschieden. Können Sie uns eine kurze Einführung geben? Warum der Switch vom ruhigen, auf Design und Gespräche am Stand setzenden Standaufbau hin zum Abenteuerpark mit Gaming-Elementen?

Svenja Schön: Der Grund für den Wandel ist, dass wir auf der VENUS ein ganz neues Toy vorstellen, einen Masturbator für Männer. Und da Männer nun mal gerne spielen und sich unter anderem auch gerne messen, haben wir jetzt eben diesen Rennwagen, einen Fahrsimulator am Stand. Außerdem das Ringe-Werf-Spiel. Darum geht es in erster Linie.

VENUS: Es sind regelmäßig Menschentrauben am Stand. Das Konzept wird also angenommen. Funktioniert es für euch?

Svenja Schön: Richtig gut. Es gibt viele Männer, die hier fahren wollen. Das liegt aber auch daran, dass wir den Rennspiel-Bereich so gestaltet haben, dass man dort einfach Spaß hat. Da wird niemand eine Produkt-Tour aufgezwängt, man kann einfach spielen.  Einsteigen, losfahren, Spaß haben.

Durch eine innovative Hexagon-Struktur bietet LELO besonders dünne Kondome an

VENUS: Bei dem Ringe-Werf-Spiel geht es um einen anderen Bereich von LELO. Was viele zumindest in Deutschland immer noch nicht wissen, ist, dass LELO auch Kondome herstellt. Auch hier seid ihr im Hochpreissegment aktiv. Was hat es mit euren Kondomen auf sich?

Svenja Schön: Bei uns dreht sich immer alles um Innovationen. Und die letzte Innovation im Kondombereich ist 70 Jahre her gewesen. Und es ist einfach so, dass sexuell ansteckende Krankheiten in den letzten Jahren wieder zugenommen haben. Viele sagen eben: Ich möchte kein Gummi benutzen, zum einen verrutscht er mir … oder er hält nicht richtig … er ist unbequem … Und der andere oft angeführte Grund von Kondom-Verweigerern ist die fehlende Körpernähe, man spürt den anderen nicht richtig.

Bei diesen beiden Problemen hat LELO angesetzt. 2016 sind wir mit dem neuen HEX-Kondom auf den Markt gekommen. Die Arbeit an dem neuen Kondom wurde aber bereits sieben Jahre zuvor begonnen. LELO hat sich überlegt, was man an der Kondomstruktur ändern muss, damit es den Leuten auch tatsächlich Spaß macht, Gummis zu benutzen, dass es also nicht mehr ein notwendiges Übel ist, sondern zu einer ganz normalen Verwendung kommt und vielleicht sogar in Richtung eines Lifestyle-Objekts geht. Etwas, das ich gern dabei habe und gern benutze. Also nichts, wofür ich mich vielleicht schon beim Einkaufen schäme oder was ich ohne viel Freude auspacke.

Wie bei vielen LELO-Produkten wird auch bei Kondomen spürbar an einem Gesamterlebnis gearbeitet, das bis zur Verpackung reicht. Am Anfang wurde überlegt, ob man das Kondom aus Graphen herstellt. Das ist aber ein sehr teurer Werkstoff. Da LELO sich ganz gern an Dingen bedient, sind wir auf die Hexagon-Struktur gekommen, die eine extreme Dünne bei höchster Stabilität bietet. Diese Struktur kommt in der freien Natur vor, in Bienenwaben, bei Spinnennetzen, bei den Tragflächen in der Luftfahrt. Die Sechseck-Struktur erlaubt eine hohe Elastizität.

Das Kondom insgesamt besteht aus 365 Hexagonen, die auf der Innenseite liegen, damit sie sich wirklich an die Haut anschmiegen, festsitzen und nicht verrutschen. Sieht zwar toll aus, hat aber erst mal nichts mit Style zu tun. Natürlich ist auch dieses Kondom vollkommen sicher, das ist klar, kann aber aufgrund der Hexagon-Struktur weitaus dünner produziert werden.

VENUS: Wie steht es um den Vertrieb der HEX-Kondome?

Svenja Schön: In normalen Drogerien kann man unsere Kondome in Deutschland leider bisher nicht kaufen. Bisher gibt es die HEX-Kondome in ausgewählten Erotikläden, bei einigen Onlinehändlern und auf unserer Webseite. In anderen Ländern ist das bereits anders. In Osteuropa haben wir die Drogerie Müller als Partner.

LELOs F1S: Der Eintritt der Schweden in den Markt mit Sextoys für Männer
VENUS: Der diesjährige Auftritt steht ja aber ganz im Zeichen eures Eintritts in den Markt mit Männertoys, ein Bereich, der in der Branche als potenzieller Wachstumsmarkt ausgemacht wurde. Im dritten Bereich eures Standes präsentiert ihr auf einem Bildschirm einen Film zu dem neuen Produkt. Was habt ihr euch da überlegt?
Svenja Schön: Im Vergleich zum Angebot für Frauen gibt es für Männer im Sexspielzeugmarkt noch nicht allzu viel Auswahl. Insbesondere im High-End-Bereich. Es gibt Penisringe, es gibt die Fleshlights und zahlreiche Variationen. Aber wir haben bemerkt, dass sich Männer bei uns gemeldet haben, die sagen: Mensch, ihr habt Prostata-Stimulatoren und Cockrings, aber so ein geiles Männertoy wäre von LELO richtig schön. Da haben wir uns dann natürlich einige Gedanken zu gemacht.
Das neue Toy heißt der F1S und ist ein Masturbator, der im Januar 2019 ausgeliefert wird. Außen wird er ein Aluminiumgehäuse haben. Innen natürlich körpersicheres Silikon. Der Masturbator wird in zwei Versionen angeboten, einmal mit Sichtfenster und einmal ohne. Ich kann natürlich die Stärke des Geräts regulieren. Es gibt zwei Möglichkeiten der Regulation. Im Innenteil des Toys gibt es insgesamt zehn Sensoren zusätzlich. Es gibt also eigentlich zwei Motoren. Einmal den normalen wie bei anderen Masturbatoren auch, und dann den über die Sensorik. Je weiter ich in das Toy eindringe, desto mehr Sensoren werden angesprochen und desto stärker wird die Vibration. Die Intensität der Stimulation hängt also davon ab, wie tief man eindringt.
Zusätzlich wird es zu dem Toy eine App geben, die verschiedene Möglichkeiten bietet. Zum einen gibt es den Trainingsmodus. Der misst alles mögliche. Deshalb werben wir auch mit dem Rennauto auf der Messe. Man misst, was man tut, man vergleicht sich. Die App misst beispielsweise, wie tief ich eingedrungen bin, wie war der Durchmesser.
VENUS: Also eine Gamification der Masturbation?
Svenja Schön: Genau. Das wird sogar noch wilder. Ich kann theoretisch meine Daten alle in der App sammeln und vergleichen, wie war meine Performance bei der ersten Nutzung? Wie verändert sich meine Performance? Es geht sogar so weit, dass wenn sich jemand fragt: Mmmh, nicht schlecht, aber vielleicht mache ich etwas falsch? Da zeigt einem die App an, ob man eher nach links oder rechts stoßen sollte, ein bisschen tiefer oder ähnliches. Ich kann mit Unterstützung der App also trainieren. Ich kann den F1S aber auch mit Bluetooth und meiner VR-Brille koppeln, ein Videospiel starten und dann das Toy letztlich als Joystick benutzen.
Es wird auch ein Entwickler-Kit geben, sodass wer Bock hat, selbst damit herumzubasteln, sich seine eigene App dazu entwickeln kann. Das Toy ist also kompatibel mit VR und AR. Ich kann damit also vollkommen abtauchen in einer selbstgeschaffene Welt.
VENUS: Habt ihr Pläne, das Toy durch Kooperationen auch mit anderen Herstellern oder Studios oder im Webcam-Bereich weiterzuentwickeln?
Svenja Schön: Das würde schon gehen, ist aber derzeit nicht geplant. Wir haben selbst gerade erst die ersten Exemplare zur Messe bekommen. Man kann ihn jetzt also vorbestellen und ab Januar wird der F1S erhältlich sein.
VENUS: Wenn ihr sagt, dass die App zu dem Gerät Daten sammelt, gehen natürlich einige Alarmglocken an. Wenn man an die Klage gegen den Hersteller We-Vibe denkt, dessen App Daten über die Nutzung des Sextoys an das Unternehmen geschickt hat. Welche Herangehensweise wählt ihr bei der Datensicherheit?
Svenja Schön: Es ist so, dass LELO selbst wirklich keine Daten sammelt. Die hat nur der Nutzer auf seinem Handy. Aber Genaueres erfahren Sie von dem Chefentwickler, der hier gerade neben uns steht. Ich übergebe an ihn.
VENUS: Vielen Dank fürs Gespräch, Svenja Schön.
Lesen Sie nächste Woche Teil 2 des großen LELO-Interviews mit dem Entwickler des F1S.
Wenn Sie mehr über den LELO-Geschäftsbereich Sextoys für Frauen erfahren möchten, empfehlen wir das Interview zum Standauftritt 2017.

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