Orion-Chefin im Magazin-Interview

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Die Stiefenkelin von Beate Uhse heißt Maike Rotermund und führt die vor Jahrzehnten von Beate Uhse abgespaltene Orion-Gruppe. Nach der erneuten Insolvenz des ehemaligen Mutterunternehmens ist Rotermund heute die wahre Erbin der berühmten Erotikpionierin. Im Interview mit dem österreichischen Nachrichtenmagazin News gibt Rotermund umfassende Einblicke in ihr Geschäft, ihre Familiengeschichte, äußert sich zur Rolle der Frau in der Erotikbranche und teilt ihre Überlegungen zur Entwicklung der Gesellschaft.

Während die aus der Insolvenz hervorgegangenen Reste der Beate Uhse AG erneut Insolvenz anmelden mussten und das Internetgeschäft angeblich an den niederländischen Zwischenhändler EDC verkauft wurde, ist ein Teil der einstigen Eigentümerfamilie immer noch im Erotikgeschäft. Sie betreibt heute u.a. den Orion Versand, der 1981 von der Muttergesellschaft abgespalten wurde.

Familientradition: Beate Uhses Erbe lebt in Orion fort

An der Spitze von Orion steht seit 2014 erneut eine Frau, Beate Uhses Stiefenkelin Maike Rotermund (43). Sie ist Herrin über den Orion Versand und den Orion Großhandel.

Rotermund wollte zunächst nicht ins Familiengeschäft einsteigen und spezialisierte sich nach einem Studium in Großbritannien auf den Bereich Wirtschaftsprüfung. 2004 kam es dann doch anders, als geplant.

Frauen an der Spitze: Erotikunternehmen unter weiblicher Führung

Im Interview mit News erzählt die Orion-Chefin auch von ihren Erfahrungen als Frau an der Spitze eines Erotikunternehmens. Aus ihrer Sicht ist es in der Branche nichts Besonderes und verweist auf Konkurrenten im In- und Ausland. »Es gibt viele Unternehmen, die von Frauen geführt werden. So wie Beate Uhse das Geschäft früher als Pionierin angetrieben hat, gibt es heute in England Jacqueline Gold mit der Marke Ann Summers, auch in Norwegen, Dänemark und in den USA gibt es große Unternehmen, die von Frauen geführt werden.«

Rotermund glaubt, dass sie eher Vor- als Nachteile durch ihren Status als Frau hat. Für Frauen sei es leichter, unvoreingenommen wahrgenommen zu werden. »Wenn Frauen das tun, gelten sie als aufgeschlossen und modern, das gibt ihnen mehr Freiheiten. Männern wird dagegen rasch eher Sexismus unterstellt. Ich denke schon, dass es Frauen deshalb leichter haben.«

Aufklärung war schon immer Teil des Geschäfts

Wie bewusst und reflektiert die Erotikunternehmerin in der dritten Generation ist, zeigt sich auch an den historischen Bezügen, die sie dabei zieht: »Das war zu Beate Uhses Zeiten schon so. In ihren ersten Broschüren ging es zwar hauptsächlich darum, Menschen über Verhütung zu informieren, aber dezent kam auch bei ihr schon das Thema Spaß in der Ehe vor. Dezent deshalb, weil die Förderung von Spaß an der Sexualität damals noch gerichtlich geahndet werden konnte.«

Ganz einfach war die familiäre Prägung für die Unternehmerin aber dennoch nicht. Der Grund für die Aufspaltung von Beate Uhse und Orion hing mit Erbschaftsüberlegungen in der Familie zusammen. Beate Uhse teilte ihre Unternehmensgruppe 1981 zwischen ihren Söhnen auf. Die einst eng verstrickten Unternehmensteile wurden mit einem Mal zu Konkurrenten. Für Rotermund ist diese Zeit als sehr schwierig in Erinnerung geblieben. Sie selbst habe Beate Uhse gar nicht richtig kennengelernt und Streitigkeiten zwischen den Söhnen machten das Familienunternehmen auch zu einer Bürde. »Sie müssen sich das wie die Adidas-Geschichte vorstellen: Man wohnt im selben Ort und hat von heute auf morgen zwei Firmen, die sich bis aufs Blut bekämpfen.«

Inzwischen ist diese familiäre Wunde offenbar verwunden. Zumindest für Maike Rotermund ist es inzwischen möglich, die immense Lebensleistung ihrer Stiefgroßmutter vollumfänglich anzuerkennen. »Was sie vollbracht hat, habe ich tatsächlich erst viel später verstanden. Wie viel Energie sie aufgebracht hat, welchen Kampf sie durchgefochten hat und was sie tatsächlich bewegt hat, bewundere ich sehr. Sie hat wirklich viel zur Aufklärung der Menschen beigetragen.«

Orion will gesellschaftliche Impulse setzen

Rotermund ist stolz auf ihre Unternehmensgruppe und auf die Firmenkultur. »Wir lachen tatsächlich viel bei Orion, wir verbringen hier viel Zeit, dabei soll sich jeder wohl fühlen und Spaß an der Arbeit haben. Das gehört zur Unternehmenskultur: Toleranz, Spaß und Neugier bei der Arbeit und in Bezug auf unsere Produkte.«

Von ihrer berühmten Ahnin hat Rotermund die liberale, progressive Einstellung und eine gewisse Demut vor der Vielfalt menschlicher Sexualität. Sie zeigt sich im Interview sehr bewusst um die Herausforderungen, die für Kinder und Jugendliche entstehen, die im Digitalzeitalter aufwachsen. Ihre Sexualität wird multimedial begleitet und hat einen anderen Bezugsrahmen als die vorheriger Generationen. Dazu sagt Rotermund: »Sexualität ist so spannend und vielschichtig, wir lernen jeden Tag noch dazu. Man darf nie den Fehler machen, sich selbst als Maßstab zu nehmen.«

Die Orion-Chefin sieht ihre Branche auch durch gesellschaftliche Veränderungen im Umbruch. MeToo und offenere Debatten über Sexualität schaffen vollkommen veränderte Grundlagen für die Erotikbranche. Sie sieht darin vor allem Chancen für ihr Unternehmen: »Als wichtigen Trend sehe ich jetzt, dass die Selbstbestimmung des Individuums auch in Sachen Erotik zunimmt. Das heißt, dass der Einzelne für sich herausfindet, wo er oder sie sich in dieser Vielfalt an Möglichkeiten gut fühlt.«

Die sozialen Medien als Katalogersatz

Trotz der neuen Offenheit in der Gesellschaft sei es auch heute noch wichtig, Sexualaufklärung zu betreiben, so Rotermund. »Wir haben lange angenommen, dass es heutzutage nicht mehr nötig ist, Aufklärung zu leisten, weil es so viele Informationsmöglichkeiten gibt. Trotzdem werden uns diese Fragen tatsächlich gestellt, daher beantworten unsere Kolleginnen über Social Media auch jede Frage.« Daher, so die Unternehmerin, nutze Orion seinen Instagram-Account wie einst Beate Uhse ihren Katalog für Aufklärungskampagnen.

An der Spitze von Orion, steht also eine Frau, die ganz in der Tradition ihrer Familie steht und zudem für die Zukunft bestens gerüstet scheint.

Das Interview im Volltext finden Sie hier. Den Webauftritt der Orion-Gruppe können Sie über diesen Link erreichen.

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