Salzufler Erotik-Kette Novum feiert 25 jaehriges Jubilaeum

Die offizielle Schaltzentrale der mittlerweile 23 Filialen befindet sich im Bad Salzufler Ortsteil Werl-Aspe

Der Novum-Erfinder: Lothar Schwier verkaufte früher Radios und Fernseher bei Priesent, dann wechselte er die Branche. Anfang der 1990er hob er den Novum-Erotikmarkt aus der Taufe. Hier steht er vor der Filiale an der Eckendorfer Straße in Bielefeld. (© Andreas Zobe)

Bad Salzuflen-Knetterheide. Er sieht sich als moderner Oswalt Kolle, will nach eigener Aussage Erwachsene aufklären: Seit 25 Jahren verkauft Lothar Schwier Sex-Accessoires. Das Geschäft mit der Lust funktioniert, seine Erotik-Markt-Kette Novum ist auf Expansionskurs. Doch der Mittelpunkt das wachsenden Betriebs ist und bleibt das beschauliche Knetterheide.

Das Bankkonto würde einen Umzug in noblere Wohnviertel mittlerweile sicherlich problemlos gestatten. Lothar Schwier denkt aber nicht daran, sein Domizil im Schatten der Nordstraßen-Kirche zu verlassen. Hier ist offiziell die Muttergesellschaft aller Novum-Märkte beheimatet, hier verbringt er viel Zeit in seinem Büro. „Wir fühlen uns hier sehr wohl”, betont der 60-Jährige, der sich selbst als Familienmensch bezeichnet.

Dass er heute ein kleines Lust-Imperium leitet, hätte er sich vor einem Vierteljahrhundert sicher nicht träumen lassen. Da stand der gebürtige Salzufler vor der Wahl: Weiter als leitender Angestellter Radios und Fernseher bei Priesent in Schötmar verkaufen? Oder doch lieber auf die Entwicklung seines Erotik-Shops setzen, den er quasi nebenbei zusammen mit seiner Frau gegründet hatte? Er entschied sich für letztere Alternative – mit Erfolg.

„Ich hatte den Traum von einem Erotik-Supermarkt”, sagt Lothar Schwier. Die Sex-Artikel sollten sich besser als Radios und Fernseher verkaufen. Gestartet ist er in Minden auf 400 Quadratmetern. „Das war damals schon groß.” Heute gehört die Immobilie ihm, 2500 Quadratmeter ist der Erotik-Markt mittlerweile groß. Innerhalb kürzester Zeit machte Schwier Millionen-Umsätze, fast in jedem Jahr kam ein neuer Novum-Markt hinzu.

Bei der Tombola im Dorf sind Erotik-Gutscheine der Renner

23 Filialen in ganz Deutschland hat Schwier mittlerweile aufgebaut, drei davon sind Franchise-Läden. Sein größter Erotik-Markt ist in Osnabrück mit 4000 Quadratmetern. Laut Schwier ist es sogar der größte in Europa. Die meisten Märkte sind in OWL zu finden. Novum ist aber mittlerweile auch in Ingolstadt, Delmenhorst und Kaiserslautern vertreten. Und der 60-Jährige will weiter expandieren. In diesem Jahr soll die 24. Filiale eröffnet werden.

Statt Schmuddel-Atmosphäre setzt er in seinen Märkten auf den Wohlfühlcharakter: warmes Licht und großflächige Räume. Davon getrennt sind die Bereiche für Kinos und Kabinen. So habe er die Sex-Shops verdrängt. Sein Blick war von Anfang an gezielt auf Frauen gerichtet, erklärt er. Die wollte er in seine Läden holen. Nach seinen Angaben sind 60 Prozent der Kunden weiblich. „Die ergreifen in der Beziehung eher die Initiative und ziehen die Männer mit in den Laden”, weiß er zu berichten.

100.000 Artikel gibt es in Schwiers Läden. „Die Inventuren machen immer richtig viel Spaß”, sagt er. Absoluter Renner seien Vibratoren. Danach kommen Handschellen, Wäsche und Gleitgele. Mittel zur Unterstützung der Potenz würden ebenfalls häufig nachgefragt. Und natürlich bleibt es auch nicht aus, dass die rund 200 Mitarbeiter ab und an Zeugen von kuriosen Vorfällen werden. So habe ein Kunde im Geschäft mal Handschellen ausprobieren wollen, die als Deko von der Decke hingen. Bloß war der Schlüssel verschwunden. Am Ende half da nur rohe Gewalt.

Sex zählt auch im 21. Jahrhundert nicht gerade zu den salonfähigsten Themen einer gutbürgerlichen Lebenswelt. Wie ergeht es da jemandem im dörflichen Alltag, der mit der Lust der Mitmenschen sogar sein Geld verdient? Sehr gut, findet Lothar Schwier, Chef und Gründer der Erotik-Markt-Kette Novum.

Herr Schwier, Sie hätten sich mit Ihrer Familie einen anonymeren Wohnort aussuchen können. Ist ein Leben mitten im Dorf in Ihrer Branche nicht etwas kompliziert?

Lothar Schwier: Nein, überhaupt nicht. Ich sehe mich als moderner Oswalt Kolle, als Beate Uhse von Knetterheide (lacht). Wir wohnen seit 1989 – also noch vor der Novum-Gründung – in der Nordstraße. Und wir fühlen uns hier sehr wohl. Wir haben in Knetterheide immer mit offenen Karten gespielt. Hier weiß jeder, womit ich mein Geld verdiene. Aber es stimmt schon, dass es ganz am Anfang ein wenig Getuschel gab: ,Weißt du schon, was der Schwier jetzt macht?‘

Aber es dürfte schon etwas anderes sein, ob man Fernseher oder Pornos verkauft? Es rümpft hier keiner die Nase?

Schwier: Nein, warum denn? Wir machen ja kein Rotlichtmilieu. Freizeitartikel sind mein Geschäft geblieben. Nur verkaufe ich jetzt keine Unterhaltungselektronik mehr, sondern Unterhaltung für Erwachsene. Und es geht ja eigentlich gar nicht so sehr um Pornofilme. Wir haben mittlerweile überwiegend weibliche Kundschaft. Die Sex-Shop-Atmosphäre der 1970er Jahre gibt es nicht mehr – das hat sich auch dank uns total gewandelt. Die Stadt Bielefeld zum Beispiel freut sich, dass wir alles verdrängt haben – auch die schmuddeligen Shops am Bahnhof.

Stimmt es, dass Sie als Sponsor in Knetterheide stark nachgefragt sind?

Schwier: (lacht) Ja, bei unseren Siedlungsfesten sind wir immer dabei und es wird auch gerne nach den Einkaufsgutscheinen für die Tombola gefragt. 20 oder 30 gab es beim letzten Mal. Ob die dann immer eingelöst werden, weiß ich nicht – aber bei der Verlosung ist die Stimmung traditionell gut. Wir pflegen hier eine sehr gute Nachbarschaft.

Statt einer Briefkasten-Firma in der Karibik halten Sie an Knetterheide als Sitz der Mutter-Gesellschaft fest. Freut sich auch die Salzufler Stadtkasse über die große Lust Ihrer Kunden?

Schwier: Ja, wir zahlen hier alles brav. Für Salzuflen sind sicher auch genug Steuern dabei. Aber die einzelnen Läden sind schon an den verschiedenen Standorten angemeldet.

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