Sex sells – aber nur noch im Internet

Ostschweiz – Arcangelo Balsamo ⋅ Sechs Jahre nach ihrer Eröffnung muss die Libosan-Filiale in Herisau bereits wieder schliessen. Damit verliert das Appenzellerland seinen letzten Sexshop. Grund für das Aus ist die wachsende Konkurrenz von Online-Shops und Pornoseiten.

Christa Graf war dabei, als vor knapp sechs Jahren der Libosan-Erotikshop in Herisau eröffnete. Entsprechend traurig macht es die Filialleiterin, dass der Laden gestern seinen letzten Verkaufstag hatte. Sie hat gar die eine oder andere Träne vergossen. «Es tut weh», sagt Christa Graf.

Sie hat in den vergangenen Jahren zwischen Vibratoren und Liebesschaukeln Allerlei erlebt. «Einmal kam ein junger Mann in den Laden und wollte eine Gummipuppe kaufen. Er fragte mich, ob er sie retournieren könne, falls sie nicht seinen Vorstellungen entspreche», erinnert sich Graf. «Das fand ich köstlich.» Unweigerlich fängt sie an zu lachen und fügt hinzu, dass sie diese Begegnung nie vergessen werde. Dass der Standort Herisau kein leichter sei und man ihn nicht mit Städten wie Zürich oder Basel vergleichen könne, wusste Christa Graf von Beginn an. «Dennoch haben wir es gewagt», so die Shopleiterin. Die Schliessung sei auch nicht unbedingt auf die Lage zurückzuführen, sondern liege in erster Linie an der Konkurrenz im Internet.

Umsätze sind im freien Fall

Besonders mit DVDs liesse sich kaum mehr Geld verdienen, erklärt Thomas Scheurer, Geschäftsführer der XL Media AG, der die Marke Libosan gehört. «Moderne Computer, Tablets und andere Geräte haben häufig nicht mal mehr ein optisches Laufwerk, um DVD abzuspielen. Ausserdem gibt es auf zahlreichen Seiten im Internet erotische Inhalte, die kostenlos konsumierbar sind.» Teilweise handle es sich dabei um Filme in HD-Qualität, die eine DVD aus technischen Gründen nicht bieten könne, sagt Thomas Scheurer. Darüber hinaus gebe es auf solchen Seiten stündlich neue Inhalte. «Man kann sich nur wundern, dass überhaupt noch Erotik-DVD gekauft werden. Die Umsätze befinden sich im freien Fall.»

Neben kostenlosen Pornoseiten gibt es auch vermehrt Onlineshops, in denen Mann oder Frau Sexspielzeuge, erotische Wäsche oder sonstige Artikel für die schönste Nebensache der Welt bestellen kann. «Im Internet bleibt man anonym, hat jedoch nur ein kleines Bild des Artikels. Im Shop wird man zwar eventuell gesehen oder erkannt. Dafür kann sich der Kunde ein besseres Bild des Artikels und dessen Beschaffenheit machen», nennt Christa Graf die Vor- und Nachteile der verschiedenen Einkaufsmethoden.

Auch Anbieter von sogenannten Toy-Partys konkurrenzieren seit einiger Zeit die Erotikläden. Die Anlässe verlaufen wie eine Tupperware-Party, nur dass anstelle von Plastikbehältern für den Haushalt Sexspielzeug vorgestellt und verkauft wird. «Frauen wollen beim Kauf eines Dildos oder Vibrators nicht im Laden beobachtet werden. Sie kaufen solche Produkte lieber in gemütlicher Atmosphäre, bei einem ­Cüpli oder zwei», sagt eine der Geschäftsleiterinnen vom Anbieter Toy4woman, der seit 2009 solche Anlässe organisiert.

 

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here