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Wie man im konservativen Italien Sextoys aus Glas verkauft

glass dildos

Declan Eytan schreibt für Forbes: »Gegensätze ziehen sich an, und im Fall von Frida Affer könnte das nicht genauer treffen. Affers erotischer Concept-Store in Mailand, der durch und durch weibliche Emanzipation und Fortschrittlichkeit ausstrahlt, liegt neben dem Hauptsitz von Ermenegilda Zegna, einer Marke, die das Patriarchat und italienische Traditionen verkörpert. Die 30-jährige, die in der Modebranche ihre Karriere begann, hat ihren Concept-Store namens Wovo Ende 2015 eröffnet.

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Die 30-jährige Frida Affer ist die Gründerin des Wovo Konzeptladens, der im Herbst 2015 in Mailand auf der Via Savona eröffnet wurde.

Auch wenn die meisten Italiener Mailand als fortschrittlichste Stadt des Landes wahrnehmen, blieb die Eröffnung von Affers sexuell aufgeladenen Einzelhandelskonzept nicht unbemerkt. »Wir sind eine katholische Nation, wir verurteilen also gern. Die Menschen haben mich aufgrund meines Kurzhaarschnitts Lesbe genannt oder nehmen gleich an, dass ich alles mit jedem machen würde, also sexuell. Ich habe sogar Gerüchte gehört, dass ich in meinem Laden Orgien abhalte«, erzählt mir Frida in ihrem Shop, während wir unter einer Installation in Brustform des in Mailand beheimateten Künstlers Giada Montomoli sitzen..

Frida, die vor der Eröffnung ihres Ladens keinerlei Einzelhandelserfahrung hatte, widmet ihrem Geschäft in der Via Savona 45 den Großteil ihrer Zeit. Sie betreibt ihn allein, ohne Hilfe von Ladenpersonal. Die ehemalige Stylistin ist optimistisch über die finanzielle Entwicklung ihres Geschäfts, was jedoch nicht immer der Fall war. Ursprünglich hat sie Wovo als E-Commerce-Plattform für aufstrebende Designer gegründet. Erst als die Gründerin Latex-Unterwäsche ins Sortiment aufnahm, zogen die Umsätze an. Kurz darauf wurden Dildos mit ins Sortiment genommen, die sich von allen Dingen in ihrem Laden am besten verkaufen. Insbesondere Dildos aus Glas. »Die Sextoys verkaufen sich vermutlich besser als die Unterwäsche. Das fing alles damit an, dass ich einige Toys für die Auslage hatte. Ich war jedoch nicht davon ausgegangen, dass die jemand kauft. Die Glas-Dildos sind unsere Bestseller, und in Italien gibt es die nur hier«, erzählt die gebürtige Mailänderin, der vor ihrer Rückkehr in ihrer Heimat drei Jahre in London verbracht hat.

Dildos aus Glas sind derzeit der Bestseller des Shops.

Was die Kunden angeht, die sich für die Dildos interessieren, sind Alter und Geschlecht sehr unterschiedlich. »Unter ästhetischen Gesichtspunkten interessieren sich eher Frauen für den Laden als Männer, aber die Hälfte unserer Kundschaft ist männlich. Es kommen oft jüngere Typen rein, die ein Geschenk für ihre Freundin suchen, aber es gibt auch ältere Männer, die etwas Schönes für ihre Geliebte kaufen wollen. Mein ältester Kunde ist vermutlich eine Dame, Ende 60. Sie ist sehr stilvoll und hat ein hohes Einkommen. Die meisten Menschen würden sie sicher nicht als verdorben ansehen, sie ist aber vollkommen vorurteilsfrei. Sie kommt her, weil es Spaß macht und frei ist, ein vorurteilsfreier Rau. Sie zieht sich vor mir aus, probiert Latex an, nimmt einen Dildo. Das ist eine Erfahrung – etwas, was sie noch nie zuvor gemacht hat. Normalerweise kauft die bei Gucci.« Neben den Ladenkunden hat der Onlineshop zahlreiche Kunden aus Italien, England, Frankreich, den USA, Australien und Japan.

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Ein Blick in den Wovo Concept-Store.

Trotz der hohen Dosis an Frauenpower im Laden wird die Gründerin vorsichtig, wenn es um das F-Wort geht. »Ich betrachte mich nicht als Feministin. Ich glaube auch nicht, dass es nur eine Definition dieses Begriffes gibt. Ich habe den Eindruck, dass Feministinnen alles aus dem weiblichen Blickwinkel betrachten, wobei ich hingegen grundsätzlich gegen Verurteilungen bin. Ganz gleich, ob es nun um einen Mann oder eine Frau geht.«

Ach und während wir schon dabei sind. Nennen Sie den Laden bloß nicht Sexshop. »Es ist kein Sexshop – ich verkaufe hier keine Pornos und habe nicht vor, das zu tun. Es ist eine Art Grenzgänger. So etwas hat es in Italien noch nicht gegeben. Ein Ort, an dem sexuelle Freiheit gefeiert wird, der Frauen gewidmet ist.«

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