Mashable stellt vier Sextech-Startups von Frauen vor

sex tech startups

Die Webseite Mashable hat vier Startups im Sextech-Bereich im Profil vorgestellt.  Die aufgeführten Unternehmen stehen beispielhaft für die stetig mehr werdenden Sextoy-Hersteller, die von Frauen gegründet wurden und Tech und Sex miteinander verbinden. 

Dame

Die Produkte: Dame bietet zwei niedliche Vibratoren, die für die Stimulation der Klitoris vorgesehen sind: Der kleine Fin ($75), den man zwischen zwei Fingern bedienen kann und Eva II ($135), das ohne Hände benutzt werden kann, da es über »flexible Flügel verfügt, die unter die Schamlippen passen, wodurch das Gerät sicher sitzt«. Beide Geräte können allein oder von Paaren während des Liebesspiels eingesetzt werden.

Die Unternehmensgeschichte: Dame entspringt der Arbeit von Alexandra Fine und Janet Lieberman. Fine, die ein Masterstudiengang in klinischer Psychologie an der Columbia University abgeschlossen hat, erzählt, dass sie Lieberman, eine Ingenieurin und MIT-Absolventin im Juni 2014 getroffen hat, als sie feststellten, dass beide für sich vorhatten, ein Sextoy-Unternehmen zu gründen.

Fine sagt, dass ihre Talente sich ideal ergänzen – ihr interesse für Markenaufbau und Marktforschung und Liebermans Interesse für das Design von sicheren, qualitativ hochwertigen Spielzeugen – deshalb entschlossen sich die beiden eine Indiegogo-Kampagne für ihren ersten Vibrator namens Eva zu starten. Das war im Oktober 2014. Ende Februar 2015 verschickte Dame bereits die ersten Pakete. Seitdem hat das Unternehmen seine Kollektion erweitert, im November 2016 kam der Fin dazu und im November 2017 erfolgte ein Redesign für das Modell Eva: Eva II.

Für Fine ist der Betrieb eines Sextoy-Startups der Höhepunkt eines langwährenden Interesses für Sexualität – ursprünglich wollte sie Sextherapeutin werden – und des Wunsches etwas auf den Markt zu bringen, von dem sie glaubte, dass es eher auf die Bedürfnisse von Frauen abgestimmt ist, als das, was sonst damals auf dem Markt erhältlich war.

»Keines der Produkte oder das mit ihnen verbundene Marketing hat mich erreicht«, sagt sie. »Man sieht immer noch viele Anzeigen mit Frauen in Reizwäsche, die ihre Highheels ausziehen. Es ist oftmals ein sehr männlicher Blick, der einfach in der Markensprache nicht zu verleugnen ist. Das hat mich nie angesprochen und hatte keinen Bezug dazu, wie ich Masturbation oder den Einsatz eines Toys sah.«

Außerdem wollte Dame ein Sextoy schaffen, das gut gemacht war, und das in einer Branche, in der, so Fine, die Produktion wenig reguliert ist.

Einer der Vibratoren, die sie früher benutzt hatte, ist sogar mal in Flammen aufgegangen, nachdem die Batterie einen Kurzschluss erlitten hatte.

»Das war schon spektakulär, das kann man nicht anders sagen«, scherzt sie. »Ich glaube, ich habe damit angegeben. Aber das liegt einfach daran, dass diese Produkte oft nicht gut gemacht sind, und die Menschen keinen Wert darauf legen und keine Regularien vorliegen, obwohl es welche geben sollte.«

Um die Qualität aufrechtzuerhalten, werden beide Dame-Vibratoren innerhäusisch aus medizinischem Silikon gefertigt. Beide Produkte sind wasserdicht. Das Unternehmen plant die Veröffentlichung drei neuer Designs für 2018.

Maude

Die Produkte: Maude bietet Kondome (ein 10er-Pack für $12), zwei unterschiedliche Gleitmittel (je $25) und einen Vibrator ($45).

Die Unternehmensgeschichte: »Maude ist eine geschlechtsneutrale oder Unisex-Marke«, sagt CEO Eva Goicochea. »Wir sind kein Frauen-für-Frauen-Unternehmen an sich – wir sind eher ein Frauenunternehmen für alle.«

Bevor sie Maude gemeinsam mit Dina Epstein gründete, hat Goicochea mehr als 10 Jahre lang im Bereich Markenführung gearbeitet, unter anderem bei dem Bekleidungshändler Everlane.

Sie freundet sich mit Epstein an, einer Industriedesignerin, die für den Wäschehändler Kiki De Montparnasse und den Sexspielzeughändler Doc Johnson gearbeitet hat. Gemeinsam beschlossen sie, Maude zu gründen, ein Unternehmen, das minimalistische Produkte für das Schlafzimmer verkauft.

Zwei Jahre später bietet die Produktreihe des Startups Gleitmittel in schicken Aesop-Seifenflaschen und kunstvoll verpackte Kondome.

Was gehört noch zum Schlafzimmer? Ein Vibrator!

Goicochea sagt: »Wenn man sich die sogenannte Orgasmuslücke ansieht, müssen Frauen oft in einen Sexshop gehen, um ein Spielzeug zu kaufen…. Das ist eine wirklich unbequeme Erfahrung, die sind überladen, es ist verwirrend, man hat keine wirklich durchdachten Optionen. Alles ist ziemlich hell und laut. Und wir dachten uns, da es für viele Menschen ein absolutes Muss ist, einen Orgasmus zu haben, warum wird er also nicht viel einfacher gemacht und als Grundversorgung behandelt?«

Maudes schlanker, grauer Vibrator besteht aus FDA-zugelassenem Silikon.

Pulse

Die Produkte: Ein selbstwärmender Gleitgel-Spender ($229), zwei unterschiedliche Gelsets (both $29.95) und Gel-Proben ($5).

Unternehmensgeschichte: Für ein Produkt, das oft als fester Bestandteil der Sexualität betrachtet wird, ist die Benutzererfahrung bisher eher ernüchternd. Also beschloss Pulse-Gründerin Amy Buckalter, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und der Benutzererfahrung eine Auffrischung zukommen zu lassen.

»Ich war in die Wechseljahre gekommen und benutzte viel mehr Gleitmittel als früher, und ich konnte es nicht glauben, wie archaisch die gesamte Benutzererfahrung noch im 21. Jahrhundert auf allen Ebenen der Anwendung war«, sagt sie.

In der Annahme, mit dieser Wahrnehmung Problem nicht allein zu sein, wandte sich Buckalter an ein breiteres Publikum. Mehr als 400 Umfrageantworten später wusste sie, dass sie etwas Größerem auf der Spur war. So verließ sie 2013 ihre 25 Jahre währende Karriere im Bereich Marketing und Kommunikation für die Sportartikelindustrie und wurde Sex-Tech-Unternehmerin.

Das Ergebnis: der Pulse Warming Dispenser, ein kleines Gerät für den Nachttisch, das das Gleitmittel unkompliziert und angewärmt in die Handfläche des Besitzers bringt. Kein Durchwühlen von Schubladen am Bett, keine Flaschen, die geöffnet werden müssen, einfach die Hand ausstrecken und los geht’s.

Der Spender beinhaltet eines der beiden von Pulse angebotenen Gleitmittel – das eine auf Wasser-, das andere auf Aloe-Basis. Und im Gegensatz zu Gleitmitteln, die eine versprochene Wärme durch Chemie erzeugen, erwärmt Pulse das Gel auf altmodische Weise.

Buckalter hat große Pläne für die Technologie hinter ihrem Produkt – sie sagt, dass sie hofft, ihr Geschäft um Aufwärm-Technologien für andere Arten von Lotionen zu erweitern, so dass sie auch im Bereich Körperpflege und Babypflege expandieren könnte.

Unbound

Die Produkte: Auch wenn Unbounds Shop bisher Sextoys, Fetischprodukte, Gleitmittel und weitere Fremdprodukte im Angebot hat, bewegt sich das Unternehmen immer stärker darauf zu, ausschließlich eigene Produkte zu verkaufen. Dazu gehören drei rosa Vibratoren (von $17 bis $99), drei Gleitgelsorten (von $15 bis $35), Feuchttücher ($16), Fetischspielzeug (von $14 bis $24), ein Dildo ($29) und außerdem Schmuck und Accessoires.

Unbound bietet außerdem ein vierteljährliches Abopaket, das Produkte der eigenen Kollektionen anbietet.

Die Unternehmensgeschichte: Als Unbounds CEO Polly Rodriguez Anfang 20 an Krebs erkrankte, hat das, so die Unternehmerin »die Art verändert, in der sie die Welt sah«, insbesondere im Hinblick auf weibliche Sexualität.

»Als ich die Bestrahlungstherapie durchlief, haben mir die Ärzte gesagt, dass ich niemals Kinder haben würde, aber sie sagten nichts dazu, wie das mein Sexleben beeinflussen würde«, erzählt sie. »Als ich älter wurde, wurde mir klar, wie marginalisiert weibliche und non-binäre Person sind, wenn es um ihre Sexualität als zentralen Gesundheitsbaustein geht, statt dass es nur etwas ist, das nett ist, wenn man es hat.«

In der Hoffnung diese Narration zu verändern, startete sie Unbound, einen Sextoy-Händler, der zudem auch ein Portal für Autoren unter Sexarbeitern, Sexpädagogen und Unternehmensmitarbeitern geworden ist. Die Themen des hauseigenen Unbound Magazine behandeln Tipps für erotische Massagen und Erklärungen zu den SESTA und FOSTA Gesetzen, die von zahlreichen Sexarbeitern abgelehnt werden.

Und während der Shop ursprünglich mit Produkten anderer Unternehmen gestartet wurde, sagt Rodriguez, dass die unternehmenseigenen Produkte rasch dabei sind, zum eigentlichen Geschäftskern zu werden.

Sie sagt: »In jüngster Zeit liegt unser Fokus darauf, erstklassige Produkte herzustellen, die bezahlbar und für den durchschnittlichen Kunden verfügbar sind und zugleich Inhalte zu schaffen, die die Aufklärungslücke schließen, die durch den Rückzug öffentlicher Schulen entstehen.«

Was Unbound aber hervorhebt, ist das Abo-Model – ein Angebot, das laut Rodriguez bei Männern und älteren Paaren besonders gut ankommt.

»Wir haben festgestellt, dass insbesondere lang verheiratete Paare und ältere demografische Gruppen wirklich neugierig auf unsere Produkte sind, dass sie aber die Auswahl überfordert und sie Entscheidungen ermüden«, sagt sie. Die Boxen sind immer einem Thema gewidmet, enthalten vollständige Produkte und werden alle drei Monate verschickt, sodass Unbound-Kunden auch Produkte ausprobieren, die sie von sich aus nicht ausgewählt hätten.

 

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