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Mittwoch, Juli 18, 2018
Patreon macht Ernst: Schließung von expliziten Accounts

Patreon macht Ernst: Schließung von expliziten Accounts

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Die Crowdsourcing-Plattform zur fortlaufenden Finanzierung von Kreativen, Künstlern und Performern scheint sich endgültig für Erotik- und Sexangebote zu schließen. Angaben des Magazins Motherboard zu Folge wurden zahlreiche Accounts aufgrund angeblicher Verstöße gegen die Richtlinien des Unternehmens geschlossen. Die Änderung der Richtlinien führte letztes Jahr zu einer großen Verunsicherung der Inhalteanbieter und dadurch zu einem großen Exodus von Adult-Performern hin zu Konkurrenten wie FanCentro.

Betroffene berichten, dass ihre Accounts aufgrund »implizierter Nacktheit« in frei zugänglichen Bereichen des Portals und auf Bannern gesperrt wurde. Dies würde bedeuten, dass Patreon zwar weiterhin erotische und sexuelle Inhalte duldet und damit Geld verdienen will, die Darstellern und Performer aber weiter im Unklaren bleiben, welche der Richtlinien konsequent verfolgt werden und welche nicht. Ein Balanceakt mit offenem Ausgang für viele, die ihren Lebensunterhalt über die Plattform bestreiten und ihre Fanbase über Patreon gewonnen haben.

Patreon äußerte sich gegenüber Motherboard dahingehend, dass man einfach damit begonnen habe »Inhalte proaktiv« zu sichten, um den Anforderungen der mit Patreon kooperierenden Zahlungsabwickler genügen zu können. Im Klartext: Das Portal fürchtet die Partnerschaften mit Paypal und anderen wichtigen Zahlungsdienstleistern zu verlieren, wenn die Regeln bezüglich Erwachseneninhalten nicht strenger eingehalten werden.

Laut der im letzten Jahr geänderten Richtlinien ist es den Performern und Inhalteproduzenten verboten, Spenden für die Produktion von pornografischen Inhalten einzusammeln, dies betrifft auch die Entwicklung oder den Betrieb einer Webseite, aber auch das Anbieten von privaten Webcam-Sessions – ein wichtiger Service für viele Performer.

Patreon verweist auf die Richtlinien: »Unsere Community Guidelines haben sich nicht verändert, und wenn wir Seiten entdecken, die unsere Richtlinien nicht einhalten, suspendieren wir diese Seite und arbeiten mit dem betreffenden Creator zusammen, um ihn wieder in Übereinstimmung mit den Richtlinien zu bringen.« Wie das bei erotischen Dienstleistungen allerdings möglich sein soll, ist äußerst fraglich. Ursprünglich und bisher wurden die Gelder der Performer gerne eingesammelt und die Tantiemen kassiert.

Patreon versucht daher eine für Performer wenig befriedigende Flucht nach vorn: »Wir haben auch die Größe unseres Support Teams verdoppelt, um auf unsere Creators eingehen zu können und so rasch wie menschenmöglich individuelle Hilfestellung leisten zu können.«

Jenseits der glatten PR-Sprache sind Existenzen gefährdet. Betroffen von der Säuberungsaktion zur Besänftigung der Zahlungsabwickler ist unter anderem das Produktionsstudio Four Chambers. Der Gründer des Unternehmens, Vex Ashley, gab via Twitter bekannt, dass seine Patreon-Seite geschlossen wurde.

»Um das ganz klar zu sagen. Was hier auf dem Spiel steht, ist mein Einkommen, meine Existenzgrundlage. Ich arbeite seit drei Jahren Vollzeit exklusiv an Four Chambers. Ich habe mich gänzlich diesem Projekt verschrieben, und ich muss nun versuchen, ganz von vorne zu beginnen.«

Andere Performer berichten jedoch, dass Patreons Support Team wirklich Hilfestellung bieten kann, den Account wieder zu aktivieren. Nicole Vaunt, die Patreon als Erotikmodel nutzt, hat jedwede Nacktheit von ihren öffentlich zugänglichen Seiten auf Patreon entfernt. Danach hatte sie keine Probleme mehr.

Dennoch ist sie besorgt. »Ich habe ständig Angst, meine Existenzgrundlage jederzeit verlieren zu können. Die Sperrung von Four Chambers wirkt auf uns alle wie der Tod eines Kanarienvogels beim Bergbau. Die Zunahme an Suspendierungen und Schließungen sind schwer einzuschätzen.«

Patreon hält also einen Großteil seiner Produzenten weiter in der Schwebe. Ein unhaltbarer Zustand, der den Konkurrenten unter den Crowdsourcern sicherlich noch mehr Vertriebene XXX-Performer von Patreon zuspielen wird.

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