PorNO oder PorYES?

Pornografie – schmuddeliger Trash oder sexuelle Selbstbestimmung? Ein Beitrag von Lea Schröder zum Studientag Pornografie

Foto: Frances Rohde

Pornografisierung der Gesellschaft

Der Studientag Pornografie , welcher heute in Leipzig stattfindet, präsentiert die Ergebnisse des Sammelbandes „Pornographie. Im Blickwinkel der feministischen Bewegungen, der Porn Studies, der Medienforschung und des Rechts“, herausgegeben von Dr. Anja Schmidt. Dieses gesellschaftspolitisch relevante Thema solle öffentliche diskutiert werden, so Schmidt. Das Hauptthema bei der Veranstaltung ist die Pornografisierung von Gesellschaft.
Feminist Sex Wars

Für die Einen beinhaltet das Thema eine vermehrte Pornografisierung des Alltags. Gemeint ist damit zum Beispiel die immer sexualisierte Selbstdarstellung von zum Beispiel Jugendlichen in sozialen Netzwerken. Anhänger der in den 70er Jahren stark gewordenen, feministischen PorNO-Bewegung sehen in Pornos, laut Anja Schmidt, eine Rechtsverletzung und forderten Porno-Verbote. Die Anderen sehen in sexuellen Nacktdarstellungen hingegen die Möglichkeit, emanzipatorische Vorstellungen einer vielfältigen, selbstbestimmten Sexualität zu entwickeln. Aktivisten dieser feministischen PorYES-Bewegung sind gegen Pornografieverbote, denn dadurch würden auch emanziaptorische, sexuelle Darstellungen jenseits des heterosexuellen Mainstreams zensiert, so Anja Schmidt.

Diese PorNO- und PorYES-Bewegung standen und stehen sich sehr hart gegenüber. Feminist Sex Wars ist so ein Schlagwort.

Dr. Anja Schmidt, Herausgeberin des Sammelbands „Pornographie“

Diese heftige Auseinandersetzung in den 1970/80er Jahren nimmt Anja Schmidt heutzutage nicht mehr so stark wahr, einen differenzierten Diskurs über Pornografie gäbe es aber noch nicht.
Sexuelle Verwahrlosung der Jugend?

Das Podiumsgespräch heute Abend fokussiert sich allerdings vor allem auf einen angemessenen Umgang mit Jugendlichen in Bezug auf sexuell explizite Darstellung. Der Sozial- und Sexualpädagoge Robert Lüddecke, der an der Podiumsdiskussion teilnehmen wird, wünscht sich, dass Kinder und Jugendliche im Umgang mit Pornos begleitet werden. Erwachsene und Eltern sollten offen für Fragen sein. Ein Verbot sei keine Lösung, so Lüddecke.

Wenn ich Dinge verbiete, bedeutet das nicht, dass die Person keinen Zugang mehr dazu hat, sondern nur, dass sie damit allein gelassen ist.

Robert Lüddecke, Sozial- und Sexualpädagoge

Man müsse den Jugendlichen jedoch deutlich machen, dass Pornografie keine reale Abbildung der Sexualität von Menschen sei. Allerdings stellt er bei seiner Arbeit auch fest, dass Pornografie für viele Jugendliche nicht so wichtig ist, wie allgemein angenommen.

Lea Schröder hat mit Robert Lüddecke und Dr. Anja Schmidt gesprochen:

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