Pornostar Kayden Kross im Interview über das Jahrzehnt, das die Branche verändert hat

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Um diese Zeit herum begann eine 18-Jährige aus Sacramento im örtlichen Striplokal zu tanzen. Sie war ungewöhnlich schön – und bis zum heutigen Tag sagen ihr Typen »Du bist viel zu schön dafür«, wobei sie damit ihren Beruf und ihre Lebensentscheidungen meinen. Es dauerte also nicht lang, bis sie einen Agenten traf. Das Eine führte zum anderen und 2006 begab sie sich mit dem hastig erdachten Namen Kayden Kross als 21-Jährige, typische amerikanische Studentin mit Liebe zu Büchern und die nie zuvor eine Pornoszene gesehen hatte, nach Los Angeles und in die Pornobranche. Sie landete gleich ganz oben in der an Pornostars nicht armen Branche.

»Mein erster Vertrag war mit Vivid«, erzählt Kross. Für diese Schönheit kamen keine schäbigen Gonzo-Szenen in Frage: Kayden ging sofort zum Hauptquartier von Vivid Entertainment, das unweit der Universal Studios liegt.

»Ich war vollkommen überwältigt«, erzählt Kross, die von ihrem Agenten in die Hände von Steven Hirsch gegeben wurde, der dafür bekannt war bei Vivid unerfahrene Starlets in glamouröse »VividGirls™« zu verwandeln und sie in Mainstreammedien wie Maxim oder Howard Sterns Radiosendung unterzubringen.

»Vivid verfügte über eine bemerkenswerte Marketingmaschinerie«, erinnert sich Kross. »Damals haben die die zwei Filme, die ich gemacht habe, sechs Monate lang niemandem gezeigt. Die haben erst Mal Nachfrage geschaffen.« Als Kayden’s First Time im Frühjahr 2007 endlich auf den Markt kam, waren die Fans der Vivid-Produktionen bereits monatelang neugierig gemacht worden und warteten sehnsüchtig auf ihren ersten Film – wobei eine Minderheit kritisierte, dass sie zu hübsch für Pornos sei.

Kross bekam jedoch ein ungutes Gefühl. »Mir waren die Veränderungen in der Branche bewusst«, sagte sie. »Kurz nachdem ich bei Vivid unterzeichnet hatte, dachte ich: ‘Warte mal, bald schon wird es keine Vividgirls mehr geben!«

Ihr INstinkt hat sie nicht betrogen. Das Jahr, in dem ihr erster Film herauskam, markiert zugleich das Ende der Ära des Mainstreampornos im Stil der »Vividgirls«, einer Zeit, als DVDs ein allgegenwärtiger Haushaltsgegenstand waren und ein Unternehmen mit großem administrativem Überbau und Exklusivverträgen mit Darstellern professionelle Qualitätsfilme produzieren konnte.

Springen wir ins Jahr 2017, in dem die Webseite von Vivid Video das Unternehmen als »Heimat von Kim Kardashians Sextape« und von Pornoparodien bewirbt.

Was sich seit der Zeit, in der Kross Teil der Branche wurde, verändert hat, ist das Aufkommen der sogenannten »Tube-Seiten«. 2006 wurden PornoTube und YouPorn gegründet, und innerhalb nur eines Jahres kamen zwei Portale hinzu, die zu den größten Marktteilnehmern der Branche überhaupt wurden: xHamster und Pornhub.

Pornhub feiert derzeit sein zehnjähriges Bestehen mit einem PR-Coup, der aus der Veröffentlichung der eigenen Datensammlung über Pornogewohnheiten der Menschen besteht, eine Art Kinsey Report fürs 21. Jahrhundert, der auf den Suchanfragen der Nutzer beruht. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Montreal (ein großer Teil der Pornobranche hat seinen Sitz nördlich der Grenze gewählt) und seine Wettbewerber rasch hinter sich gelassen. Inzwischen ist es die größte Seite für Onlinepornografie weltweit. Pornhub nimmt Platz 39 auf dem Alexa-Ranking der meist besuchten Webseiten der Welt ein, es liegt damit nur wenige Plätze hinter Netflix und eBay und noch vor Tumblr und Microsoft Hompages. Kein Pornoportal bekommt mehr Traffic als Pornhub.

»Zuerst ist die Sexbranche vollkommen erschrocken im Angesicht des Erfolgs der Tube-Seiten«, sagt Kross. Genau wie YouTube wuchsen die Tube-Seiten auf Kosten des Urheberrechtsbegriffs des 20. Jahrhunderts. Wenn sich der Großteil der Zuschauer schon bei Musikern und TV-Produzenten nicht darum scherte, ob diese für die Tag für Tag auf YouTube veröffentlichten Clips bezahlt werden oder nicht, dann galt das für die Produzenten und Darsteller “kostenloser” Clips auf Pornhub gewiss noch stärker.

Schließlich trat eine zwielichtige Firma mit Sitz in Luxemburg auf den Plan, sie nannte sich Manwin (ja, kein Witz!) und begann den Markt der Tube-Seiten an sich zu reißen und stieg schließlich sogar selbst in die Produktion von Inhalten ein. 2013 nannte sich das Unternehmen um in MindGeek (ja … wirklich!) und ist inzwischen Eigentümer von Pornhub, RedTube, YouPorn, Brazzers, Digital Playground, Reality Kings und zahlreichen anderen Produktionsunternehmen und Distributionsfirmen. Wenn Sie oder irgend jemand in Ihrem Umfeld online Pornos schaut, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass dies auf Seiten von MindGeek geschieht.

Auch eine Darstellerin wie Kayden Kross, die auf ein erfolgreiches Jahrzehnt in der Branche zurückblicken kann, kann es sich nicht leisten, nicht mit der Zeit zu gehen, wenn sie sich in der sich rasant ändernden Branche behaupten will. »Nach Vivid habe ich zwei Jahre lang für Adam & Eve gearbeitet und bin dann drei Jahre zu Digital Playground«, so Kross. »Für eine erfolgreiche Darstellerin, die nicht in den ersten paar Monaten ausbrennt, wird das richtig gute Jahr, Dein Jahr, das dritte Jahr im Geschäft. Für mich war das 2010, als ich die AVN Awards moderierte und meinen Vertrag mit Digital Playground abschloss. Das war der beste Vertrag, den man damals haben konnte – und zu dieser Zeit habe ich wirklich gelernt, mich beim Sex vor der Kamera wohlzufühlen.«

Für Kross besteht der wesentliche Unterschied zwischen modernen Studios wie Digital Playground und Studios der Jenna-Ära wie Vivid darin, dass die Darsteller ihre eigene Marke selbst kontrollieren. »Über die sozialen Medien haben erfolgreiche Darsteller inzwischen sehr viel Kontrolle über die Darstellung ihres Images« sagt sie. »In der Vergangenheit haben die Studios sie vermarktet, und es gab nur sehr begrenzt Möglichkeiten, mit den Fans zu interagieren – dafür eigneten sich höchstens Großveranstaltungen wie AVN und einige lokale Messen. In der Ära von Savannah oder Ginger Lynn waren es die Studios, die den Darstellerinnen ihr Image verpasst haben. Die haben ein Image auf den Covern der Pornoverpackungen und in Magazinen verbreitet, von dem man nur hoffen konnte, dass es in den Filmen nachvollziehbar war. Die Darsteller hatten vor dem Aufkommen von Social Media nahezu keine eigene Persönlichkeit. Wenn Savannah sich über ihr Studio ärgerte, haben ihre Fans das nie erfahren.

Heutzutage reicht ein einziger Tweet, und alle Fans wissen über etwaige Probleme Bescheid. Vor ein paar Jahren hat Stoya, die ehemalige Partnerin von Kross bei der sexuell und gesellschaftlich progressiven Pornoseite Trenchcoatx.com via Twitter behauptet, dass ihr Exfreund und Porno-Superstar James Deen sie vergewaltigt habe. »Stoyas Vergewaltigungsvorwurf hat die Branche verändert«, sagt Kross. »Sie hat mit zwei Tweets international Schlagzeilen gemacht und wirklich die Art verändert, wie die Branche heutzutage mit ‘Consent’ (dt.: Zustimmung) umgeht.«

Die heutigen Fans sind den Darstellern loyal und haben keine Beziehung zum Studio. »2017 gibt es keine ‘Vividgirls’ mehr. Du bist nur ein Markenname, wenn die Fans Dich zu einer Marke machen«, so Kross. »Solange man Arbeit investiert, kann man eine funktionierende Marke aufbauen.«

Mit »Arbeit« meint sie konstante Präsenz in den sozialen Medien. Produzenten achten sehr genau auf die Anzahl der Follower, bevor sie einen Darsteller für eine Szene buchen.

»Ich habe acht Stunden online verbracht, nur um den Cast für einen Film zusammenzustellen«, sagt Kross, die kürzlich die Bearbeitung neuer Szenen für ihre visuell aufregende Serie »Sacrosanct« (eine Folge besteht in der Regel aus vier Szenen) fertiggestellt hat. »Ich schau mir bei einem Mädchen den Auftritt in den sozialen Medien genau an. Man darf mit einem Film kein Geld verlieren, man muss eine sichere Wette eingehen. Daher greifen wir auf die gleichen ‘etablierten’ Girls zurück. Bei einem brandneuen Mädel weiß man nicht, was man kriegt. Wenn die jetzt keinen Agenten wie [Mark] Spiegler haben, der ihnen genau die Risiken und Potentiale von Anfang an erklärt, dann wird das nichts. Spiegler ist aber leider die Ausnahme.«

Normalerweise erhält eine Darstellerin 1.000 Dolar für eine MF-Szene, die auf 1.500 bis 2.000 Dollar steigen kann, je nachdem, was gefragt ist oder ob eine Darstellerin unter Vertrag steht. Der Agent nimmt davon 15% plus 100 Dollar Vertragsabschlussgebühr vom Produzenten.

»Diese Honorare haben sich in den letzten 20 Jahren nicht verändert«, lacht Kross. »Das bedeutet, dass bei Berücksichtigung der Inflation und gestiegenen Lebenshaltungskosten, Darsteller heute weniger als früher verdienen. Da aber auch das soziale Stigma nicht mehr so groß ist, kommen die Girls weiterhin nach L.A., die sobald sie 18 sind, ihr Glück in der Branche versuchen.«

»Vor zehn Jahren hatte man etwas Zeit, um zu lernen, wie man eine Darstellerin wird«, sagt Kross. »Ich erinnere mich noch an meine erste Rezension: ‘Sie ist scheiße, aber ich mag ihr Aussehen.« Inzwischen muss man von der ersten Szene an alles geben.« Einige der neueren Darstellerinnen frönen ihrem Exhibitionismus auf Amateur-Camseiten, bevor sie in die Branche kommen, und es ist auch nicht mehr ungewöhnlich sofort Fetisch, BDSM, mehrere Sexpartner oder Analszenen zu machen, sobald man einen Agenten hat. «

Die neuen Mädchen, die 18 werden und in die Branche kommen, sind seit ein paar Jahren die erste Generation, die mit ständigem Zugang zu Tube-Seiten aufgewachsen ist. »Die haben sicher eine schnellere Lernkurve«, so Kross. »Der Nachteil ist, dass wir in den Gedanken der Fans nicht so leuchten wie die Pornostars der 70er, 80er und 90er Jahre. Wir sind als Einzelpersonen nicht mehr so prägend. Fans, die sich zu Raylene oder Seka hingezogen fühlten, waren lebenslange Fans – eine VHS-Kassette war schwer zu bekommen. Jetzt gibt es so viel – und die Fluktuation unter den Darstellern ist hoch. Wenn man sich da nicht schnell eine Fanbase in den sozialen Medien aufbaut, ist man schnell vergessen und sehr einfach zu ersetzen.«

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