Sexshops im Porträt #04: »Fuck Yeah« in Hamburg

Fuck Yeah Hamburg

Vor der Reeperbahn gab es das Hamburger Gängeviertel: vor über 100 Jahren war hier der Kern des Rotlichtmilieus der Hansestadt. Nun flaggt hier Hamburgs erster feministischer Sex-Shop. »Fuck Yeah« heißt der Laden und seine Betreiber wollen neben Sexspielzeug Independent-Pornos anbieten und gegen überkommene Rollenklischees angehen.

Viel Platz haben die drei Gründer Rosa Schilling, Fränky Stäbler und Florian Gnau nicht gerade in ihrem neuen schicken Laden im Hamburger Gängeviertel. Aber diesen Platz hat das Trio, das per Crowdfunding über 20.000 Euro für den Start des Sexshops eintreiben konnte, bestmöglich genutzt: einige Produkte hängen an Seilen und Stangen, auf einer Holzbank findet sich das Sortiment an Kondomen. »Fuck Yeah« hat vom klassischen Vibrator bis zu einem gut sortierten Buchsortiment einiges zu bieten.

Wen traditionelle Sexshops stören oder wer sich in den durchdesignten neuen Ladenkonzepten für Sexspielzeug nicht wohlfühlt, dem bietet Fuck Yeah eine funkensprühende Alternative. Ethische, gender-nonkonforme und ökologisch unbedenkliche Produkte sind hier zu finden. Etwas befremdet berichtet die Hamburger Morgenpost, dass »selbst die Einhorn-Gummis« nachhaltig produziert seien. Andersartigkeit, gegen den Strom schwimmen und Gender- und Körperpositivität werden hier groß geschrieben.

Florian Gnau erzählt im Interview: »In den herkömmlichen Sex-Shops und bei den Produkten werden hauptsächlich stereotype, oft diskriminierende Körperbilder transportiert, die oft sehr frauenverachtend sind. Wir aber möchten alle Körperformen und alle Spielarten von Sex unterstützen.«

Die gesamte Produktpalette soll alternativ sein, so Gnau: »Neben Vibratoren, Dildos und Penisringen gibt es bei uns auch alternative Menstruationsprodukte und Transbedarf wie Brustprothesen oder Binder, um die Brüste abzubinden. Zum anderen wählen wir die Sachen gezielt aus. Es gibt keine Klischee-Porno-Bilder«, erläutert Gnau das Konzept. »Zum Teil sind die Sextoys handgefertigt. Wir haben vegane Alternativen aus Kunstleder im Angebot und achten darauf, dass Inhaltsstoffe, die in Lebensmitteln und bei Kinderspielzeug verboten sind, auch in unseren Produkten nicht vorkommen.«

Rosa Schilling meint dazu: »Gerade die Kommunikation über Sex ist oft gestört. Auch da wollen wir ansetzen und Kurse anbieten.« Ein Workshop der anderen Art hat bereits stattgefunden. Das Team des Ladens zeigte interessierten Kursteilnehmern, wie man aus Fahrradschläuchen Peitschen und Fesseln herstellen kann. Daneben, so Gnau, »gab es ein Seminar über ‚Sex und Sprache‘. Da ging es um die Fragen: Wie reden wir eigentlich über Sex? Welche Worte verwenden wir für Körperteile? Wie kommt man lustvoll mit seinem Partner ins Gespräch?«

Die Eröffnung des Ladens sei großartig verlaufen, berichten die Gründer. »Es waren viele Freunde von uns da, aber auch Crowdfunding-Unterstützer, die ihr Dankeschön abgeholt haben. Insgesamt war das Publikum sehr gemischt, vielleicht etwas mehr Frauen als Männer und vom Alter her zwischen 18 und 70 Jahren alles dabei. Es wurde auch schon viel gekauft, und zwar nicht nur Bücher und Kondome, sondern auch Sextoys wie Vibratoren. Sogar das teuerste Produkt im Laden, ein handgefertigtes Harness, ein Brustgeschirr aus PVC und Messinggriffen, haben wir einmal verkauft. Das hat uns ehrlich gesagt überrascht. Wir dachten, die Menschen gucken am Anfang erst mal, aber sind vielleicht noch etwas zurückhaltend, was das Shoppen angeht.«

Wenn Sie mehr erfahren wollen, klicken Sie hier oder besuchen Sie den Laden in der Caffamacherreihe 47.

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