Die Paten der Pornografie #01: Dewi James, Mitgründer von Vivid Entertainment

James McCarthy schreibt für Wales Online: »Sie haben vermutlich noch nie von ihm gehört – aber er ist Multimillionär und betreibt eines der größten Unternehmen der Pornoindustrie. Dewi James hat es weit gebracht, seitdem er mit 15 die Schule verließ, um Bergarbeiter zu werden. Eine Webseite nannte ihn mal den »zweifellos kulturell einflussreichsten lebenden Waliser«.

Heute ist der Mitgründer von Vivid Entertainment über 70 und mehrfacher Millionär. Vivid ist eines der größten Pornounternehmen der Welt. Pornos bringen offenbar mehr als Bergbau.

Sein Unternehmen hat die Sextapes von Kim Kardashian und Pamela Anderson veröffentlicht und hat einige der größten Pornostars überhaupt unter Vertrag. Darunter zählt auch Jenna Jameson. (…)

James wurde 1941 geboren und von seiner Mutter in Blaengarw, nahe Bridgend aufgezogen. Seinen ersten Job fand er wie viele Männer der Gegend in der heute still gelegten Zeche Ocean. Inzwischen konkurrieren sein Heimatdialekt mit dem kalifornischen Einschlag.

»Diese Kohlegrube existiert nicht mehr«, sagt er. »Ich war da noch ein junger Kerl. Ich denke, ich konnte die Zeichen an der Wand sehen. Ich wollte reisen. Ich glaube, deshalb bin ich wohl zur Armee gegangen.« Er meldete sich bei den Gordon Highlanders und blieb 14 Jahre lang in dem Regiment. Danach zog er auf die Bermudas und arbeitete in der Gefängnisaufsicht.

Er kam ohne die notwendigen Dokumente in die USA und konnte somit nicht legal dort arbeiten. Also war die Pornobranche ihm eine ideale Möglichkeit, Geld zu verdienen. (…) »Ich mochte das Land und konnte mir vorstellen zu bleiben, auch wenn ich illegal hier war. Der einzige Job, den ich kriegen konnte, war Barkeeper.«

Eines Abends traf er auf jemanden, der in einem Sexkino arbeitete. Sie kamen ins Gespräch und es wurde klar, dass sein Aufenthaltsstatus für die Mitarbeit in der Pornoindustrie kein Hindernis darstellte.

Bald schon nutzte er eine Gelegenheit, sich zu verbessern und gründete mit Steve Hirsch 1987 sein eigenes Unternehmen: Vivid Video.

Da Amerikaner Schwierigkeiten damit hatten, Dewi auszusprechen, änderte er seinen Namen zu Dave. Dieser Name, Dewi “David” James, hat heute den Ruf einer Legende.

Weltweit erzielt die Pornobranche 97 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr, so Kassia Wosick, Assistant Professor for Sociology an der New Mexico State University. Zwischen 10 und 12 Milliarden davon werden in den USA erwirtschaftet. Und Vivid Entertainment ist einer der größten Marktteilnehmer. 2013 war es nach Playboy und Larry Flynt Publications das drittgrößte Sexunternehmen der Welt. Bereits 2004 erlöste das Unternehmen über 100 Millionen Dollar pro Jahr mit dem Verkauf von DVDs.

Das hat sich stark geändert. »DVDs spielen kaum noch eine Rolle«, so Steve Hirsch 2014. »In den letzten fünf Jahren konnten wir einen Umsatzrückgang von etwa 80% bei DVDs beobachten – der Punkt ist erreicht, an dem es bald kaum noch Sinn ergibt, Filme auf DVD zu veröffentlichen. Das wird sicher nicht morgen geschehen, aber wir bewegen uns in diese Richtung.«

Vivid hat sich zwischenzeitlich jedoch diversifiziert, vielleicht mehr als jedes andere Pornounternehmen. 2014 gründete das Unternehmen einen Radiokanal, Vivid TV kann in 70 Millionen Haushalten empfangen werden und der Name Vivid wurde an eine Reihe von Nachtclubs in Charlotte, Miami, Los Angeles und New York City lizenziert.

Pornos werden inzwischen zum überwiegenden Teil online angesehen. PornHub, die größte Pornoseite der Welt, hält Alexa zufolge den 38. Platz unter den meist besuchten Webseiten der Welt, direkt hinter eBay und Netflix.

PornHub und ähnliche Seiten ermöglichen es ihren Besuchern, Amateurvideos, Werbeschnipsel aber auch gestohlene Inhalte kostenlos anzusehen. Aufgrund von Urheberrechtsverstößen reichte Vivid 2007 Klage gegen eine dieser Seiten, PornoTube, ein. Der Vorwurf lautete, dass das Unternehmen vom widerrechtlichen Posten von urheberrechtlich geschützten Vivid-Filmen profitiere. Der Streit wurde außergerichtlich beigelegt.

Weiteres Ungemach drohte dem Unternehmen in Kalifornien. Dort änderten sich die Gesetze dahingehend, dass am Set von Pornoproduktionen Kondompflicht herrschte. In den drei Jahren seit der Einführung hat sich die Anzahl der offiziellen Drehgenehmigungen für Pornofilme von 480 auf 26 reduziert, so FilmLA, ein Verein, der Drehgenehmigungen in der Region überwacht.

»Wir drehen in L.A. nicht mehr«, so Steve Hirsch 2014. »Wir würden gern bleiben. Das ist unsere Heimat, wo wir die letzten 30 Jahre lang produziert haben. Wenn wir nun aber zum Umzug gezwungen werden, dann werden wir das tun.«

Dewi war in jahrelang für technologische Durchbrüche verantwortlich. Vivid hat die erste DVD weltweit veröffentlicht, die die Action nach Wahl des Zuschauers aus mehreren Blickwinkeln darstellte. Die Palette an Produkten, die das Logo von Vivid tragen ist lang. Sie reicht von Kondomen bis zu pflanzlichen Heilmitteln.

Der Economist berichtete mal, dass Dewi an einem Anzug arbeite, der, wenn er von einem Partner getragen würde und mit dem Internet verbunden wäre, dem anderen Partner erlauben würde, elektrische Pulse an die empfindsamen Stellen des Partners zu senden.

»Wir haben versucht, in der Technologie die Führungsposition einzunehmen«, sagt er. »Wir waren die ersten mit mehreren Blickwinkeln und unterschiedlichen Enden, wir waren damit vor Disney und Warner Brothers am Markt.«

Und trotz der Schwierigkeiten, in der sich die Branche gerade befindet, wacht Dewi immer noch über ein Imperium, das weltweit aufgestellt ist. Aufmerksamkeit jedoch sucht er eigentlich nicht. Wir haben versucht, für diesen Artikel ein Interview mit ihm zu führen, konnten ihn jedoch nicht erreichen. Als wir es 2004 einmal schafften, war es eine große Herausforderung gewesen, ihn ans Telefon zu bekommen. Damals erzählte er, dass er so viel Zeit wie möglich auf seinem sehr großen Boot verbringen würde.

Er lebte in einem 4 Millionen Dollar teuren Haus, in einer eingezäunten Nachbarschaft in Los Angeles und besaß sechs Autos, einschließlich eines Maybachs. Man schätzt sein Privatvermögen auf 45 Millionen Dollar.

Vivid macht immer noch Schlagzeilen. Letztes Jahr soll das Kim Kardashian Sextape riesige Umsätze erzielt haben. Das Klatschmagazin TMZ berichtete, dass der Film 100 Millionen Dollar erzielt habe und 210 Millionen mal online, auf DVD und Vivid TV angesehen worden war.

Pornografie gerät immer wieder ins Kreuzfeuer der Politik, in den USA insbesondere durch die evangelikanische Rechte. Die jüngste Bedrohung dürfte Donald Trump darstellen. Obwohl der selbst einmal in einem Playboy-Video mitgespielt hat und auf dem Cover des Magazins zu sehen war, hat Trump angekündigt, gegen Pornografie vorzugehen.

Dewi dürfte auch das überstehen. Als er anfing, wurden Pornofilme von Kriminellen aus Kofferräumen vertrieben. Die sind verschwunden. Stattdessen gibt es heute Rolex-tragende Legenden wie Dewi und die Harvard-Absolventen, die er angestellt hat. Als Einwanderer hat er mit nichts begonnen. Er hat den amerikanischen Traum gelebt. »Ich hatte wohl viel Glück«, sagt er.«

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