Die Pornoindustrie fürchtet die Ära Trump

Während Donald J. Trump zwar eher liberale Ansichten zu sexuellen Inhalten haben dürfte, weiß man von dem von ihm für den Posten des Justizministers ausgewählten US-Senator Jeff Sessions aus Alabama, dass er einem moralischen Konservatismus anhängt. So hat Sessions in der Vergangenheit die Ansicht vertreten, dass der Konsum von Pornografie mit sexuellen Angriffen in der Armee im Zusammenhang stehe.

Viele in der Branche erwarten das Schlimmste, einschließlich die Rückkehr von Prozessen gegen Pornounternehmer aufgrund der Gesetze gegen Obszönität, wie es unter George W. Bush geschah und wodurch zwei Pornoproduzenten, Max Hardcore und Ira Isaacs ins Gefängnis kamen. Im vergangen Sommer hat Trump ein Gelöbnis unterschrieben, Pornografie zu verfolgen und “ernsthaft in Erwägung zu ziehen, eine Kommission einzurichten, die die negativen Folgen von Internetpornografie für die öffentliche Gesundheit untersuchen soll.“

„Ich glaube, dass sich eine Menge Leute Sorgen über ihre Zukunft machen sollten“, meint Tasha Reihn, eine bekannte Pornodarstellerin.

„Die größte Sorge ist, dass Trumps Nominierung für den Justizministerposten gegen Pornografie gerichtet ist“, sagt der Branchenanwalt Michael W. Fattorosi.

„Wir bereiten uns auf einen großen Angriff auf die Pornobranche vor“, erzählt Mike Stabile, der Leiter der Öffentlichkeitsabteilung des Branchenverbands Free Speech Coalition. „Trump wird als eher feindlich gegenüber Pornokonsum und -produktion angesehen.“

„Es bedeutet, dass FBI-Ermittler als Teil ihres Jobs den ganzen Tag Pornos schauen müssten, 40 Stunden die Woche und mehr, und alles das mit wenig Ergebnissen.“ — Meinungsfreiheits-Anwalt Jeffrey Douglas

Dennoch sagen viele Experten, dass es bisher wenig Anlass zu Sorge gäbe. Jeffrey Douglas, ein Anwalt für Meinungsfreiheitsfragen, der Max Hardcore in seinem Prozess vertreten hat, führt an, dass die Änderungen in den letzten 10 Jahren es für die Justizbehörden sehr viel schwieriger machten, auf Basis von Obszönitätsgesetzen Prozesse anzustrengen.

Sogenannte „Community Standards“, die bei der Verfolgung von Max Hardcore in konservativen Gerichtsbarkeiten angeführt wurden (in Hardcores Fall war dies Florida) seien nicht mehr so leicht zu beweisen, so Douglas. Im Fall von Max Hardcore wurden angeblich zu beanstandende DVDs über Staatsgrenzen hinweg gehandelt. Die Bush-Regierung hat dabei eine trickreiche Strategie angewendet: Sie hat Max Hardcore nicht in seiner Heimatstadt Los Angeles wegen Obszönität angeklagt, denn dort wäre es schwer gewesen, „Community Standards“ gegen ihn anzuwenden, sondern für die Gerichtsbarkeit wurde aufgrund des landesweiten DVD-Handels eine konservative Gemeinde wie Tampa, in Florida ausgewählt.

Heutzutage wäre ein Argument, dass Hardcore-Pornografie sich außerhalb der moralischen Regeln einer Gemeinde bewegt, aufgrund der Distribution über das Internet schwer stichhaltig zu belegen. Onlineanbieter von Gratispornografie haben den Geschmack auch in konservativen Orten verändert, und wie sich herausstellte, ist der Geschmack auch in diesen Regionen recht pervers.  Damit könnte man gegen den Vorwurf argumentieren, dass ein Pornoproduzent obszöne Inhalte herstellt, die gegen die lokalen Standards eines Ortes verstoßen – wodurch jedwede juristische Verfolgung in Douglas Sicht der Dinge abgewehrt werden könnte.

„Wenn Sie diese Information vor eine Jury bringen — und die Behörden würden alles tun, um das zu verhindern – ist es nicht abwegig, anzunehmen, dass die Konsumenten nicht nur außerhalb von Tampa leben“, führt er aus.

Douglas denkt außerdem, dass die Akteure der Branche inzwischen komplexer und vielfältiger seien, wodurch es schwieriger würde, sie zu verfolgen. Das Mutterunternehmen des größten Onlineanbieters für Pornografie, MindGeek, hat seinen Sitz in Luxemburg. Größtenteils funktioniert es wie YouTube, also als Plattform, auf der andere Inhalte hochladen. Douglas meint, dass die Behörden völlig überlastet damit wären, alle an der Distributionskette beteiligten Personen ausfindig zu machen und zu verfolgen.

„Es bedeutet, dass FBI-Ermittler als Teil ihres Jobs den ganzen Tag Pornos schauen müssten, 40 Stunden die Woche und mehr, und alles das mit geringen Ergebnissen.“

Außerdem ist das, was unter der Bush-Regierung noch als obszön galt, inzwischen weitverbreitete Praxis in der Pornografie. „Ganz gleich, welche Kategorie oder wie extrem ein Porno auch sein mag, es wäre ein Leichtes, tausende ähnliche Videoclips zu finden, die in der gleichen Kategorie sind“, so Douglas.

Bisher haben die Produzenten ihre Vorgehensweise nicht umgestellt, berichten Insider, aber es ist noch zu früh, um mit Sicherheit sagen zu können, ob Trumps Sieg eine abschreckende Wirkung auf die milliardenschwere Pornoindustrie und die Inhalte, die sie produziert, haben wird.

„Ich denke, dass es eine nachvollziehbare Nervosität in der Branche gibt“, sagt Douglas. „Die Kunden jedoch werden dies kaum zu spüren bekommen.“

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