Porn-o-nomics: Warum eine milliardenschwere Branche Schwierigkeiten hat, Geld zu verdienen

Pornografie ist allgegenwärtig. Man findet sie auf Handys, Laptops, Speicherplatten, Disketten und überall im Internet. Kostenlose Videoclips sind nur wenige Klicks entfernt, doch trotz dieser Omnipräsenz befindet sich die Pornobranche in einer Krise.

Pornoproduzent Mike South erzählt im Interview mit Brent Bambury, dem Moderator von Day 6, dass Pornos keine Goldesel mehr sind.

South, der seit über 20 Jahren in der Branche aktiv ist, erzählt in dem Interview, dass die Migration der Inhalte ins Internet und die nachfolgende Onlinepiraterie von urheberrechtlich geschützten Materialien das Ende einer Ära eingeläutet hat.

„Wir hatten Jahre lang die Eier legende Wollmilchsau“, sagt er. „Wir sind durch die Gegend gerannt und haben die Eier eingesammelt, haben aber dabei die Wollmilchsau nicht beschützt.“

Laut South haben die Leute hinter dem Produkt finanzielle Einbußen hinnehmen müssen.

„Die meisten mussten sich arbeitslos melden“, sagt er.

„Wir hatten Jahre lang die Eier legende Wollmilchsau.“ – Mike South, Pornoproduzent

South fügt hinzu, dass die Übergangsphase für jene Darsteller besonders hart gewesen sei, die in der Blütezeit der Branche angefangen haben und sich an den damit einhergehenden Lebensstil gewöhnt haben. Als das Geld knapper wurde, haben diese Darsteller angefangen, andere Einkommensströme zu erschließen, und das schloss Prostitution mit ein.

„Als ich in der Branche 1992 angefangen habe, war das eine eng verwobene Branche. Da war keiner dabei, der sich prostituierte, und wenn doch, dann wurde das versteckt, blieb unter dem Radar“, sagt er.

South führt fort, dass man damals sehr bewusst mit der Gefahr umgegangen ist, Geschlechtskrankheiten bekommen zu können, und auch deshalb war es schlecht angesehen, wenn man als Prostituierte tätig war.

„Heutzutage kann ich die Anzahl an Frauen, die sich nicht verkaufen, an einer Hand abzählen.“

Mit der Zeit gehen

South, dessen bürgerlicher Name Strother ist, war mal ein Softwareentwickler für verwaltete Datenbanken im Marshall Space Flight Center der Nasa in Huntsville, Alabama. Bevor er in die Pornobranche einstieg, arbeitete er als Hardware-Berater.

Sein Hintergrund hat ihm geholfen, vom traditionellen Distributionsmodell mit DVD/Blu-Ray zum Internetvertrieb zu wechseln, ein Schritt, der ihm zu einer Zeit, als er sich vollkommen hinter den Trends seiner Branche wähnte, vollständige Kontrolle über sein Produkt gab.

„Es scheint, als wäre es heute aggressiver, brutaler, Pornografie zeigt Sex heutzutage in einer Weise, mit der ich mich nicht wohl fühle“, sagt er.

South produziert und dreht seine eigenen Filme in Atlanta, Georgia und veröffentlicht sie auf seiner Webseite mikesouth.com. Er war auch als Blogger in der Pornobranche bekannt, hat dies jedoch kürzlich aufgegeben.

Die örtliche Pornoszene in Atlanta ist im Vergleich zu Kaliforniens San Fernando Valley, auch bekannt als „Porn Valley“, sehr klein, aber das ist genau der Grund, weshalb South sich hier wohlfühlt.

Er fühlt sich wohler, wenn er mehr Kontrolle hat, und er ist immer noch im Geschäft, während einige der größten Pornounternehmen in L.A. erhebliche Umsatzeinbußen hinnehmen mussten.

„Vivid stellt inzwischen gar keine Filme mehr her. Wicked Pictures hat die Produktion im Vergleich zu der Zeit vor 10 Jahren um 75% zurückgefahren, da der Markt einfach nicht mehr da ist.“

Das neue Verdienstmodell

South meint, dass es unwahrscheinlich sei, dass die Branche je wieder so wird, wie sie einmal war. Allerdings gäbe es ein neues Verdienstmodell, das keine Prostitution erfordert.

„Die Zukunft der Pornografie ist, dass eine Frau Sex mit ihrem Ehemann hat und das eigene Produkt an ein eigenes Publikum vermarktet“, sagt er und fügt hinzu, dass eine auf Abonnements gestützte Webseite Unabhängigkeit und berechenbares Einkommen verschafft.

„Ich kann ihnen ein halbes Dutzend Frauen aufzählen, von denen Sie noch nie gehört haben, die Jenna Jameson kaufen könnten, so viel Geld haben die eingenommen.“

Die in Montreal beheimatete Pornodarstellerin Shana Lane setzt dies bereits um. In einem Video für Day 6 (s.u.), sagt Lane, dass verstärkte Interaktivität Darstellern helfen kann, höhere Gewinne einzufahren.

„Man muss auf seiner Webseite wirklich interaktiv sein. Man muss seinen Kunden antworten“, sagt sie. „Man muss den Leuten zeigen, dass man wirklich selbst antwortet.“

Webcams: unmittelbar hier und jetzt

Lynn Comella hat soeben zwei der größten Sexmessen der USA besucht und hat einen anderen Ausblick auf die Zukunft der Branche gewonnen.

„Eine der größten Veränderungen ist der Aufstieg der Webcamdienste zu einem der Hauptakteure der Branche“, sagt sie.

Comella, Professorin für Gender Studies und Sexualität an der University of Nevada, Las Vegas, sagt, dass Webcamangebote Unmittelbarkeit verheißen und für jene Darsteller sehr profitabel sind, die eigene Webcamstudios betreiben.

„Anders als traditionelle Formen der Pornografie, die in L.A. gedreht werden und dann entweder auf DVD gepresst oder online zur Verfügung gestellt werden, bieten Webcam-Angebote den Darstellern die Möglichkeit, direkt mit ihren Kunden zu interagieren“, so Comella.

Die Kunden zahlen für die Interaktivität und die Möglichkeit mit den Darstellern in Kontakt zu treten und beeinflussen zu können, was sie sagen, anziehen oder vor der Kamera tun.

Wie in jedem anderen Geschäft sei der Schlüssel, so Comella, viele Kunden auf das eigene Angebot aufmerksam zu machen, und viele der Darsteller erreichen das durch die sozialen Medien.

„Man kann auf Twitter gehen und ankündigen, dass die nächste Show in 10 Minuten beginnt. Interessenten können dann einfach auf den jeweiligen Link klicken“, erklärt sie.

Wenn es den Darstellern gelingt, ihre Kunden dazu zu bekommen, ihre Webseite über einen Partnerlink aufzusuchen, erhalten sie einen größeren Anteil an den Umsätzen der jeweiligen Firma.

Der Aufstieg der VR-Pornografie

Über das Potential von virtueller Pornografie ist schon viel berichtet worden, doch Comella denkt, dass die Technologie noch zu jung, zu wenig ausgereift und zu teuer sei, um Teil des Mainstreams zu werden.

„Die Unternehmen warten erst mal ab. Sie sind noch nicht vollkommen überzeugt, dass es eine Nachfrage geben wird, die es rechtfertigt in die notwendige Infrastruktur zu investieren“, sagt sie.

Sie verweist auch darauf, dass VR-Angebote – derzeit – erhebliche Nachteile haben, dazu gehören der Preis, die umständlichen Headsets und die Ladezeit.

„Das zerstört die Spontanität des Pornokonsums, da man die Technologie erst einrichten muss“, merkt sie an.

Comella glaubt, dass Webcams und VR-Pornos unterschiedliche Erfahrungen ermöglichen, doch wenn es darum geht, für welche der beiden Technologien die Kunden bereit sind zu zahlen, setzt Comella eher auf Webcams.

„Das Urteil über VR-Pornos ist noch nicht gesprochen“, sagt sie. „Aber ich glaube nicht, dass das für Webcams gilt. Die Menschen bezahlen bereits gutes Geld dafür, Teil der Webcamwelt sein zu dürfen.“

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