Porno-Männer fordern Gleichstellung

Die Männer der Porno-Industrie protestieren: Frauen erhalten für ihre Arbeit viel mehr Lohn als sie. Tatsächlich aber verbirgt sich hinter der traurigen Klage eine ganz andere wichtige Botschaft.

porno_maenner fordern gleichstellung

Es ist eine Schweinerei, die enttäuschte Männe beklagen: Frauen verdienen mehr Geld. In der Porno-Industrie sind sie die Besserbezahlten, Männer hingegen haben das Nachsehen. McCann Madrid hat diesen Umstand für einen schlauen wie eingängigen Spot genutzt. Die Agentur hat traurigen Männer in einschlägigen Porno-Rollen (Klempner, Stallbursche, Pool-Boy, Tennis-Lehrer) vor die Kamera geholt, die trotzig zitieren: „Obwohl die Verfassung uns gleichstellt, verdienen Frauen einfach mehr.“

Er habe ja nichts gegen Frauen, sagt ein anderer: „Meine Mutter ist eine Frau, meine Schwester, meine Freundin“ – aber er verdiene weit weniger als seine Kollegin.

Tatsächlich prangert der Spot aber gar nicht das Ungleichgewicht in der Filmbrache für Erotik an. Denn, so zeigt es der überraschende Twist zum Ende: Die Porno-Industrie ist die einzige Branche, in der Frauen mehr verdienen als Männer.

McCann hat diesen TV-und Social-Media-Spot für die Nicht-Regierungsorganisation IBWomen entwickelt, der die Ungleichheit in der Bezahlung schlau auf den Punkt bringt. Es sind ausschließlich die Männer, die sich hier kritisch äußern, und keine Klageweiber, deren Ruf vielleicht schon zu oft gehört und deswegen überhört wurde.

Das Video ist Teil einer Kampagne unter dem Titel „ObsceneGap“, die die anhaltende Ungleichbehandlung von Frauen weltweit auf die Agenda setzt. Kampagnenstart war zum Equal Pay Day in den USA. Der Anlass scheint nicht aus der Luft gegriffen: Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und des Weltwirtschaftsforums (WEF) prognostizieren, dass bei den bisherigen Anstrengungen, die „obszöne Kluft“ in der Bezahlung von Frauen und Männern erst im Jahr 2152 geschlossen würde. Die Kampagne wirbt um Unterstützung für eine entsprechende Online-Petition der IBWomen auf.

Man wolle kreativ Entrüstung hervorrufen, erklärt Monica Moro, Chief Creative Officer, McCann Madrid: „Die provokante Frage, die wir also aufgreifen, lautet: Müssen Frauen wirklich in die Pornographie gehen, um mehr als Männer zu verdienen?“

„Der Film nennt die Ungleichbezahlung von Frauen und Männern beim Namen: obszön“, sagt dazu Maria-Jesus Alonso, Vorsitzende von IBWomen, „spielen wir diese Ungerechtigkeit weiter durch, dann bedeutet 25 Prozent weniger Bezahlung heute, 30-40 Prozent weniger Rente für Frauen morgen.“


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