Rundgang über Erotikmesse in Nürnberg: Zwischen Orgasmus-Center und Sadomaso-Show

Infranken.de: "n der Arena fand die neunte Erotikmesse in Nürnberg statt - vielleicht das letzte Mal. Ein Rundgang zwischen Dildos und Dreier-Shows."

Foto: Pelke

Infranken.de berichtet “Die Erotikmesse findet 2017 bereits zum neunten Mal in Nürnberg statt. Dass die Veranstaltung in den nächsten Jahren noch mal sein wird, daran zweifeln selbst eingefleischte Fans.

Mit Erotik hat diese Messe auf den ersten Blick wenig zu tun. Grell leuchten die Farben der Höschen. Noch greller leuchten die Dildos, die dem Besucher an den Verkaufsständen in der Nürnberger Arena ins Auge springen. Die Kundschaft ist erstaunlich spärlich an diesem Sonntagabend. Selbst bei den “Spielfilmen” mit Titeln wie “Porträt einer Lady” stöbert nur ein Kunde müde in den Regalen mit den bunt verpackten Videoscheiben, die häufig noch eindeutigere Titel tragen.

Im hinteren Teil der Arena ist dagegen die Stimmung prächtig. Auf der Bühne schwingt ein Mann im “Captain Jack Sparrow”-Kostüm sein bestes Stück durch die Luft. Viele Zuschauer im Publikum haben die Handykamera gezückt. Männer mit größeren Linsen drücken in der ersten Reihe auf den Auslöser. “Wir lassen uns von den Männern nicht mehr abschrecken”, sagt einer der Hobbyfotografen in der ersten Reihe und verweist auf die nächste Show, die erst in einer Stunde stattfindet.

Dann würden sich drei Frauen aufreizend auf der großen Bühne räkeln. Im Fachjargon heißt so etwas “Threesome”. Auf Deutsch würde man wohl “Dreier” dazu sagen.

Derweil eilt der bekannte Hollywood-Pirat mit nacktem Po von der Bühne. Die rund 30 Zuschauer schauen etwas missmutig drein. Dann gehen nebenan die Scheinwerfer an. Ein Mann bindet eine Frau mit Lederriemen an Händen und Füßen fest. Dann stopft er der spärlich bekleideten Gespielin – offensichtlich mit deren Zustimmung – eine billardgroße Kugel in den Mund. Sprechen kann die Blondine mit dem schwarzen Laxtex-Bikini nun offensichtlich nicht mehr. Die Augen weit aufreißen kann sie aber gut. Die Zuschauer sehen zu. Dann nimmt der Mann eine Reitgerte und schlägt der Dame mit derselben sanft aber bestimmt auf das entblößte Hinterteil. Eine Frau um die 30 zerrt ihren Begleiter zum nächsten Stand. “Wollen Sie etwas ausprobieren?”, fragt eine Verkäuferin mit imposanter Oberweite die verdutzte Kundschaft. Die Frau schüttelt den Kopf und betrachtet stattdessen die Auslegeware mit dem Erwachsenenspielzeug in Gurkenform.

Auf den Verpackungen werden die Fähigkeiten der bunten Silikonpenisse ausführlich angepriesen. Der eine soll aufgrund seiner entgegengesetzt rotierenden Massage-Perlen besonders toll prickeln. Das andere Model dem Nutzer aufgrund “verrückten Perlen” ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Batterien sind bei den meisten Vibratoren allerdings nicht dabei.

Dafür ist die Schlange vor dem “Orgasmus-Center” kurz. Drei Halbstarke überlegen sich eine zeitlang, ob sie die zusätzlichen zehn Euro zum regulären Eintrittspreis in Höhe von 20 Euro “investieren” wollen. Die Entscheidung ist relativ schnell gefallen. Drinnen erkennt der aufmerksame Besucher der Erotikmesse sofort das pinke Modell mit dem Namen “Smile” wieder, das die Dame auf der Bühne des Orgasmus-Centers gerade in Händen hält. Ein handvoll Besucher verfolgt das bizarre Schauspiel, das mehr anatomischer statt erotischer Natur ist. Hinter dem dunklen Samtvorhang bekommen die anderen Messebesucher davon nichts mit. Zum Glück möchte man sagen. Selbst wenn der Eintritt erst ab 18 Jahren erlaubt ist.

Derweil geht der normale Messebetrieb in der Arena weiter seinen gewohnten Gang. Die Sadomaso-Show ist bereits zu Ende. Die Utensilien hat das Paar wohl für die nächste Nummer achtlos auf den Boden fallen lassen.

Vor der großen Bühne gehen die Männer mit den Profikameras in Position. “Wir machen das nur zum Spaß”, sagt einer der Fotografen und erklärt, dass immer weniger Besucher zur Erotikmesse kommen würden. Er glaube nicht daran, dass die Veranstaltung eine Zukunft habe. Selbst wenn die Veranstalter die ganze Stadt mit Plakaten zukleistern würden. Die Konkurrenz aus dem Internet sei einfach zu stark, findet er. Das Zwischenmenschliche gehe dabei allerdings verloren. Auf dem Heimweg ruft die Dame an der Kasse dem Journalisten hinterher: “Schreiben Sie etwas schönes über uns.” Nun ist das mit der Schönheit freilich so eine Sache. Denn die, das weiß nicht eigentlich nicht nur jedes Kind sondern besonders auch jeder Besucher der Erotikmesse, liegt zum Glück im Auge des Betrachters.”

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here