Dürfen wir vorstellen? Der Mann, der Pornos wieder großartig machen will

LAS VEGAS, Nevada – Samtvorhänge und stiernackiges Überwachungspersonal wachen über den Bereich. Um hineinzukommen, muss man zunächst eingelassen werden und dann ein paar Stufen hoch steigen – gerade genug, um die Menschen im Bereich über die Außenstehenden ragen zu lassen. Innen präsentiert sich dem Betrachter eine eigene Welt: ein Schwall wunderschöner, großbusiger Frauen in passenden Outfits, die Autogramme geben, sich mit Fans unterhalten und sich am Stand räkeln. Im hinteren Bereich befindet sich eine offene Bar namens “Sex on the Beach”, eine freche Verneigung vor der AVN Adult Entertainment Expo, die jährlich in Las Vegas stattfindet. Neben den atemraubenden Stars und schmackhaften Getränken fallen im Vergleich zu anderen Ständen auch die Fotoecken, die goldenen Sofas, die mit Pokalen übersäten Wände und ein großer Turm aus personalisierten Muffins ins Auge – der Schriftzug auf der Glasur der Muffins trägt die Namen der Firmen: Blacked, Tushy und Vixen. Hunderte von Pornofans unter den Besuchern der Convention halten hier, um die Szenerie zu bestaunen, die eher einem Abend in den Hügeln von Hollywood gleicht als einer Marketingveranstaltung auf einer Sexmesse.

Im VIP-Bereich dieses erstklassigen Stands auf der wichtigsten Pornomesse der Welt hält Greg Lansky Hof. Er ist die Antwort der Pornografie auf Steven Spielberg: der zum zweiten Mal mit dem AVN Director of the Year Award (2016, 2017) ausgezeichnete Lansky ist der Chief Creative Officer der Pornostudios Blacked, Tushy und Vixen. Der gebürtige Franzose hat sich in der heißumkämpften Branche mit kunstvoll gefilmten, hochauflösenden Pornofilmen eine Nische geschaffen. Seine Kritiker versuchen seine Filme oft als “zu soft” zu diskreditieren, doch der 34-jährige Unternehmer glaubt, dass Fans bereit sind, tiefer in die Hosentasche zu greifen, um eleganten Sex sehen zu können. Bisher ist diese Wette aufgegangen.

“Als wir die Firma gegründet haben, sprach eigentlich alles gegen uns”, erzählt Lansky in einem Interview mit The Daily Beast. “Ich glaubte, dass es einen Markt für erstklassige Erwachsenenunterhaltung gibt. Es geht dabei darum, die feine Grenze zwischen Langeweile und Albernheit zu finden und auf dieser dünnen Linie zu wandern. Wenn man es zu stark übertreiben muss, heißt es in der Regel, dass es verkrampft wird, also meiner Meinung nach.”

“Unser Unternehmen ist drei Jahre alt, und es ist das erste Jahr, dass wir einen Stand [auf der AEE] haben”, fährt er fort. “Vor zwei Jahren waren hier nur drei Leute: ich, meine Frau und mein Partner. Das war Home Office. Wir sind schnell gewachsen.”

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Was sein Portfolio angeht, spezialisiert sich Blacked auf Pornos mit Interracial-Szenen; Tushy kümmert sich um Analszenen, Vixen schließlich wirbt damit, “schöne Mädchen in ihren ersten Pornovideos” zu zeigen. Letztes Jahr hat die Blacked-Produktion “Being Riley” mit 5 Auszeichnungen die meisten AVN-Awards (die Oscars der Pornowelt) überhaupt gewonnen.

“Es ist wichtig, dass wir zeigen, dass wir das Geld nicht einfach nur in dumme Werbung oder billige Inhalte reinvestieren. Wir investieren in die Produktion von besseren Inhalten für unsere Fans, und wir investieren in die Pornobranche und in diesen Stand”, sagt Lansky und zeigt durch den Raum “es ist eine wunderbare Plattform für Pornodarsteller sich auszudrücken.”

Lansky vermeidet Trends, indem er bei stur bei seiner eigenen, einzigartigen Vision bleibt: Konzentration auf eine Ära der Pornobranche, die er als junger Mann selbst genossen hat, ein Rückblick auf eine glamourösere Zeit, in der die Pornobranche reich an Stars war. Das ist etwas, das sein Stand bei der AEE klar dadurch kommuniziert, dass die Darstellerinnen des Unternehmens in sorgsam abgestimmten rosa Roben mit makellosem Makeup auftreten und durch Wachpersonal begleitet werden. “Unser Ziel ist es, unsere Darsteller stolz auf ihre Arbeit zu machen. Man muss die Leute nicht unterbrechen, ihnen nichts in die Kehle rammen. Wenn Du gut bist, werden sie über Dich reden”, sagt er.

Die Zukunft der Branche und des Marketings liegt in den sozialen Medien. Porno-Unternehmen müssen in einem sehr schwierigen Umfeld agieren, doch Lansky setzt auf einen zurückgenommenen Ansatz, um ein größeres Publikum erreichen zu können. “Pornounternehmen müssen lernen, wie sie ihre sozialen Medien publikumsverträglich ausrichten – so dass sie auch auf der Arbeit von dem Publikum, das die Marke mag, verfolgt werden kann. Wenn die Leute die Grenze überschreiten möchten, Inhalte ab 18 anzusehen, können sie auf den Link klicken”, so Lansky. “Wir haben fast zwei Marken in einer: eine, die im Arbeitsumfeld aufgerufen werden kann und eine, bei der das nicht geht.”

Die neue Strategie hat er bereits für Instagram angewendet. Dort haben seine drei Webseiten zusammen genommen über eine halbe Million Follower. Die Instagram-Profile zeigen keine Nacktheit, wodurch sie den Ansprüchen sozialer Netzwerke gerecht werden. “Vor einem Jahr habe ich mich entschieden, die Dinge ein bisschen zu verändern und alles für den Arbeitsplatz tauglich zu machen”, erzählt Lansky. “Ich glaube, die Leute können eine Marke für Erwachsene und Pornodarsteller gut finden, ohne dass man es bis an die Grenze treibt. [Es gibt] keine Nacktheit, nur Dinge, die Instagram erlaubt.”

“Ich versuche ein Produkt zu erschaffen, von dem sich die Darsteller inspiriert fühlen, auf das sie stolz sind, die Werbung funktioniert dann von selbst”, erklärt er. “Das ist keine sonderlich komplizierte Strategie.”

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Und doch ist wie bei jedem anderen Unternehmen, das versucht profitabel zu bleiben, die Onlinepiraterie ein Problem. Lanskys Unternehmen sind dagegen nicht immun, allerdings hat er sich dazu entschieden, das Problem direkt anzugehen. “Wir haben ein ganzes Team, das sich um diese Kärrnerarbeit kümmert”, sagt er. “Wir haben in der Branche den Ruf, dass wir derlei Missbrauch nicht hinnehmen. Wir werden jeden verfolgen, der unsere Filme stiehlt. Allerdings kann natürlich niemand Piraterie vollständig abschaffen.”

Seltsamerweise war es gar nicht Lanskys Strategie, einem breiten Publikum gefallen zu wollen – ganz im Gegenteil. Als er in die Branche einstieg, wollte er jene am Rand, die Leute, die Erwachsenenunterhaltung wirklich liebten und nicht mehr bedient wurden, für sich gewinnen. “Wir gefallen nicht jedem, aber ich möchte auch nicht für alle sein. Ich will die Leute in der Mitte gar nicht. Ich will die Leute an den Rändern, die sich für Qualität interessieren”, so Lansky. “Die breite Masse ist heutzutage gut darin, alles zu ignorieren. Tube-Seiten sind durchschnittliche Produkte für durchschnittliche Leute. Ich wollte bemerkenswerte Inhalte für leidenschaftliche Menschen schaffen. Ich wusste, dass, wenn wir es richtig angingen und unsere Kunden respektierten, dass unsere Inhalte ein Publikum finden würden.”

Lansky ist vor allem ein Pornokenner. Er sieht sich als “alte Schule” und lehnt die Bezeichnung “Pornograf” vollkommen ab.

“Sie nennen es Porno, ich nenne es Kunst. Ich bin stolz auf meine Arbeit”, sagt er. “Ich kann das Wort Porno nicht einmal leiden. Es klingt für mich eher wie ein Urteil: Pornografie. Früher hat man Playboy Pornografie genannt, aber Playboy ist kein Porno. Irgendwie wurde das so angenommen. Davor nannte man Gemälde Pornografie. Also nein, ich halte uns nicht für pornografisch. Ich denke, dass unsere Arbeit schön ist. Wir sind Künstler, und Pornografie sollte als solche betrachtet werden.”

 

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