Google verstärkt die Anstrengungen, ‚anstößige‘, ‚beleidigende‘ Inhalte zu filtern

MENLO PARK, Kalifornien — Google hat eine neue Initiative gestartet, um “anstößige” oder “beleidigende” Inhalte aus seinen Suchergebnissen zu beseitigen.

Mitarbeiter der Review-Abteilung des Suchmaschinenkonzerns haben auch bisher bereits Seiten gesichtet und beispielsweise Inhalte wie Pornografie extra gekennzeichnet. Nun jedoch kümmern sie sich auch um Seiten, die “anstößig” oder “beleidigend” sind.

Die neue Kategorie „anstößig-beleidigend“ bedeutet, dass Tausende von freien Mitarbeitern, die normalerweise Suchergebnisse evaluieren, nun auch daran mitwirken, anstößige und beleidigende Inhalte im Algorithmus herunterzustufen.

So genannte “Quality Raters” können so Inhalte mit dem Label „anstößig-beleidigend“ versehen. Dieses soll laut Google in folgenden Fällen zum Einsatz kommen:

  • Bei Inhalten, die aufgrund von bestimmten Kriterien wie Rasse, ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht, Nationalität oder Staatsbürgerschaft, Behinderung, Alter, sexuelle Orientierung oder Veteranen zu Hass oder Gewalt gegen bestimmte Gruppen aufrufen;
  • Inhalte mit rassistischen Bemerkungen oder extrem beleidigenden Begriffen;
  • Gewaltdarstellungen, einschließlich Gewalt gegen Tiere und Kindesmissbrauch;
  • Ausführliche Beschreibungen oder Anleitungen zu schädlichen Verhaltensweisen und
  • Andere Inhaltsformen, die Nutzer in ihrem Gebiet extrem störend oder beleidigend finden.

Die Nachricht über die jüngste Google-Initiative wurde zunächst auf dem Blog Search Engine Land veröffentlicht.

Googles Anstrengung, das Netz stärker zu filtern, sorgt unter Branchenvertretern indes für hochgezogene Augenbrauen. Viele fragen sich, ob das gegenwärtige politische Klima in den USA für den Schritt verantwortlich ist.

Colin Rowntree, der die Sexsuchmaschine BoodiGo.com mitbegründet hat, hat dies in einem Interview mit XBIZ bestätigt.

“Meine Lesart ist so, dass es wie beim Ausschluss von Fetlife.com durch MasterCard darum geht, rechtlichen Schritten zuvorzukommen, während alle im E-Commerce-Bereich derzeit abwarten und zuschauen, wie das Justizministerium der Regierung Trump mit Bezahlungsdienstleistern, Inhaltsproduzenten und Nachrichtenmagazinen umgehen wird, die Dinge veröffentlichen, die das Ministerium für eine Verbreitung im Netz für ungeeignet hält” so Rowntree, der auch die BDSM-Seite Wasteland.com betreibt.

Rowntree sagt, dass der Google-Vorstoß zunächst vielleicht gegen rassistische White Power-Seiten gerichtet sei, dass jedoch, sobald diese Art des Flaggens etabliert ist, überall bei Google SERP pornografische Inhalte als “anstößig” oder “beleidigend” gemeldet werden könnten.

“Hey, [wenn die Regierung Trump] versuchen kann, mit dem neuen Haushalt die Sesamstraße und die öffentliche Finanzierung von Rundfunkanstalten auszuschalten, wenn die also Ernie und Bert angreifen können, wie steht es dann erst um uns?

“Google bemerkt solche Sachen natürlich, und die gegenwärtige Entwicklung ist einfach ein strategischer Schritt, um eventuelle Haftungen zu minimieren, sollte Google in die Schusslinie geraten.”

Rowntree weist auch auf die fragwürdige fachliche Eignung der “Quality Rater” hin.

“Wer sind diese ‘Quality Rater’?”, fragt er. “Es klingt ein bisschen wie vor ein paar Jahren die Editoren bei DMOZ und die heutigen Editoren bei Wikipedia. Beides völlig betrügerische und korrupte Gruppen.”

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here