Onlinehandel sorgt für harte Zeiten

Mit Sexspielzeug lasse sich gemäss Libosanchef Thomas Scheurer kaum Geld verdienen.

Libosan-Sexshops in Herisau

EROTIKBRANCHE Schweiz ⋅ Die Schliessung des letzten Sexshops in Herisau stösst dem Geschäftsführer von Libosan sauer auf. Er schiesst gegen die Konkurrenz im Internet. Darunter befindet sich auch eine prominente Mediengruppe.

Die Schliessung des Libosan-Sexshops in Herisau fördert Erstaunliches zu Tage. Denn mitverantwortlich für das Aus soll das Medienunternehmen ProSiebenSat.1 sein. Dieses betreibt den Onlineshop Amorelie, bei welchem man Sexspielzeuge und erotische Wäsche bestellen kann.

Solche Anbieter werben auch vermehrt im Fernsehen. Paare erzählen dabei von ihren Erfahrungen, die sie mit den verschiedenen «Spielsachen» gemacht haben. Thomas Scheurer, dem Geschäftsführer der XL Media AG, welcher die Marke Libosan gehört, ist die Konkurrenz im Internet ein Dorn im Auge. Besonders weil sie sich als Lifestyle-Onlineshop rund um Sex und Liebesleben bezeichnet. «Von wegen Lifestyle, Fakt ist, dass alle das Gleiche anbieten wie wir», sagt Scheurer. Zudem bezeichnet er die Branche als völlig überschätzt. «Um den Versand von Sexspielzeug über das Internet ist leider ein unglaublicher Hype entstanden. Investoren sind der felsenfesten Überzeugung, dass da sicherlich irgendwie Geld zu machen sei und schmeissen ihre Millionen aus dem Fenster», so Scheurer.
Ständig auf frisches Geld angewiesen

Er bezieht sich dabei auf die Geschäftsberichte 2015 und 2016 der Sendergruppe ProSiebenSat.1, der seit gut zwei Jahren 75 Prozent von Amorelie gehören. In diesen kann man nachlesen, dass Amorelie ein Minus in Millionhöhe erwirtschaftet hat. Überdies weist das Unternehmen ein negatives Eigenkapital von 4,9 Millionen Euro auf und sei somit ständig auf frisches Geld angewiesen. Der 56-jährige Betriebsökonom, der seit 1988 in der Branche tätig ist, sagt ausserdem, dass eine verlustreiche Markteroberung, wie sie von ProSiebenSat.1 angestrebt werde, nur Sinn ergäbe, wenn die Kunden anschliessend treu und kontinuierlich weiter- kaufen würden. Für ihn sei jedoch klar, dass es sich beim Kauf und bei der Benutzung von Sexspielzeugen häufig um eine vorübergehende Sache handle. Er fügt zudem hinzu, dass die Kundentreue bei Onlinekäufern gegen null gehe. «Vor jedem weiteren Kauf orientieren sich die meisten neu und bestellen dort, wo’s gerade passt.» Erschwerend sei überdies, dass Sexspielzeuge nur kleine Margen aufweisen würden und sich damit kaum Geld verdienen lasse, im Gegensatz zu den Erotik-DVDs von früher.

Bei Amorelie beurteilt man die Situation völlig anders. «Natürlich ist man im Onlinehandel einem starken Wettbewerb und stetigen Veränderungen ausgesetzt. Dass man sich keine Kundentreue aufbauen kann, stimmt unserer Meinung nach jedoch nicht», so das Statement von Pressesprecherin Anne Gröschel. Man habe eine sehr treue und grossartige Community von der man über die diversen Kanäle wie den Kundenservice oder auf Social Media «enorm viel positives Feedback erhalte». «Das geht sogar so weit, dass sich Kunden bei uns für ihre gerettete Ehe oder wiederbelebte Partnerschaft bedanken.»
Gesamtheitliche und nachhaltige Bereicherung

Zudem empfinde man bei Amorelie, dass es sich beim Kauf von Sexspielzeugen um eine gesamtheitliche und nachhaltige Bereicherung einer Paarbeziehung oder der eigenen Sexualität handle. Deshalb stelle es nicht einfach nur einen schnelllebigen Trend dar. «Mit unserer Mission holen wir Sextoys aus der Schmuddelecke und sprechen bewusst eine breite Zielgruppe an, die sich für ihr Liebesleben inspirieren lassen möchte.» Dies seien vor allem Personen, die sich oft von den bisherigen Händlern mit dubiosen Ladengeschäften, oftmals mit recht sexistisch anmutendem Produktsortiment, abgeschreckt fühlten, so das Unternehmen, welches das Ziel verfolgt, die grösste Lifestyle-Plattform zu werden, für alles was Intimität, Körperlichkeit und Sinnlichkeit im Leben fördert.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here