Sextech-Branche beschuldigt Facebook und PayPal der Zensur

Mallory Locklear berichtet für Vice.com: Die Tech-Unternehmen können nicht zwischen sex-positiven und pornografischen Inhalten unterscheiden.
Kris Jandler ist Mitbegründer und CMO von Emojibator, der freche Vibratoren in der Form von Emojis produziert. Zurzeit wird eine Aubergine-mit-Chilipfeffer-Version angeboten. Seit der Gründung von Emojibator sind dem Unternehmen mehrere Hürden beim Versuch begegnet, online Werbung für sein Produkt zu machen. Die Facebook-Seite war von Anfang an eine No-Go-Area. »Selbst, wenn wir nur ein Bild einer echten Frucht gepostet haben, wurde uns das nicht erlaubt», so Jandler. »Das ist eine immense Benachteiligung der gesamten Branche.«

Letzten Samstag war New York Austragungsort des ersten Sextech Hackathon. Sextech umfasst alle Technologien, die die sexuelle Erfahrung des Menschen verbessern oder revolutionieren. Der Hackathon bringt Branchenführer der Sextech-Industrie, Sex-Kommunikatoren und einige Dutzend Entwickler für ein Brainstorming zusammen, bei dem neue Geräte und Programme entwickelt werden sollen. Doch wie Jandler begegnet auch diesen Menschen bei ihrer Arbeit die gleiche ausufernde Online-Zensur.

Selbst die Organisatoren des Hackathon selbst hatten Schwierigkeiten, ihr Event auf Facebook zu bewerben. Der CEO von Fantasy App, Andriy Yaroshenko, gehört zum Orga-Team der Veranstaltung. Er erzählt, dass er 100 Mal versucht hat, Werbekampagnen für das Event zu schalten, dass er dabei aber meistens abgelehnt wurde.

SexTech New York Hackathon Organisatoren und Sprecher: Mal Harrison, Andriy Yaroshenko, Bryony Cole and Kris Handler. Image: sextech.nyc

 

»Ich sagte mir, ‘Ich bin doch kein Sextoy. Ich veranstalte einen informativen Hackathon. Das ist nicht Porno. Das ist keine Unterhaltung’«, so Yaroshenko. Auch LinkedIn aber hat seine Werbeanzeigen blockiert.

Ähnliche Probleme ergaben sich für andere sexpädagogische Gruppierungen. Mal Harrison, ist die Leiterin des Center for Erotic Intelligence, einer Gruppe von Forschern, Sexologen, Medizinern und Therapeuten, die sich auf Sexerziehung, Politik und Forschung spezialisiert haben. Von 2011 bis 2014 arbeitete sie als Sexologin und Digitalexpertin für das New Yorker Museum of Sex. Sie erzählt, dass Facebook die Seite des Museums mehrmals gesperrt habe.

Es ist nicht nur Facebook, auch andere Tech-Unternehmen verhalten sich ähnlich. Jandler sagt, dass der Emojibator PayPal nicht für seine Verkäufe nutzen durfte. Wenn sie oder einer ihrer Kollegen einen Verkaufstisch betrieb, mussten sie dafür ihre persönlichen E-Mail-Accounts nutzen, um Kreditkartenzahlungen über PayPal annehmen zu können.

Sogar Kickstarter stellte sich quer. Erst Ende letzten Jahres durfte ein Sexspielzeug, der Fin Vibrator von Dame über die Webseite ein Crowdfunding veranstalten.

Harrison verweist darauf, dass es für Unternehmen der Branche sogar schwierig sein kann, den Unternehmensnamen auf Schecks von der Bank zu erhalten. »Sex, Tod und die Periode – alles Super-Tabu«, sagt sie.

Facebook nutzt automatisierte Systeme, um Inhalte zu entfernen, die es für unangemessen hält. Wenn Inhalte durch einen Nutzer an Facebook gemeldet werden, schaut sich das Team der Community Operations bei Facebook den Inhalt an. Wenn dieser die Standards des Unternehmens nicht verletzt, bleibt der Inhalt im Netz. Wenn Facebook den Inhalt aber löscht, kann die Person oder Gruppe, die ihn gepostet hat, versuchen, gegen diese Entscheidung vorzugehen.

Die Facebook-Richtlinien sehen vor, dass die Entscheidungen der Reviewer regelmäßig überprüft werden, so dass fälschliche Löschungen angeblich diskutiert und für die Zukunft verhindert werden sollen.

Warum aber das Museum of Sex und der Hackathon auf Facebook so große Schwierigkeiten hatten, obwohl beide Seiten die Richtlinien offenbar nicht verletzt haben, konnte ein Vertreter des Unternehmens auf Anfrage von Motherboard nicht beantworten.

Bryony Cole, Moderator des Podcast Future of Sex und Mitorganisator des Hackathon sagt, das es vielen Menschen schwer falle, das Gute vom Problematischen zu unterscheiden.

»Die Menschen hören Sextech und denken ‘Oh mein Gott, das ist eine schmutzige Sache, bei der alle Leute von Robotoren gefickt werden’. In Wirklichkeit aber passieren so viel interessantere Dinge«, meint Cole.«

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