Polizei von New York drehte in den 70ern eigene Pornos

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Mitten in der Hochzeit des sogenannten »Golden Age« der Pornografie am Times Square hat sich die New Yorker Polizei zur Bekämpfung der vermeintlichen Verbrechen eine etwas eigenwillige Taktik überlegt. Um Zugang zur Szene zu bekommen, begann eine Gruppe von Polizisten selbst Pornos zu drehen. Die offenbar amüsanten Resultate sind noch heute als Einträge in der IMDB zu finden.

Wie wir aus HBOs eleganter Dramaserie »The Deuce« wissen, waren die 70er Jahre in New York ein einziger Sündenpfuhl. Die weitestgehend bankrotte Stadt war weit entfernt von der glattgebügelten Metropole für die internationalen Milliardäre der Gegenwart. Stattdessen gab es am Times Square zahlreiche Stripclubs, Sexshops, verbotene Prostitution und erste Pornoproduktionen, die kontinuierlich immer professionellere Filme produzierten, die dann in den Pornokinos des Landes auf und ab liefen und aus manch einem Pornodarsteller Stars machten.

Die damals hochprofitable, anarchische Szene am Times Square war Sittenwächtern und der New Yorker Polizei ein Dorn im Auge. Inmitten einer nahezu unregierbar gewordenen Stadt kamen einige Ermittler auf die Idee, dass man zur Infiltration der aus ihrer Sicht mutmaßlich verbrecherischen Pornoszene am besten selbst ins Geschäft einsteigt und Pornofilme produzieren muss.

Noch heute lassen sich die Spuren der findigen Fahnder im Archiv der zum Amazon-Konzern gehörenden Datenbank IMDB finden. Dazu muss man das Stichwort Keystone Porn eingeben. Dann findet man drei Einträge zu relativ kurzen Filmen, die als Loop bezeichnet werden und der NYPD im späteren Verlauf noch Kopfzerbrechen bereiten sollten. Denn die Produkte der Ermittler landeten tatsächlich in den Peep Show-Kinos der Stadt und wurden unter dem Tresen in Sexshops verkauft.

Zwei Cops, ein Kameramann, ein Mann & Michelle Lake

Offenbar war das Produktionsniveau eher bescheiden. Allerdings konnten die Ermittler eine erfahrene Darstellerin namens Michelle Lake für den weiblichen Part in den Filmen gewinnen. Laut Angaben von Lake zahlte man ihr wohl eine ordentliche Gage für ihre Mitwirkung. Folgt man den Zusammenfassungen auf IMDB, erzählt der erste Film von einem weiblichen Hotelgast, der aufgrund eines tropfenden Wasserhahns einen Pagen aufs Zimmer ruft. Im zweiten Film geht es um einen Dieb, der bei einer Frau einbricht. Der dritte Film zeigt die wilde Hochzeitsnacht eines frisch verheirateten Paares.

Lake spielte in den 70ern in insgesamt 16 Pornoproduktionen mit, darunter Klassiker wie »Eighteen and Anxious«, »Insane Diaries« und »Venture into the Bizarre«. Über ihre Mitwirkung an den Filmen der New Yorker Polizei sagt sie heute: »Über die Jahre sind die Details der vielen Filme, die ich gemacht habe, stark ineinander verschwommen, aber aus irgendeinem Grund erinnere ich mich gut an eine Menge Details bei diesem Job. Ich erinnere mich an dem Raum, ich erinnere mich daran, dass die ‚Produzenten‘ ein Mann und eine Frau waren, und ich glaube, dass da auch ein Kameramann war. Der Drehort selbst war ein beschissenes Hotel, nichts besonderes.« Lake sagt, dass sie sich nicht an ihren Filmpartner erinnern kann, aber dass man sie bar bezahlt habe und ihr zudem die Blumen gegeben habe, die als Deko in dem Raum gewesen sind.

Presse torpediert die verdecke Porno-Aktion

Wenige Wochen später bekam Lake einen Anruf von der Presse. Angeblich habe die New Yorker Polizei Aufnahmen von dem Dreh und irgendein Fernsehteam bat die Darstellerin um ein Interview. Die Medienaufmerksamkeit zerstörte das Vorhaben der NYPD und führte zu einer öffentlichen Debatte über die Verschwendung von Steuergeldern für pornografische Filme. In einem Interview mit dem stets lesenswerten Rialto Report sagte einer der damals aktiven Ermittler, dass er bis heute nicht wisse, wie die Medien damals Wind von der Aktion bekommen haben. »Die Berichterstattung hat alles kaputt gemacht.«

In der Kommentarspalte des Rialto melden sich einige anonyme Stimmen zu Wort, die sagen, dass der Versuch der Polizei die Branche zu infiltrieren eigentlich sofort ein offenes Geheimnis gewesen sei. Damals habe jeder jeden gekannt, die Szene habe sich bestimmt köstlich amüsiert über den Versuch.

Peinliches Nachspiel – Steilvorlage für Hollywood?

Der fehlgeschlagene Versuch, der mit medialer Häme begleitet wurde, ist schließlich sang- und klanglos in den Archiven des NYPD verschwunden. Anlass war aber eine aus heutiger Sicht eine etwas kuriose Nebenpointe. Der damalige Chef der New Yorker Polizei, Michael Codd, stoppte die Aktion vor allem deshalb, weil eine Polizistin bei dem Dreh anwesend gewesen ist. Noch heute mokiert sich der Partner der Polizistin: »Ernsthaft? Der hat sich aufgeregt, weil eine Frau daran teilgenommen hat? Das war sein großes Problem?«

Wir hoffen sehr, dass Hollywood die Geschichte mitbekommt und eine Farce daraus macht. Vielleicht George Clooney? Steve Buscemi? Scarlett Johansson? Irgendwer wird sich doch finden lassen.

Wer sich für die Geschichte der Pornografie interessiert, sollte unbedingt die Webseite des Rialto Report abonnieren. Eine sorgfältigere, liebevollere Form der Oral History dürfte kaum zu finden sein.

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