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Samstag, Dezember 16, 2017
Südafrikanische Sexspielzeug-Branche wird von Frauen dominiert

Südafrikanische Sexspielzeug-Branche wird von Frauen dominiert

Vuyo Mkize berichtet für das südafrikanische Magazin IOL »Vor kaum zwei Jahrzehnten war allein die Idee, dass Frauen sich selbst befriedigen ein Affront. Es war nicht nur unerhört, es war auch unbesprochen – die sexuelle Befreiung der Frau und erotische Selbsterkundung fand zwar hinter verschlossenen Türen statt, aber gesprochen wurde in Südafrika darüber nicht. 2017 jedoch sieht die Lage gänzlich anders aus: Frauen dominieren nicht nur als Unternehmerinnen die Sextoy-Branche, sondern stellen auch die Mehrheit in der Kundschaft. 

»Als ich mich ins Feld der Sexforschung aufmachte, wurde über weibliche Selbstbefriedigung nicht gesprochen. Es ist revolutionär, wie Frauen ihre Sexualität und Sextoys erobert haben, und die Umsätze der Sexspielzeugbranche bestätigen, dass Frauen die Produkte der Unternehmen mit Stolz kaufen«, so die klinische Sexforscherin Dr. Marlene Wasserman, eher bekannt als Dr. Eve.

»Zuvor wurde über weibliche Befriedigung geschwiegen, während männliche Masturbation als Zeichen für Maskulinität galt. Für Frauen war die Selbstbefriedigung mit Scham besetzt«, sagt sie.

Der Adult World Shopbetreiber Arthur Calamaras stimmt dem zu und fügt hinzu: »Die Sexspielzeugindustrie war traditionell von Männern kontrolliert, und die Produkte wurden vorwiegend an Männer verkauft. Doch in den letzten Jahren hat sich der Markt in eine andere Richtung entwickelt. Es gibt viele Frauen, die eigene Läden eröffnen.«

In diesem Jahr hat Desir, die Luxusmarke für High-End Sexspielzeug, eine Studie mit über 700 Teilnehmern durchgeführt. Dabei kam heraus, dass der Vibrator das meistgefragte Produkt unter Südafrikanern ist. 29% der Befragten haben sich einen gekauft.

Letzes Jahr hat ein Branchenreport des Statistic Brain Research Institute ergeben, dass aus Südafrika die drittgrößte Anzahl an Google-Suchen nach Sextoys stammt. Die fünf online meistgekauften Produkte waren Vibratoren, Gummipenisse, Gleitgel, Analperlen und Penisringe.

»Es gibt viele Singles, die sich selbst befriedigen. Das Land wird gesünder und Witwer und Witwen sind auch unter den Kunden. Viele Menschen werden zwischen 70 und 80 Jahre alt, und einige sind bis weit über 70 sexuell aktiv«, so Calamaras.

»Gleitgel ist ein sehr großer Markt. Allein R400.000 Umsatz erzielen wir mit Gleitgel (in den Shops.«

»Es gibt anders als in den Vorjahren inzwischen auch weitaus mehr teurere Vibratoren, die auf den Markt kommen. Immer mehr Frauen wollen stilvollere, hübsch designte Toys wie den ‘Rabitt’ und andere Produktreihen in diesem Segment.«

Das einzige Problem mit dem offenen Umgang mit Sexspielzeug ist laut Dr. Eve, dass dadurch »eine neue Welle« aufgekommen sei. Frauen stünden nun unter Druck, sich selbst zu befriedigen und Orgasmen zu erreichen.

»Als Gesellschaft neigen wir dazu, die Dinge allzu sehr zu pathologisieren. Wenn eine Frau nun nicht masturbiert, ist nun plötzlich das ein Problem. Die Menschen wollen, dass Frauen immer frecher werden, wobei viele Frauen nach wie vor ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper haben.«

»Ich kann diese Magazine nicht leiden, die Frauen als sexuelle Göttinnen darstellen. Frauen wollen einfach so sein, wie sie sind«, entgegnet Dr. Eve.

»Masturbation ist Teil der weiblichen Gesundheit und der weiblichen Lust – es sollte nicht gezwungen sein, sondern stets aus eigenem Willen geschehen«, sagt sie.

Dr. Eve hat außerdem eine »große Veränderung« in ihrem eigenen Sexshop beobachtet. Der Trend zu teureren High-End-Sextoys nehme wieder ab, da sich der Markt für jüngere Schwarze vergrößere, die günstigere Modelle bevorzugen.«

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