Sexshops im Porträt #08: Untamed Love, Schweiz

untamed love sexshop

Dieser Tage wurde der erste queer-feministische Online-Sexshop der Schweiz eröffnet. Er heißt Untamed.Love und wurde von Jessica Sigerist und Tobias Zimmermann gegründet. Die beiden sagen von sich und ihrem Unternehmen, dass sie Sex lieben, aber Sexismus in keiner Weise tolerieren.

Die Schweizer Unternehmer Jessica Sigerist und Tobias Zimmermann haben den ersten queeren und feministischen Erotik-Onlinehändler der Schweiz eröffnet. Dabei setzen die beiden auf einen vollständigen Verzicht auf sexistische Darstellungen und ein klares Bekenntnis zu Lust, Sinnlichkeit und sexueller Freiheit.

Der Shop präsentiert sich mit viel Witz und in einem verspielten Design, das Lebensfreude betonen soll. Auch auf den Werbebildern für die unterschiedlichen Kategorien spiegelt sich dieser lustbetonte Ansatz: statt Frauen mit Modelmaßen finden sich vielfältige Models und Formen, die für die einzelnen Produktkategorien werben. Sex als Party für alle, als fröhlicher Genuss.

In gewisser Weise, so die beiden im Interview, hat sich die Idee für das Shopkonzept wohl aus eigener Frustration ergeben. Sigerist erzählt: »Jedes Mal, wenn ich mir ein Sextoy kaufen wollte, wurde mir klar, dass es in der Schweiz kaum einen Ort gibt, an dem ich mein Geld gern ausgebe. Die großen Online-Shops sind diskriminierend oder schmuddelig – und im besten Fall einfach nur stinklangweilig.« Ein hartes Urteil. Doch wenn man so unzufrieden ist, tut man immer gut daran, es selbst besser zu versuchen. Und das haben die beiden dann auch getan und Untamed.Love gegründet.

Neben dem Verzicht auf konventionelle Bildsprache hat der Shop auch die klassische Einteilung der Toys nach Geschlechtern aufgegeben und die Produkte nach Themen sortiert. Dies soll traditionelle Geschlechterrollen und -grenzen als Hauptentscheidungsmerkmal abschaffen und den gedanklichen Horizont der Shopkunden auf etwas anderes legen: Was macht mir Spaß? Worauf haben wir Lust? Auf diese Weise soll das Konzept weitaus einladender wirken.

Sigerist sagt dazu: »Ob trans oder non-binäre Menschen – bei uns sind alle willkommen. Außerdem muss man nun wirklich keine rosaroten Butt Plugs für Frauen und schwarze für Männer verkaufen. Wir alle haben einen Arsch.«

Damit weist Sigerist auf ein weiteres Merkmal von untamed.love hin. Während andere Shops sich teils mit der schieren Anzahl der unterschiedlichen Artikel werben und Vollständigkeit suggerieren, will sich der queer-feministische Sexshop auch dahingehend unterscheiden, was er nicht im Sortiment hat: »Es gibt auch einige Toys, die wir ganz bewusst nicht ins Sortiment genommen haben. Zum Beispiel Masturbatoren, die Frauen auf ihre beiden Öffnungen reduzieren. Oder Toys, die eigentlich toll wären, aber die Verpackung objektivierend bebildert ist.« Das dürfte eine große Anzahl der Stroker und Masturbatoren am Markt betreffen.

Darüber hinaus gibt es auch das Bestreben ethisch und ökologisch korrekt zu handeln. So bemühen sich die beiden Shop-Betreiber nur Artikel mit gesundheitlich unbedenklichen Materialien zu führen. Aus ihrer Sicht seien das: Glas, Hartplastik, Metall und Silikon. Auf der Suche nach biologisch abbaubaren Vibratoren sind sie zumindest in einem Fall fündig geworden. Außerdem im Sortiment: Fair-Trade-Kondome und das dann doch etwas fragwürdige Toy aus veganem Leder. Woraus genau besteht es denn dann?

Insgesamt aber verspricht das Konzept frischen Wind und ergänzt die zahlreichen Store-Konzepte um ein weiteres. Vielleicht lassen sich so in der Schweiz neue Kundengruppen für Sextoys und Erotikartikel gewinnen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite von untamed.love. Der amüsante Instagram-Account des Shops findet sich hier.

 

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