Verbot: China geht gegen ASMR-Videos vor

China ist kein Fan von ASMR-Videos. Die Strafverfolgungsbehörden haben mehrere Angebote und Websites untersagt, die sich auf die eher bizarre Entspannungstechnik spezialisiert haben, die für viele junge Frauen eine interessante Einnahmequelle darstellt.

China ist bekanntlich streng, wenn es um die Durchsetzung seiner Zensurgesetze geht. Jetzt haben die chinesischen Behörde offenbar die Nase voll vom doppeldeutigen Spiel mit Videos, die hauptsächlich dazu gedacht sind, Menschen zu entspannen oder ihnen zu helfen, ihren Schlaf zu finden: ASMR. Die Videos von jungen Frauen, die unsinniges Gerede flüstern, die Geräusche von Bürsten, Fingernägeln, Kauen und in einigen Fällen von nassen Lippenküssen wiedergeben, sind von nun an in China verboten.

Das Land, das jungen Frauen das Essen von Bananen vor der Kamera verboten hat, geht nun gegen das YouTube-Phänomen vor, das man wahlweise für Entspannung, verrückte Mindfucks oder harmlose, aber etwas dümmliche Unterhaltung halten kann. Die Behörden in China betrachten ASMR-Videos jedoch als eine Möglichkeit, die harten Zensurgesetze gegen die Erstellung und den Verkauf von pornografischen Inhalten zu umgehen.

Für chinesische Darsteller und Zuschauer ist dieses Vorgehen juristisch potentiell gefährlich, aber für eingefleischte Fans des Genres ist dieser Schritt nichts anderes als eine Beleidigung, da »Autonomous Sensory Meridian Response« (ASMR) normalerweise nicht als masturbatorischer Fetisch gedacht ist, obwohl viele weibliche Produzenten im Westen nur zu gut wissen, dass dies ein wichtiger Faktor für die Popularität von ASMR ist. Ursprünglich ging und geht es darum, dass die Audiosignale und vielfältigen Geräusche von Objekten und Menschen beim Betrachter sogenannte Tingles (ein kribbelndes Gefühl) auslösen, das manche Menschen als äußerst entspannend und schlaf-fördernd empfinden andere jedoch gar nicht wahrnehmen.

Das National Institute of Health beschreibt ASMR als ein »bisher nicht untersuchtes sensorisches Phänomen, bei dem Menschen ein prickelndes, statisches Gefühl auf der Kopfhaut, im Nacken und manchmal in weiteren Bereichen als Reaktion auf spezifische akustische und visuelle Reize erfahren. Diese Erfahrung soll von einem Gefühl der Entspannung und des Wohlbefindens begleitet sein.«

Viele Leute erleben das Gefühl überhaupt nicht, und viele Leute denken einfach, dass ASMR-Videos gefälschte und vor allem Pornoersatz sind. Forscher aber fanden heraus, dass die meisten Zuschauer ASMR-Videos tatsächlich zum Stressabbau nutzen. (Es bleibt unklar, ob das nicht dennoch auch Masturbation beinhalten könnte.)

Wie dem auch sei, chinesische Beamte wollen nicht auf die Besonderheiten sensorischer Erfahrungen eingehen, die real oder eingebildet sind. Das National Office Against Pornographic and Illegal Publications hat alle Websites und Plattformen, die AMSR-Videos anbieten, aufgefordert, erneut zu überprüfen, dass ihr Inhalt nicht als pornographisch einzustufen ist.

Die Anti-Porno-Behörde veröffentlichte die Anrodnung mit einer Erklärung: »Ein großer Teil des Publikums der ASMR-Produktionen sind junge Menschen. Alle Internetunternehmen müssen ihre Verantwortung ernst nehmen, und ihre Anstrengungen bei der Bereinigung und Berichtigung von Inhalten verstärken, Mechanismen zur Überprüfung von Inhalten strikt umsetzen und ein System zum Schutz von Minderjährigen einrichten, um Inhalte herauszufiltern, die Minderjährigen Schaden zufügen können.«

Das Büro macht deutlich, dass die Beamten beginnen werden, »diejenigen zu verfolgen, die gegen das Gesetz verstoßen«. Wie bei den Webcam-Diensten im letzten Jahr sollten Unternehmen dies als sehr ernsten Warnschuss verstehen. Andernfalls könnten Unternehmen und Webseiten beschlagnahmt und Vertreter der Unternehmen inhaftiert werden.

 

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