Echte Privatsphäre für neuen Porno-Browser?

Brave Browser
Brendan Eich ist der ehemalige Chef des Firefox-Herstellers Mozilla und hat mit seinem neuen Browser »Brave« Revolutionäres vor. Mit 35 Millionen Dollar an Investorengeldern im Rücken will er die Art, wie wir uns im Internet bewegen, auf den Kopf stellen und manch ein Werbetreibernder dürfte ein bisschen nervös werden.

Der neue Browser soll nicht nur für alle Betriebssysteme – Windows, Mac, LinuxAndroid und iOS – kostenlos zur Verfügung stehen, sondern neben den Standardfunktionen der führenden Browser eine echte Anonymisierung wie bei dem mit dem Darknet assoziierten Tor ermöglichen.

Das Besondere ist also der »Porno-Modus« des neuen Browsers. Aktiviert man ihn bei konventionellen Browsern, hinterlässt man auf dem eigenen Gerät zwar keine Spuren mehr, Cookies werden nach Schließen des Browsers gelöscht und Verlaufshistorien werden gar nicht erst angelegt. Werbenetzwerke, Intranets, Regierungsbehörden und Geheimdienste aber können Ihr Surfverhalten weiterhin verfolgen, alle Nutzungsspuren außerhalb Ihres PCs entstehen wie bei ausgeschalteten Pornomodus auch. Und hier setzt Brendan Eich seine Revolution an. »Brave« soll den Anonymisierungsdienst Tor im Porno-Modus aktivieren. Über Tor wird der Internetverkehr umgeleitet und so verschleiert, von welchem Anschluss die Anfragen ausgelöst wurden.

Zwar gibt es nach wie vor Zweifel, ob die Anonymisierung bei Tor wirklich und nachhaltig vor Zugriffen durch Staat und Geheimdienste schützen kann, dennoch aber dürfte die Nachfrage nach einem solchen Browser, der anonymes Surfen bei unkomplizierter Handhabung verheißt, riesig sein.

Mit Brave wird aber auch ein neues Zahlungssystem im Internet möglich. Werbebanner und zielgruppenbasiertes Verfolgen der Nutzer über mehrere Webseiten hinweg soll mit Brave der Vergangenheit angehören. Der Brave-Nutzer sollen ihren Browser mit Guthaben   aufladen, das der Browser dann anteilsmäßig auf die besuchten Webseiten verteilt. Die Bezahlung soll obendrein anonym ablaufen, so dass der Webseitenbetreiber nicht zurückverfolgen kann, wer ihm das Geld über Brave zukommen ließ.

Brave erfindet also die Bezahlung der Inhalteanbieter gänzlich neu. Die ungeliebte Durchleuchtung der Nutzer könnte damit beendet werden, während Seitenbetreiber und Content-Produzenten dennoch zu ihrem Geld kommen. Alles das ist natürlich nur möglich, wenn der Browser auf breite Akzeptanz bei Nutzern und Seitenbetreibern stößt.

Insbesondere für Anbieter im Erwachsenenbereich tun sich mit diesem Browser gigantische Chancen auf. Das Risiko dürfte gering sein, da Pornoanbieter ja ohnehin bisher nur selten von Werbeeinnahmen leben und teils mit komplizierten Einschränkungen für die Bezahlung ihrer Inhalte leben müssen. Obendrein dürften auch über Brave pornografische Inhalte besonders häufig aufgerufen werden, was den Anteil der auf pornografische Inhalte spezialisierten Unternehmen bei der Verteilung der Brave-Gelder bevorteilen dürfte.

 

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