Soft Ban für erotische Inhalte bei Instagram

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Kaum ein Social Media Unternehmen dürfte so stark von gut aussehenden Körpern abhängen wie Instagram. Ausgerechnet die Facebook-Tochter ändert ihre Richtlinien nun dahingehend, dass sogenannte »suggestive« anzusehende Inhalte mit einem Soft-Ban bestraft werden.

Neben schönen Momentaufnahmen sind es doch zumeist die clever inszenierten Körper der sogenannten Influencer, die den großen Reiz der Social Media Plattform Instagram ausmachen. Auch zahlreiche Anbieter der Erotik-, Sex- und Pornobranche haben erkannt, wie gut sich die Plattform und ihr freundliches Umfeld für die Bewerbung von Stars und Inhalten eignet, wenn man alles mit einem influencer-tauglichen Lifestyle auflädt.

Während der Mutterkonzern immer schon ausgesprochen prüde war, gegen Hass- und Fake News Postings aber bis heute nichts wirklich Wirksames auszusetzen vermag, war Instagram immer die freundliche, zeigefreudige, coolere Tochter. Pornografie und Nacktheit waren zwar nicht erlaubt, Erotik und aufgeladene Inhalte sowie dezent gehaltene Werbung für pornografische Inhalte durchaus.

Zensur auch bei Instagram

Nun aber schlagen auch bei Instagram die weltweit harscher werdenden Zensurbestrebungen durch. Zwar sollen erotische Inhalte lediglich mit einem Soft Ban belegt werden, also aus der Explorer-Funktion und aus den Hashtag-Sammlungen herausgehalten werden, doch bedeutet dies auf Dauer eine Unsichtbarwerdung und extreme Hürden beim Sammeln neuer Follower.

Bestehende Konten werden also nicht gesperrt und Follower sehen die Posts abonnierter Konten weiterhin. Doch die Verbannung aus dem Hashtag-Algorithmus bedeutet, dass das zentrale Werkzeug zur Abonnentengewinnung erotischen Inhalten nicht mehr offensteht. Mit der Zeit werden die Angebote in die Bedeutungslosigkeit rutschen, Neuanfänger, insbesondere neue Darsteller und Künstler werden es schwerer haben.

Die Branche verliert Zugang zu immer mehr Plattformen

Bei einer Pressekonferenz ließ das Unternehmen verlautbaren, dass die neuen Richtlinien dazu dienen sollen, die Verbreitung »ungeeigneter Posts, die allerdings nicht gegen die Richtlinien der Plattform verstoßen« zu verhindern. Übersetzt heißt dies: die Nutzer der Plattform dürfen sich auf willkürliche Entscheidungen gefasst machen. Denn was von den Richtlinien her erlaubt ist, soll noch lange nicht einfach geteilt werden.

Nach Tumblr und Twitter verabschiedet sich somit eines der wichtigsten Werbewerkzeuge für Darsteller, Künstler, Performer und Studios. Erneut wird die Erotik- und Pornobranche aus den Mainstreammedien gedrängt, Stück für Stück soll die Branche aus der Sichtbarkeit verschwinden. Wo aber Erotik zensiert wird, ist es nicht weit, bis ähnliche Mechanismen auch gegen politisch unliebsame Stimmen gerichtet werden. Schließlich ist Sex, mithin die körperliche Selbstbestimmung immer auch politisch.

Unklare Regelungen, Willkür vorprogrammiert

Das Webmagazin TechCrunch weist auf die undurchsichtige neue Regelung hin, die zu Willkür einlädt und professionellen Darstellern, Unternehmen und Künstlern das Leben schwer machen wird.  »Wenn ein Post als sexuell suggestiv eingestuft wird, aber keinerlei Sex oder Nacktheit zeigt, kann er dennoch verschwinden. Gleiches soll gelten, wenn ein Meme zwar keinen Hass oder Beleidigungen enthält, aber dennoch von schlechtem Geschmack zeuge, geschmacklos, gewalttätig oder verletzend sei, dann wird der Post weniger Views erhalten.« Da diese Punkte kaum objektiv zu bewerten sind und obendrein von Land zu Land unterschiedlich verstanden werden können, dürfte ein völliges Chaos ausbrechen.

Künftig sollen Algorithmen Softbans verhängen

Will Ruben ist Produktentwickler bei Instagram und er sagt, dass das Unternehmen seine Moderatoren dahingehend schule, dass »Borderline Inhalte« gekennzeichnet werden können, wenn nach Verletzungen der Richtlinien gesucht werde. Ziel sei, dass dies irgendwann von einem Algorithmus ausgeführt werden kann.

Damit schränkt sich Instagram für die Zukunft massiv ein und entscheidet sich gegen Meinungsfreiheit und Nutzerfreundlichkeit. Erneut wird auch jahrelange Arbeit von Account-Nutzern, die der Plattform beim Aufbau von Relevanz mit eigenen Inhalten gratis geholfen haben, massiv geschadet. Für die Branche gilt: Derzeit kann sie sich auf Geschäftspartner aus den USA kaum verlassen, wenn diese auch im Mainstream tätig sind.

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