Webseite mit neuronaler Gesichtserkennung ist mit 650.000 Bildern von Pornostars vernetzt

Ein Startup für Gesichtserkennung namens Pornstar.ID hat eine Bildsuchmaschine zur Identifizierung von Pornodarstellern entwickelt und sein neuronales Netzwerk darauf ausgerichtet, mehr als 650.000 Bilder von mehr als 7.000 Pornodarstellerinnen zu erkennen.

NSFW: Wenn Sie wirklich herausfinden möchten, wer die Pornodarstellerin in dem Foto unten ist, sollten Sie vielleicht warten, bis Sie aus dem Büro draußen sind. Weder Pornstar.ID noch die Links in dem Tweet sind für die Augen von neugierigen Kollegen oder Vorgesetzten geeignet.
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Nein, ich wusste nicht, wer diese Pornodarstellerin war, bevor Pornstar.ID ihr Profil zeigte. Jetzt weiß ich zumindest ihren Künstlernamen.

Ich habe jedoch noch keine Antworten auf Fragen, die sich bezüglich des Datenschutzes ergeben. Dazu gehören: haben die Darstellerinnen ihr Einverständnis gegeben, auf Pornstar.ID erkannt und gelistet zu werden? Haben Sie zugestimmt, dass ihre biometrischen Daten gescannt werden, um ein neuronales Netzwerk zu befüttern? Gibt es irgendein Gesetz, das besagt, dass ihre veröffentlichten Bilder, die vermutlich online für jeden einsehbar (oder käuflich zu erwerben) sind, für die Verbesserung von lernenden Algorithmen für Gesichtserkennungszwecke verwendet werden dürfen?

Es gibt sogar bereits Gesetze, die sich mit Gesichtserkennung beschäftigen. Das Electronic Privacy Information Center (EPIC) schätzt, dass das stärkste davon der Illinois Biometric Information Privacy Act ist, der die Nutzung von biometrischen Erkennungstechnologien ohne Genehmigung der betroffenen Person verbietet.

Laut EPIC ist Gesichtserkennungssoftware im Grunde in vielen Teilen der Welt verboten. So deaktivierte Facebook nach massivem Druck durch den Datenschutzbeauftragten Irlands Gesichtserkennung in ganz Europa: bis dahin hatte Facebook Gesichtserkennung ohne Einverständnis der Nutzer eingesetzt.

Abhängig also vom Wohnort gibt es durchaus Gesetze gegen Gesichtserkennung ohne vorherige Einverständniserklärung. Es ist unklar, ob der Gesichtsscan von Pornstar.ID gegen solche Gesetze verstößt.

Nutzer können Fotos auf Pornstar.ID laden oder ein Bild über Twitter an Pornstar.ID senden, um eine Pornodarstellerin zu identifizieren (kurioserweise konzentriert sich Pornstar.ID auf Frauen, männliche Darsteller werden nicht erkannt). Wenn Pornstar.ID die Darstellerin nicht erkennt, schlägt es eine Liste mit ähnlich aussehenden Frauen vor.

Mike Conrad, der Erfinder von Pornstar.ID, hat gegenüber Digital Trends angegeben, dass die App ein „No-Brainer“ war, schließlich war die Technik weit vorangeschritten und Fans wollten ihre Stars identifizieren:

Conrad weist darauf hin, dass das neuronale Netzwerk immer noch im Beta-Modus sei. Es arbeitet noch immer mit Stills, jedoch gibt es Pläne, den Dienst dahingehend zu erweitern, dass er auch Gesichter in Videos erkennen kann. Diesen Monat noch will das Team eine verbesserte Version veröffentlichen.

Man habe vor, die gegenwärtige API für Dritte zu öffnen. Gemeint sind „Tube-Webseiten“, die Videounterstützung nutzen könnten, um “Pornodarsteller automatisch zu taggen”.

Laut einer Quora-Nutzerin, die sich selbst als Pornostar, Pornoseitenbetreiberin und Produzentin bezeichnet, ist „Tube“ eine Beschreibung für Pornoseiten, die Ähnlichkeiten mit YouTube aufweisen, bei denen Nutzer Videos hochladen, ein System aus Likes und Dislikes besteht und die Zahl der Views und Kommentare gezählt wird.

Automatisierte Identifikation von Personen wird schlicht durch das Betrachten von Videos möglich: ist diese Form der Gesichtserkennung spannend oder besorgniserregend? Ich nehme an, das hängt davon ab, ob man ein Fan ist oder jemand, dessen Gesichtsabdruck erkannt wird.

Aus Sicht der Darsteller jedenfalls könnte dies ein sehr problematisches Angebot sein.

Letztes Jahr gab es Berichte über Sexarbeiter in Russland, deren Anonymität mit Hilfe einer Gesichtserkennungssoftware namens FindFace aufgehoben wurde. Dabei wurden pornografische Aufnahmen der Person mit den Fotos in der russischen Version von Facebook, dem sozialen Netzwerk VK (ehemals Vkontakte), abgeglichen.

Die Beliebtheit der App stieg enorm an, als der Fotograf Egor Tsvetkov vorführte, wie einfach es war, Menschen anhand von Fotos, die er in der U-Bahn von ihnen gemacht hatte, durch den Vergleich mit VK-Fotos zu erkennen und zu identifizieren. Er hat sein Projekt “Your Face Is Big Data” genannt.

Um vorzuführen, wie invasiv Gesichtserkennung sein kann, hat Tsvetkov Menschen, die in der U-Bahn vor ihm saßen,  fotografiert und dann über FindFace in sozialen Netzwerken nach ihnen gesucht.

Wie bei Pornstar.ID können Nutzer ein Bild bei FindFace hochladen, ganz gleich, ob es in der U-Bahn oder in einer anderen Stalking-Situation angefertigt wurde. Der Service gleicht dieses Foto dann mit öffentlich zugänglichen Bildern und Profildaten in VK ab.

Die entsprechenden Inhalte wurden nicht als privat markiert.

Tsvetkovs Projekt konnte erfolgreich vorführen, dass es möglich ist, die alltäglichen, gestressten und müden Gesichter in der U-Bahn in den herausgeputzten, teilweise gewagten Fotos aus den sozialen Medien wiederzuerkennen.

Wird Pornstar.ID auch zur Identifizierung von Sexarbeitern eingesetzt werden, selbst dann, wenn sie nur über die Straße gehen und einen Kaffee bei Starbucks kaufen? Könnten diese Daten eines Tages auf soziale Medien linken, so dass Fans und Stalker die bürgerlichen Namen, Wohnorte und alle möglichen anderen Details herausfinden können? Dann ist dies ein weiterer Grund, seine persönlichen Informationen in den sozialen Medien eher einzugrenzen.

Ich habe Pornstar.ID mit Bitte um Antwort auf diese Fragen geschrieben und auch erfragt, was die Überlegung hinter der ausschließlich auf Frauen ausgerichteten Suche ist. Ich werde diesen Artikel aktualisieren, sobald ich mehr in Erfahrung bringen konnte.

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