Avast Virenscanner verkaufte Nutzerdaten

Avast verkaufte Nutzerdaten

Das Unternehmen hinter der Antivirus-Software Avast hat über die eigene Tochterfirma Jumpshot im großen Stil Nutzerdaten einschließlich Browserverläufen und Suchanfragen an Konzernkunden verkauft. Das Unternehmen reagiert auf die Protestwelle und schließt den betreffenden Geschäftsbereich. Für mehrere hundert Millionen Nutzer kommt die erzwungene Einsicht jedoch zu spät. 

Nach einem investigativen Bericht von Motherboard und PCMag ist bekannt geworden, dass das Geschäftsmodell hinter dem kostenlosen Antivirenprogramm Avast eine immense Datenschutzverletzung der Nutzer darstellt. Das Unternehmen hatte über eine Tochterfirma Browser- und Suchverläufe seiner Nutzer in verschiedene Pakete geschnürt und nur unzureichend anonymisiert an große Konzernkunden verkauft. Je nach Größe des jeweiligen Unternehmens konnte dieses mit hoher Wahrscheinlichkeit in Verbindung mit dem eigenen Datenschatz Rückschlüsse auf die Klarnamen-Identität der jeweiligen Profile schließen.

Avasts Tochterfirma Jumpshot verkaufte auch Verläufe zum Pornokonsum und anderweitigem Kauf- und Suchverhalten der Nutzer der tief in die Betriebssysteme und Browser implementierten Antiviren-Software. Dabei wurde das Vertrauen, das die Nutzer meistenteils nichtsahnend Avast entgegenbrachten massiv missbraucht.

Der investigative Bericht der beiden Onlinemedien Motherboard und PCMag hat Avast nun in arge Erklärungsnöte gebracht. Millionen von Kunden bangen um ihre Privatsphäre und fragen sich nicht zuletzt, ob ihre Pornovorlieben und sonstigen Geheimnisse den großen Konzernkunden Avasts nun vollkommen bekannt sind. Zu den Kunden gehörten Google, Home Depot, McKinsey und Pepsi.

Der Börsenkurs des vom Darling zum Bösewicht abgestürzten Virenschutz-Dienstes Avast stürzte um 30% ab. Allein letzten Donnerstag verloren die Aktien des Unternehmens, das etwa 800 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, 12% im Vergleich zum Vortag.

In einem Versuch, Schadensbegrenzung zu betreiben, erklärte das Unternehmen, den betreffenden Geschäftsbereich und das dazugehörige Tochterunternehmen einzustellen. Avast-Boss Ondrej Vlcek gibt sich zerknirscht. Er habe erkannt, dass viele Menschen sich getäuscht und verletzt sehen, der Vertrauensverlust sei verständlich.

Nun hofft er mit der sofortigen Schließung von Jumpshot verlorenes Vertrauen wiedergewinnen zu können. Die Schließung von Jumpshot, das in fünf Städten weltweit Büros führte, wird mehrere hundert Jobs kosten, so Vclek. »Es ist dennoch richtig, das zu tun.«

Inwiefern sich das Unternehmen von diesem Skandal erholen kann ist fraglich. Grundsätzlich stellen sich vielen Nutzern natürlich nun die Frage, ob man kostenfreien Antiviren-Programmen überhaupt trauen kann.

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